Dschungelkönig Joey Heindle Der wo Häme mit Liebe begegnet

Treudoof und unbedarft: Joey Heindle, der neue König des RTL-Dschungelcamps, hat bislang nicht gerade mit geistigen Höchstleistungen auf sich aufmerksam gemacht. Doch seine Fans vergöttern ihn. Trotz Karriere im RTL-Kosmos ist er immer der sympathische Junge von nebenan geblieben - dabei hat er Dramatisches zu erzählen.

Von Jana Stegemann

Joey Heindle findet gestern um 23.56 Uhr - die Dschungelcamp-Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich hatten gerade das Ergebnis des finalen Telefonvotings verkündet - Worte, die kein RTL-Redakteur schöner hätte scripten können: "Dschungelkönig, kack die Wand an. Ne. Ne. Ne. Wow. Dankeschön. Thank you, jawohl. Dschungel-König in the house." Der 19-jährige Bayer mit der traurigen Kindheit, den Narben an den Armen und dem Willen zum Erfolg, versucht seine Gefühle in Worte zu fassen. Und dann ist es ausgerechnet die sonst so giftspritzende Désirée Nick, Dschungel-Königin von 2004, die bei Bild.de die Gefühle der Fernsehnation auf den Punkt bringt: "Sowas Sympathisches hat es noch nie auf dem Thron gegeben."

Damit haben sich die Zuschauer nicht für die größte Zicke (Fiona Erdmann) oder den Kandidaten mit dem größten Glamour-Faktor (Olivia Jones) entschieden - sondern für den treudoofen Typen von nebenan, der stets wie ein unbeholfener Welpe mit großen Augen durch den australischen Dschungel tapste.

Nicht der Bekanntheitsgrad des 19-Jährigen dürfte für seine Krönung ausschlaggebend gewesen sein (als DSDS-Zögling ist er ein typischer Protagonist des RTL-Kosmos), sondern die Tatsache, dass er die Zuschauer in den 16 Tagen voller Lagerfeuer-Romantik und Kamelhoden-Ekelprüfungen mit anrührend-unbedachten Anekdoten bei Laune hielt. Zum Höhepunkt des diesjährigen Promi-Bootcamps gehörte beispielsweise, als Heindle von seinen Erwartungen ans Dschungelcamp erzählt: "Ich dachte, das ganze wird in den Kölner Studios gedreht." Unvergessen bleibt wohl auch seine Aussage: "Ich habe keinen Bock, dass ich morgen tot aufwache." Das ist weder fies noch geistreich, aber authentisch eben. Und ein bisschen zum fremdschämen.

Solche Momente hat Heindle schon vorher produziert in seiner Zeit als DSDS-Kandidat. In der Casting-Show hatte Heindle unter anderem wegen mangelnder Fremdsprachenkenntnisse für Lacher gesorgt. So wollte er sich auf den Malediven vom Hotelpersonal mit den Worten "I´m schliefing, you wecking" wecken lassen. Vom DSDS-Recall auf dem Inselstaat stammt auch sein Spitzname "Stiefel". Damals hatte Heindle gesagt: "Ich bin schon so ein verrückter Stiefel, der wo nie aufhört zu gehen."

Kindheit voller Gewalt

So avancierte er auch dort zum Publikumsliebling, setzte sich in der neunten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" gegen fast alle der 35.000 Bewerber durch - trotz, aber auch wegen der harschen Kritik von Jury-Mitglied Dieter Bohlen, der während eines Auftritts von Joey aus der Show flüchtete, "weil der krächzt, dass es wehtut". Am Ende reichte es für Platz fünf. Name der zweiten Single: "Hol' mich raus".

Eine Anspielung auf seine traurige Kindheit. Er hat viel mitmachen müssen, dieser Junge aus dem tiefsten Niederbayern. Geboren und aufgewachsen ist er im kleinen Regen, mit 15 zog er von zu Hause aus. In einer Großküche in Freising begann er eine Ausbildung als Beikoch, aber das war offenbar nicht seine Sache, wie er der Süddeutschen Zeitung berichtete: "Das ewige Bulettenwerfen, den rauen Ton und den Stress in der Küche - das brauche ich nicht noch einmal."

Bild-Reportern zeigte Heindle Anfang des vergangenen Jahres Narben auf seinem Körper, erzählte von seinem gewalttätigen Vater, einem Mitglied der Zeugen Jehovas, der ihn schlug und quälte. Ihn als Vierjährigen durch eine Glasscheibe warf. Dadurch wurden beide Pulsadern aufgeschlitzt, der kleine Joey Heindle wurde lebensgefährlich verletzt, mit 17 Stichen an den Armen genäht. "Mein Vater wollte mich umbringen. Er war der Terror, er war wie Hitler. Er war ein Monster", so Heindle weiter. Nachbarn erinnern sich in der Bild: "Der Vater schlug ihn mit Stöcken, Schaufeln, Besen. Oder er musste auf den Stufen der Haustür schlafen - auch im Winter im T-Shirt." Die tägliche Gewalt endet erst neun Jahre später, als Joey 13 Jahre alt ist und seine Mutter mit ihm ins Frauenhaus flüchtet. "Erst seither lebe ich", sagte Joey in einem Interview. "Egal was kommt: Für mich kann das nur positiv sein." Zumindest an Ehrgeiz mangelt es ihm nicht; so ließ er sich fürs Dschungelcamp hypnotisieren, um seine Angst vor Spinnen und Schlangen in den Griff zu bekommen. Mit seinem Manager Nils Brandt schaute er als Vorbereitung aufs Camp vorangegangene Staffeln - auch auf Englisch.