Reden, bis der Arzt kommt: Die ARD sendet immer mehr Talkshows und ist auch noch stolz darauf. Erstes Opfer des Overkills: der Zuschauer.
Einen Platz für Dokumentationen gestrichen, dafür aber so richtig ins Geschäft mit den Quasselrunden eingestiegen: Die ARD ist im Talkshow-Fieber. In Vorbereitung des Sonntags-Starts von Günther Jauch ändert sie das Programmschema. Dabei sind die vielen Schwächen der deutschen Talk-Runden unverkennbar.
Günther Jauch, Anne Will, Frank Plasberg: Die ARD ist im Talkshow-Fieber. (© sueddeutsche.de/L. Seipp)
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1. Irrtum: Talkshow ist politische Kultur.
Das wäre ja schön, hat nur nichts mit der Realität zu tun. Vor kurzem luden die Grünen zu einem medienpolitischen Dinner nach Berlin. Es ging um Politik und Medien, und das heißt für die meisten Parteimitglieder: um Politik und Fernsehen. Die anwesenden Spitzenvertreter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens brachten sich unter anderem so ein, dass die Talkshows der politischen Kultur, ja der Aufklärung dienten.
Das sind große Worte für ein hübsches Nichts. Was wird in jenen abgefilmten Stuhlkreisen ausgetauscht außen Stanzen und Schablonen? Wann werden schon mal tiefere Argumentationsebenen erreicht? Wenn es kompliziert wird, meldet sich garantiert die Moderatorin oder der Moderator. Es könnte ja jemand umschalten.
Als es jetzt am Sonntag bei Anne Will um Wikileaks und damit um Cyber-Journalismus ging, machte der anwesende Tagesspiegel-Chefredakteur den Fehler, von gezielten Viren-Angriffen und Stuxnet reden zu wollen. Da machte Anne das Licht aus.
2. Irrtum: Es gibt genügend gute Moderatoren.
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Ein Spitzenbeitrag zu diesem leidigen Thema. Als Zuschauer kommt man überhaupt nicht mehr an Talkshows vorbei.Oder man liest ein Buch - statt fernzusehen. Aber, wenn man nicht aufpaßt,liest man dann ein Buch zu den Talkthemen, aber auch das kann man zuklappen. Es reden halt immer die selben Leute zu den gleichen Themen! Langweilig.......
Danke für diesen Beitrag, denn ja - es reicht.
Es sei aber angemerkt, dass Herr M. Lanz das Problem "zu wenig gute Gäste" hervorragend gelöst hat. Er stellt Fragen, lässt aber keine Antworten zu. Selbts-Talk oder wie könnte man das nennen?
Das Thema ist ja bekanntlich ein alter Hut. Und daß ca 95% der hier Kommentierenden kein gutes Haar an den öffentlich-"rechtlichen"-Anstalten lassen, ändert leider gar nichts.
In einem vorangegangenen Kommentar wurde die entscheidende Frage rhetorische gestellt:
"Was hat Quote mit Rundfunkauftrag zu tun?"
Antwort: NIX
Der Auftrag heißt BILDUNG. Und diese ist nicht abhängig von irgendwelchen Quoten. Wo ist das SCHULFERNSEHEN hin? Wo wird noch Bildung vermittelt, sachlich und von ausgebildeten Lehrern/Professoren? Es geht nur noch um (Selbst)Darstellung und Design. Der qualtitativen Beurteilung der Talkgäste und Moderatoren möchte ich noch die technische Seite hinzufügen:
Eine Diskussionsrunde kann nicht einfach in der Totalen abgefilmt werden. Nein, ein Haufen beweglicher Kameras muß ständig für wechselnde Bewegung und Perspektive sorgen. Es geht um die Sprache der Bilder und Mimiken, nicht um das Gesagte - sonst könnte man ja gleich das Radio einschalten. Die Technik feiert sich selbst.
Talk ist nichts anderes als lästige Geräuschkulisse, Fahrstuhlmusik, bunter Budenzauber...
Der einzige Weg aus dieser Misere ist die Abschaffung der Gebühren und Quoten und die Einführung von Pay-TV. Dann ein You-Tube-ähnliches Konzept einführen (ohne YouTubes "intelligente" Suchfunktion), die Möglichkeit Sendungen und Filme zu abonnieren.
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zu Herrn Jakobs.
Die ARD-Oberen mit ihren fetten Gehältern (eine null weniger als Ackermann & Co) sind doch nicht mehr ganz bei Trost:
Erst stutzen sie Monitor & Co - das Beste, was es an Investigation und Aufklärung gibt - und dann auch noch eine der wertvollen Hintergrunddokus.
Da mag man am liebsten die Gebühren verweigern!
Jauch hatte recht: In der ARD haben die Gremlins das Sagen... weil sie ihn für teures Geld geholt haben!
Paging