Eurovision-Vorentscheid "Unser Song für Malmö" Angst vor einer Blamage

Klingt schrecklich und schrecklich kompliziert. Aber das Abstimmungsverfahren war der eigentliche Höhepunkt einer an vielen schrecklichen Liedern reichen Veranstaltung. Drei Priester nebst Opernsopranistin schmetterten den Gotteslob-Hit "Meerstern, sei gegrüßt". Eine optisch wie stimmliche Mischung aus Lucilectric und Lena trällerte Liedzeilen à la "Wenn ich reden will, gehe ich zu Tocotronic, wenn ich Sex will, gehe ich zu dir". Zudem traten Bands auf, die es schon ins Fernsehen zu X-Factor und ins Vorprogramm von Roxette geschafft hatten. Glaubt man ESC-Guru Jan Feddersen, sollen sich bekanntere Künstler wie Nena, Juli oder Peter Fox nicht getraut haben, am Vorentscheid teilzunehmen - aus Angst vor einer Blamage.

Doch zurück zur Abstimmung: Sahen die Radiohörer einheitlich die bayerischen Blechbläser von La BrassBanda vorn, versagte der verschwitzte Gaudiburschen-Charme bei der Jury völlig. Lediglich einen Punkt gab's von Mary Roos und Kollegen. zwölf Punkte verteilte die Jury an die Elektropopper von Blitzkids Mvt, die bei den Radiohörern komplett durchgefallen waren. Und so musste am Ende das Televoting die Entscheidung bringen.

Verwunderte Anke Engelke

Es gewann die Eurodance-Combo Cascada, die mit "Glorious" ein Lied performte, das Loreens "Euphoria" sehr ähnlich ist. Allerdings in einer etwas tumb-eingedeutschten Umpf-umpf-Version. Da lässt es sich besser Mitstampfen und Mitklatschen. Das mögen nicht nur Großraumdiscobesucher, sondern auch Zuschauer in Tui-Arenen und vor dem Fernseher.

Moderatorin Anke Engelke war ob des ungewöhnlichen Votings etwas irritiert und fragte: "Ist das jetzt schön oder unheimlich?" Und Mary Roos blickte ob der widersprüchlichen Ergebnisse leicht bedröppelt in ihre Mitstreiterrunde. Am 18. Mai kann der deutsche und internationale Fernsehzuschauer Cascada wiedersehen, in Malmö beim 58. Eurovision Song Contest. Dann werden wir hören und sehen, von welchem Siegerlied sich Komponisten, Textdichter und Plattenfirmen im kommenden Jahr inspirieren lassen können - oder ob es nicht doch besser wäre, wenn die ARD künftig auch keine großen Hallen mehr mieten könnte.