Filmporträt Herrenworte

Eine WDR-Doku versucht, Götz Alsmann aus Anlass dessen 60. Geburtstags nahezukommen. Aber der versteht es meisterlich, Privatheit nur vorzugaukeln.

Von Hans Hoff

Der Versuch, Götz Alsmann zu begreifen, ist schon hundertmal gescheitert. Wie kaum ein anderer versteht es der Münsteraner Unterhalter, Privatheit vorzugaukeln, am Ende aber doch sehr wenig von sich preiszugeben. Er beherrscht die Kunst, die Fassade wie das Dahinter wirken zu lassen und berichtet so viel vermeintlich Intimes, dass der Frager ob der schieren Masse der Geständnisse irgendwann müde wird und sich mit dem zufrieden gibt, was er serviert bekommt.

So verwundert es nicht, dass auch Klaus Michael Heinz scheitert beim Versuch, den promovierten Musikwissenschaftler mit Hang zur öffentlichen Clownerie dingfest zu machen. Schon mehrfach ist Heinz mit seiner Methode öffentlichen Figuren auf die Spur gekommen. Fast ein Selbstportrait nennt er seine liebevoll zusammengestellten Montagen aus monatelanger Archivrecherche. So hat er Rudi Carrell treffend gezeichnet, aber auch Alfred Biolek oder Thomas Gottschalk. Es waren oft Menschen, denen Heinz in seiner Funktion als WDR-Unterhaltungsredakteur nahe kommen durfte und dann aus seinem Wissen das rechte Maß in der Collage fand.

Schwierig wird es indes immer, wenn die Porträtierten sich nicht zurückhalten und die Archivauswahl von Heinz sprechen lassen, sondern aktiv mitgestalten, wenn quasi die übergroße Nähe den Blick trübt. Ein Porträt von Bettina Böttinger etwa wurde 2016 zum distanzlosen Liebesdienst, und auch im Falle von Götz Alsmann, der am 12. Juli seinen 60. Geburtstag feiert und konsequent die Rolle des professionell altmodischen Kaspers spielt, versperrt nun die vermeintliche Offenheit des Gezeichneten die Klarheit des Bildes.

Götz Alsmann radelt durch Münster, er steht in Oberhausen auf der Bühne, musiziert in Rom in einem berühmten Studio und nimmt die Kamera mit in sein Münsteraner Atelier, wo seine Platten und seine Instrumente stehen. Er führt den Zuschauer in die Wohnung, in der er aufwuchs, er zeigt, wo er erste Klavierstunden verbrachte, und er tut so, als plaudere er frei von der Leber weg.

Über 100 Konzerte im Jahr spielt er, zwölf Stunden Radio produziert er im Monat, und dann schreibt er noch Noten auf, sammelt Keramik und uralte Herrenmagazine. Er führt ein "Leben im Mahlstrom der Ambivalenzen", sagt er. Immer sei er nur zu zwei Dritteln zufrieden. Ist er zu lange auf Tour, will er nach Hause; ist er lange zu Hause, drängt es ihn auf die Bühne.

Es ist nach dem Ende von Zimmer frei keine Ruhe eingekehrt im Leben des Götz Alsmann, der am Ende durch ein Fenster seines Ateliers zu sehen ist, wie er nachts Mandoline spielt. Alsmann hat diesen Film so sehr im Griff, dass man die Einschränkung "fast" vor dem Selbstporträt eigentlich streichen müsste. Am Schluss hat er sein Ziel erreicht: Man glaubt als Zuschauer alles von ihm zu wissen und kennt ihn doch kaum.

Götz Alsmann - Fast ein Selbstportrait, WDR, Samstag, 22.45 Uhr.