Erschreckende Zahlen Zeitschriften im Sinkflug

Auf dem Zeitschriftenmarkt geht es bergab: Nach Angaben des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger verbuchen die meisten Publikumsblätter herbe Auflagenverluste. Immerhin bleibt der Trend zur Natur erkennbar und rettet die "LandLust".

Die Zeitschriftenverleger müssen im 2. Quartal herbe Auflagenrückgänge hinnehmen. Mit Verspätung veröffentlichte der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) am Montagabend Zahlen, die eines verdeutlichen: Mit der Auflage geht es bergab. Nur sieben der 50 meistverkauften Publikumszeitschriften büßten gegenüber dem Vorjahr nicht an Auflage ein - der Rest verliert immer mehr Käufer.

Bei den wöchentlichen Magazinen verloren Der Spiegel, Stern und Focus im 2. Quartal gleichermaßen. Stern verlor im Vergleich zum Vorjahr 4,6 Prozent, der Der Spiegel 4,7 Prozent und Focus büßte sogar 4,8 Prozent ein. Der Spiegel und Stern verzeichnen damit die niedrigsten Auflagen seit Jahrzehnten.

Klarer Verlierer ist die Bild am Sonntag. Das Springer-Blatt muss einen Auflagenrückgang von 8,6 Prozent verkraften - immerhin ist der Rückgang im zweiten Quartal nur noch einstellig. Steil bergab geht es auch mit der Bravo. Mehr als ein Viertel der jugendlichen Käufer gingen innerhalb eines Jahres verloren - und das Blatt hält sich nur noch knapp über der 300.000er-Marke. Ein heftiges Minus von 26,3 Prozent. Joy verzeichnet sogar einen Rückgang von 27,8 Prozent. Auch Brigitte verlor 8,2 Prozent, die Freundin sackt um 19,3 Prozent ab. Für Sie verliert 11,4 Prozent.

Das Plus von Landlust zeigt, dass der Heimattrend ungebrochen ist. Das Blatt sank zwar unter die Millionenmarke des 1. Quartals, verzeichnete aber nach wie vor einen Zuwachs von 20,1 Prozent zum Vorjahr und konnte 995.271 Exemplare verkaufen. Mit Mein schönes Land (+ 36 Prozent) und Meine LandKüche (+194,3 Prozent) rangieren auch zwei Titel des Burda-Verlags in den Top Ten. Auch die LandIdee verzeichnet mit mehr als 20 Prozent noch ein sehr stattliches Plus. Zugewinnen konnten die Programmzeitschriften. TV Digital legte im Vergleich zum Vorjahr 7,4 Prozent zu, TV 14 bleibt der meistverkaufte Titel am Kiosk. "Alle Erwartungen übertroffen" (Bauer-Verlag) hat IVW-Neuling Closer mit 112.089 verkauften Exemplaren. Auch Women's Health kann sich freuen. 182.542 Exemplare gingen gut ein Jahr nach dem Start über den Ladentisch.

Stabile Gesamterlöse bei den Zeitungen

Bei den Zeitungen in Deutschland hat sich die wirtschaftliche Situation hingegen stabilisiert. Die Gesamterlöse blieben 2011 mit rund 8,5 Milliarden Euro und einem Minus von 0,1 Prozent etwa auf dem Niveau des Vorjahres, wie der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) am Dienstag anlässlich seiner Jahrespressekonferenz mitteilte.

Die Umsätze aus Anzeigen und Beilagen gingen um 2,2 Prozent zurück. Die Vertriebsumsätze konnten um 1,7 Prozent gesteigert werden. Die verkaufte Auflage sank im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um etwa drei Prozent. Die 360 Verlage in Deutschland verkauften etwa 23 Millionen Zeitungen. Von den E-Paper-Ausgaben werden den Angaben zufolge mittlerweile pro Erscheinungstag 180.000 Exemplare (erstes Quartal 2012) verkauft. Dies sei im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 33 Prozent.

Den Weg in die digitale Medienzukunft könnten die Verlage aber nur bewältigen, wenn die Marktbedingungen fair seien, mahnte der BDZV. So forderte der Verlegerverband erneut den Verzicht der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf "presseähnliche Internetangebote" und kritisierte in dem Zusammenhang die kostenlose "Tagesschau"-App.