Doku über Emmanuel Macron "Gebt mir Wasser!"

Erschöpft und zugleich erleichtert: Emmanual Macron mit einem Glas Wasser nach dem TV-Duell mit Marine Le Pen.

(Foto: Soazig De La Moissonnière/IP3)

Kaum ist Emmanuel Macron neuer französischer Präsident, gibt es schon eine Doku über ihn als Wahlkämpfer. Sie offenbart viel davon, wie der Politiker tickt - und sich inszeniert.

Von Claudia Tieschky

Frankreichs Republik, stolz wie sie ist, entstammt der absoluten Monarchie. Höfisches Zeremoniell gehört in Paris zu den Gesten der Macht unter Gewählten. Auch legen die jeweiligen Präsidenten Wert auf eine anständige Herrscherlegende, die am besten schon beim Weg ins Amt beginnt.

Manche Kandidaten lassen sich deshalb von Künstlern im Wahlkampf begleiten. Dass man die nicht unter Kontrolle hat wie in Diktaturen, besitzt offenbar sogar gewissen Reiz, wenn die Publicity stimmt.

Hinter Macrons Zitaten steckt eine Vision

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"Selbst wenn Sie mich verreißen, wird es zu meinem Ruhm geschehen", erklärte Nicolas Sarkozy der Dramatikerin Yasmina Reza, die vorschlug, ihm im Wahlkampf zu folgen.

In Rezas großartigem Buch Frühmorgens, abends oder nachts ist die eigene Beziehung zum neugierig beobachteten Objekt, Sarkozy, Teil des Textes und immer ist da die zweifelnde Reflexion, dieses ständige: Was mache ich hier eigentlich? François Hollande wiederum ließ Laurent Binet ran, Träger des Prix Goncourt.

Zur Inszenierung von Emmanuel Macron, dem neu gewählten Präsidenten, passt haargenau, dass es bei ihm profaner, aber schneller zugeht: Bereits am Abend nach dem Wahlsieg lief der eineinhalbstündige Dokumentarfilm von Yann L'Hénoret im französischen TV, der acht Monate lang an Macrons Seite war.

Das Mikrofon war nie ausgeschaltet

Er hatte in der Nacht noch gedreht, bis Mittag geschnitten, dann saß L'Hénoret hellwach in einer Talkshow, wo er unter anderem erklärte, dass Macron den Film vorab nicht sehen oder beeinflussen konnte, dass er das Mikro, das L'Hénoret ihm gab, nie ausgeschaltet habe - und ja, dass sie sich zuletzt geduzt hätten.

L'Hénoret hat Erfahrung mit so etwas, zuvor filmte er drei Jahre lang den Judoka und Olympiasieger Teddy Riner. Die Macron-Doku finanzierten die Produzenten nach eigenen Angaben selbst, es sollte das Porträt einer politischen Bewegung werden, die sich professionalisiert.