Fernsehrechte Kampf um die Könige

Quotenbringer: Dortmund-Spieler Marco Reuss (li.) im Gespräch mit ZDF-Sportreporter Boris Büchler.

(Foto: Bernd Feil/imago)

Die Sender bieten um die Rechte für die Champions League - ein Milliardengeschäft. In den kommenden Wochen soll die Entscheidung fallen. Möglich, dass die Spiele künftig ganz im Bezahlfernsehen verschwinden - das dürfte nicht nur dem Publikum missfallen.

Von Caspar Busse

Für den FC Bayern München ist das Ausscheiden in der Champions League ein herber Rückschlag. Für den Abosender Sky hingegen war die dramatische Partie gegen Real Madrid ein Erfolg: Bis zu 1,5 Millionen Zuschauer verfolgten das Spiel im Bezahlfernsehen. Und auch das Aus von Borussia Dortmund gegen den AS Monaco war ein Hit: Fast 8,5 Millionen schalteten am Mittwoch das ZDF ein, das damit einen Marktanteil von 27 Prozent erreichte.

Fußball ist für die Fernsehsender nach wie vor sehr attraktiv, das Interesse der Zuschauer garantiert. Gerade wird hinter den Kulissen über die TV-Rechte an der Champions League für die Spielzeiten 2018/19 bis 2020/21 gerungen. Noch ist offenbar nichts entschieden, aber Insider rechnen damit, dass bis Anfang Mai der Zuschlag erfolgen könnte, also rechtzeitig vor dem Ende der laufenden Saison der Königsklasse - am 3. Juni soll das Finale in Cardiff stattfinden. Der europäische Fußballverband Uefa hat den Schweizer Sportrechtehändler Team mit dem Verkauf beauftragt, der über Highlight Communications zur börsennotierten Constantin Medien AG gehört. Und die wird gerade von einem heftigen Streit im Gesellschafterkreis erschüttert - Ausgang auch hier offen.

So lukrativ wie die Bundesliga sind die Spiele nicht

Es geht um ein Milliardengeschäft: Für die deutschen Rechte an den Spielen der Champions League sind gleich mehrere Bieter dabei. Bislang sind hierzulande alle Spiele beim Abosender Sky zu sehen, die Partien am Mittwoch für jeden zugänglich beim öffentlich-rechtlichen ZDF. Neben diesen beiden Bietern wird aber auch dem US-Konzern Discovery, der unter anderem Eurosport betreibt und bereits die TV-Rechte an den Olympischen Spielen erworben hat, Interesse nachgesagt. Ein weiterer Bieter ist auch die Internetplattform Dazn. Die gehört zur britischen Perform Group, welche ihrerseits mehrheitlich Bestandteil der US-Beteiligungsgesellschaft Access Industries des Milliardärs Leonard Blavatnik ist. Dazn ist zum ersten Mal im Rennen und gibt sich selbstbewusst. "Wir schätzen unsere Chancen recht gut ein. Finanziell können wir mit den Großen mitspielen", sagte ein Dazn-Manager vor Kurzem dem NDR. Dazn zeigt seit dem vergangenen Sommer für knapp zehn Euro im Monat Live-Sport aus der englischen Premier League und anderen europäischen Top-Ligen an. Neben dem ZDF könnten aber auch andere frei empfangbare Sender wie RTL dabei sein, auch Amazon - der Konzern will ins Geschäft mit Live-TV-Streaming einsteigen - gilt als interessiert.

So lukrativ wie etwa die Bundesliga, deren TV-Rechte zuletzt Rekordpreise erzielten, ist die Königsklasse allerdings nicht. "Die Champions League ist wenig kalkulierbar", sagt ein Beteiligter. Denn das Zuschauerinteresse steht und fällt mit dem Erfolg der deutschen Mannschaften. In diesem Jahr steht kein deutsches Team im Halbfinale, 2013 haben Bayern und Dortmund das Endspiel bestritten.

Trotzdem sind die Mittwochsspiele gerade für das ZDF regelmäßig Garant für gute Quoten. Auch für Sky wäre ein Verlust der Rechte unerfreulich, gerade musste der Sender auch bei der Bundesliga Kompromisse machen. Möglich ist auch, dass die Champions League künftig nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sein wird. Anders als etwa bei der Fußball-Bundesliga gibt es keine Vorgaben, dass die Partien oder Zusammenfassungen teilweise bei frei empfangbaren Sendern zu sehen sein müssen.

In Deutschland dürfen, abgesehen vom Finale (nur im Falle einer deutschen Beteiligung), alle Champions-League-Spiele ausschließlich im Pay-TV übertragen werden. Das Problem: Sponsoren und Werbepartner fürchten in diesem Fall einen Verlust der Reichweite und damit der Sichtbarkeit ihrer Marken. In Großbritannien ist das bereits seit Jahren der Fall. Dort hat sich der Telekomkonzern BT für angeblich etwa 1,4 Milliarden Euro die Rechte gesichert. In der neuen Rechtephase wäre es für Deutschland denkbar, dass etwa Dazn oder Sky in der sogenannten "All pay"-Variante alle Rechte erwerben. Sky hat mit Sky Sport News HD inzwischen auch einen frei empfangbaren Sender.