Duo Blumencron-Mascolo "Spiegel"-Doppelspitze soll vor dem Ende stehen

Sie führen den Spiegel seit 2008 als Doppelspitze - jetzt berichtet das "Hamburger Abendblatt", Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron sollten wegen persönlicher Zerwürfnisse und strategischen Problemen abgelöst werden. Der Verlag dementiert wachsweich: "Gerüchte und Spekulationen kommentieren wir nicht."

Aufregung bei Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin: Das Hamburger Abendblatt berichtet mit Verweis auf Verlagsinsider, dass der Spiegel wegen des Zerwürfnisses zwischen Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron davor stehe, sich von den beiden Chefredakteuren zu trennen. Geschäftsführung und Gesellschafter seien dazu entschlossen, mögliche Nachfolger seien schon angesprochen und Abfindungspläne erörtert worden.

Nach SZ.de-Informationen ist die Entscheidung bisher nicht vollzogen. Im Hochhaus an der Ericusspitze liefen am Freitagabend die Telefone heiß. Die internen Beratungen mit Geschäftsführer Ove Saffe dauern offenbar an. Blumencron und Mascolo reagierten zunächst nicht auf Anfragen. Eine Spiegel-Sprecherin sagte: "Gerüchte und Spekulationen kommentieren wir nicht." Ein klares Dementi ist das nicht.

Durch den Bericht wächst der Druck, eine schnelle Entscheidung zu fällen. Mascolo, 48, verantwortet in der Chefredaktion den gedruckten Spiegel und Blumencron, 52, die digitalen Produkte, unter anderem Spiegel Online. Beide sind laut Impressum gleichberechtigt. Zwischen beiden gab es fortgesetzt Differenzen über die künftige strategische Ausrichtung gerade im Digitalgeschäft, die auch öffentlich wurden und den Verlag trotz wiederholter Beteuerungen seit längerem beschäftigen.

Mit der Trennung solle auch das Prinzip der Doppelspitze beendet werden, schreibt das Abendblatt. Das Zerwürfnis zwischen beiden habe eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen Print und Online unmöglich gemacht. Mascolo werden seit längerem der Auflagenrückgang weit unter eine Million Exemplare und sein Führungsstil vorgeworfen, Blumencron umgekehrt die Weigerung, sich einer digitalen Bezahlstrategie für die kostenlose Nachrichtenseite Spiegel Online und damit das gesamte Haus weitgehend zu öffnen. Das Verhältnis zwischen beiden gilt als zu sehr belastet.

Mascolo und Blumencron führten seit der Ablösung von Stefan Aust als alleinigem Spiegel-Chefredakteur 2008 das Nachrichtenmagazin zunächst gemeinsam. Vor zwei Jahren wurde dann nach ersten vehementen Konflikten die Aufgabenteilung in der Doppelspitze eingeführt, dass Mascolo für den gedruckten Spiegel zuständig ist und Blumencron für die digitalen Produkte. Danach kam es immer wieder zu Debatten über die digitale Strategie, im Konfliktfeld zwischen der kostenlosen Nachrichtenseite Spiegel Online und dem bezahlten Spiegel, dessen Auflagen und Umsätze schrumpfen. Der wirtschaftliche Druck wächst; Geschäftsführer Ove Saffe hatte im vergangenen Herbst in der SZ eine Sparrunde angekündigt.

Mehrheitseigner des Spiegel sind neben den Augstein-Erben und Gruner und Jahr die Mitarbeiter des gedruckten Magazins. Ihre KG hat erst vor wenigen Wochen eine neue Spitze gewählt, in der der langjährige Vorsitzende Armin Mahler abgelöst wurde. Die Stimmung in dem Führungsgremium — und in der Folge in der Geschäftsführung — soll wegen der Konflikte zwischen Blumencron und Mascolo aber schon vor der Neuwahl kritisch gewesen sein.