sueddeutsche.de: Gibt es im Fernsehen überhaupt noch Gutes - oder ist alles Unfug?

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Hildebrandt: Nein, natürlich nicht. Es gibt Wissenssendungen und Dokumentationen, deren Informationsgehalt kostbar ist. Es gibt auch sehr kritische Sendungen. Aber wann laufen sie? Nachmittags. Also dann, wenn ich keine Zeit zum Gucken habe - und die meisten Menschen auch nicht.

sueddeutsche.de: Und abends?

Hildebrandt: Gibt es passable Politmagazine. Frontal 21 finde ich sogar hervorragend. Aber sie kommen irgendwie zu Zeiten, in denen ich nicht zum Fernsehen komme.

sueddeutsche.de: Was kommt denn, wenn Sie den Fernseher einschalten?

Hildebrandt: Meistens Werbung. Ich glaube, die verabreden sich jetzt, alle zur gleichen Zeit Werbung zu schalten, damit niemand mehr entkommen kann. Manchmal zappe ich durch fünf Sender - und auf allen kommt Werbung. Ich nehme es ihnen ja nicht übel, weil es ein Instrument zum Geldverdienen geworden ist. Aber, wenn ich mir dann die Werbung anschaue, denke ich jedes Mal: Wir müssen von allen Ländern dieser Erde die schlechteste Fernsehwerbung haben. Sie ist meistens humorlos, primitiv oder schlichtweg schlecht gemacht.

sueddeutsche.de: Und unter Ihren unmittelbaren Kollegen, den Comedians und Kabarettisten?

Hildebrandt: Da gibt es einige hervorragende, Bastian Pastewka etwa. Die besonders guten Kabarettisten können jederzeit auch Comedians sein.

sueddeutsche.de: Lustig sein ist das eine, aber sind Ihre jungen Kollegen auch böse genug?

Hildebrandt: Ja, die von Neues aus der Anstalt. Besonders der Josef Hader, der ist das Böseste überhaupt.

sueddeutsche.de: Der kommt aus Österreich.

Hildebrandt: Im Grunde genommen sollten wir uns den Hader mit dem Alfred Dorfer holen und einbürgern. Solche Leute würden uns gut zu Gesicht und zu Ohr stehen.

sueddeutsche.de: Was ist mit der Nachrichtensatire, der heute show?

Hildebrandt: Sie geht mir nicht ans Gemüt, an den Kopf geht's mir auch nicht und die Eingeweide vermissen den Anreiz für das Zwerchfell.

sueddeutsche.de: Können Sie Talkshows etwas abgewinnen? Dort wird Politik doch andauernd erklärt.

Hildebrandt: Sie sind langweilig, obwohl sie kurioserweise immer noch einigermaßen hohe Einschaltquoten erhalten. Ich habe das Gefühl, dass diese Art den Leuten inzwischen auf die Nerven geht. Politiker, die in Talkshows auftreten, wollen in der Regel Vertrauen gewinnen. Was sie nicht verstehen: So schaffen sie das nicht. Das Vorführen von Politikern, die nichts anderes tun, als immer wiederholen, was sie in anderen Talkshows auch schon gesagt haben, das ist äußerst fade.

sueddeutsche.de: Bei Hart aber fair gibt es ziemlich aggressive Spielchen.

Hildebrandt: Bei Frank Plasberg gibt es manchmal Inseln von Interesse, da merkt man: Hoppala, da geht was los. Aber diese Sendung wird auch langsam in den Sog des Mediokren gezogen. Sie ist auch nicht mehr so gut wie am Anfang. An Plasberg hing ja alles und jetzt gibt er langsam nach, in dem er etwas ins Komische zieht. Das heißt, er will mehr unterhalten als früher. Schade.

sueddeutsche.de: Wie können die Talkshow-Moderatoren die politische Diskussion interessanter machen?

Hildebrandt: Machen wir uns nichts vor: Weder Kerner noch Beckmann oder Maischberger oder wie alle heißen, können etwas anderes tun, als Politikern ein Forum geben, wo sie sich ausbreiten können. Ändern können sie mit diesen Talkshows nichts.

sueddeutsche.de: Die Talkshows sind auch Beiboote?

Hildebrandt: Die Tatsache, dass die Sender nur aufeinander schielen und das gleiche Format in nur unterschiedlichen Bühnenbildern anbieten, zeigt, wie hilflos sie in der Programmgestaltung werden. Das heißt, in den Redaktionen sitzen offenbar lauter Leute, die nach dem Peter-und-Hall-Prinzip auf ihre Posten gekommen sind. Das bedeutet: Jemand zeigt Kompetenz im Job und steigt auf. Auf der zweiten Stufe hat er eine begrenzte Kompetenz, steigt aber weiter auf. Und spätestens auf der dritten Stufe ist die Kompetenz überschritten.

sueddeutsche.de: Und da sitzen Ihrer Meinung nach die Programmmacher?

Hildebrandt: Richtig! Peter und Hall weisen nach, dass wir inzwischen von lauter Leuten regiert werden, die vermutlich ihre Kompetenz überschritten haben. Und gerade in den oberen Etagen der Medien sitzen diese Kompetenzmacher.

sueddeutsche.de: Lassen Sie uns kurz über Medienpolitik sprechen, über die Vorgänge im ZDF mit dem politisch gestürzten Chefredakteur. Die Causa Brender ...

Hildebrandt: Es gehörte ja nicht viel dazu, zu prognostizieren, dass es mit Herrn Brender nicht gut gehen wird - und das aus zwei Gründen.

sueddeutsche.de: Die da wären?

Hildebrandt: Herr Brender gilt als nicht sehr pflegeleicht, vielleicht ist er als Vorgesetzter gar nicht so toll. Aber: Ich finde ihn als Journalisten sehr ehrenwert und ausgesprochen gut und auf diesen Platz passend, was - Grund zwei - manche in der Politik nicht so sehen. Der dafür zuständige Ministerpräsident - ich weiß eigentlich gar nicht, warum er zuständig ist - fand, dass Brender seinen Job zu ernst nimmt. Roland Koch konnte es nicht zulassen, dass ein liberal gestrickter Mensch wie Brender auf diesem Posten bleibt. Sie müssen Verständnis haben: Der möchte selbstverständlich einen seiner Leute auf dem Platz haben. Der Stoiber hat sich ja sogar um einzelne Redakteursposten gekümmert.

sueddeutsche.de: Sie wittern Vetternwirtschaft?

Hildebrandt: Nepotismus ist ja eigentlich eine rein bayerische Angelegenheit, weil die restlichen Deutschen eigentlich nicht geschickt genug dafür sind. Es war ja ein geschickter Zug, die bayrische Charaktereigenschaft zur Folklore zu ernennen. Das macht den Bayern so komisch und angreifbar, was er aber weiß. So gesehen ist Koch fast ein bisschen bayerisch.

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  2. "Raab ist ein gewiefter Hund - ich habe ein bisschen Respekt vor seinen Einfällen"
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(sueddeutsche.de/jja)