sueddeutsche.de: Dann gibt es noch den Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.

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Hildebrandt: Den habe ich hoch zu Ross von seinen Ländereien aufbrechen und mit klirrenden Sporen in das Kabinett hereinreiten sehen. Ich meine, er hat das nötige Äußere für diesen Job. Der ist ja wahnsinnig gepflegt. Wahrscheinlich duscht er zweimal täglich. Und seine Sprache ist so, dass ich anfangs dachte: Ja, geschickt. Dann folgte Guttenbergs erste Rede über Kunduz.

sueddeutsche.de: Die änderte Ihr Bild?

Hildebrandt: Allerdings. Der kann sich kämmen, strähnen und gelen so viel er will: Er redet genau den gleichen Unsinn wie die anderen. Im Grunde genommen ist das ja eine Vorspiegelungssprache. Sie soll uns verschweigen, was passiert. Besonders in den Nachrichten ist das so. Und je kleiner die Mitteilungen werden, umso größer wird das Studio. Und dieser schnieke Moderator, wie heißt er doch gleich?

sueddeutsche.de: Tom Buhrow?

Hildebrandt: Nein, der ist nicht schön. Claus Kleber meine ich.

sueddeutsche.de: Ist der schön?

Hildebrandt: Der ist schön. Ich nenne dieses Studio, das sie ihm gebaut haben, das Kleber-Stadion. Je kleiner die Nachrichten, umso größer wird das Studio. Ich denke mir, wo sind die 3000 Leute, die vor ihm sitzen, just in diesem Moment. Und knurrig, aber lächelnd teilt der Kleber uns mit: gar nichts. Und das in einem riesigen Studio. Es ist inzwischen so, wenn meine Frau sagt: 'Komm, heute journal' - und wenn ich mich dann nicht beeile, ist es schon zu Ende. Alle Sendungen haben Überlänge, nur die Nachrichten werden ständig gekürzt.

sueddeutsche.de: Der einstige 'Mister Tagesthemen', Ulrich Wickert, hat sich ja öffentlich beschwert, dass die Nachrichten keine mehr seien und der Sprachverfall dort enorm ist.

Hildebrandt: Ich gebe ihm vollkommen recht.

sueddeutsche.de: Sie haben ja selbst eigentlich mal eine Nachrichtensendung gemacht: Notizen aus der Provinz.

Hildebrandt: Wenn Sie das so verstehen ...

sueddeutsche.de: Wenn sich schon die Flaggschiffe des deutschen Fernsehens zerlegen, ...

Hildebrandt: ... die Nachrichten sind ja keine Flaggschiffe mehr, sondern Beiboote ...

sueddeutsche.de: Und was sind dann die Flaggschiffe?

Hildebrandt: Der Sport. Und natürlich Volksmusik, Marianne und Michael, alle abnormen Formen des Musikantenstadls.

sueddeutsche.de: Und im Privatfernsehen? Dieter Bohlen und Stefan Raab?

Hildebrandt: Bohlen und Raab würde ich nicht vergleichen. Raab spielt zwei Klassen höher. Und das meine ich nicht erst, seit Lena Meyer-Landrut den Grand Prix gewonnen hat. Raab hat eine gewisse Schlaumeierei in seinen Sendungen. Er ist ein gewiefter Hund. Ich habe ein bisschen Respekt vor seinen Einfällen - und er schlägt sich gut in dieser Branche.

sueddeutsche.de: Und bei Bohlen?

Hildebrandt: Bohlen ist geradezu kriminell blöde. Das basiert auf einem ganz niederen Level - und auf der Tatsache, dass mindestens 90 Prozent der Bevölkerung Schadenfreude empfinden. Und diese Schadenfreude nutzen er und seine Kumpanen aus, indem sie Menschen holen, die man brutal ausnutzt. Den Kandidaten macht man vor, sie könnten Stars werden, aber in Wirklichkeit setzt man auf den gegenteiligen Effekt: Man will sie vor der ganzen Welt bloßstellen und blamieren. Man nimmt Ihnen die Würde, um damit einen Riesenlacher zu erzeugen. Das ist kriminell.

sueddeutsche.de: Die Bohlen-Show erreicht hohe Quote. Zweifeln Sie an all den Menschen, die das gucken?

Hildebrandt: Offen gesagt: Ich bin manchmal ein wenig verzweifelt. Wenn ich Sendungen wie die erwähnte sehe, frage ich mich: Ist das unser Fernsehen? So charakterarm kann Deutschland nicht sein.

sueddeutsche.de: Charakterarm ging es aber doch schon immer an manchen Orten im Land zu. Stammtische sind keine Erfindung des 21. Jahrhunderts.

Hildebrandt: Das stimmt. Und der klassische dumpfe Stammtisch setzt ja auf ähnliche Instinkte wie die Bohlen-Sendungen und der andere Quatsch: Auf Schadenfreude, Ausgrenzung und im übertragenen Sinne Beutelust. Erwin Huber hat einmal in schöner Offenheit gesagt: Wir müssen die Lufthoheit über den Stammtischen wieder erobern. Das ist natürlich brutal offen, aber wahr. Adolf Hitler hat - das ist ein Extrembeispiel - die Menschen dazu verführt, ihre schlechtesten Charakterzüge zu mobilisieren. Und eine von den übelsten Charaktereigenschaften ist die Beutelust. Er hat ja gesagt: Überfallt den Osten, die Polen, die Russen und macht sie euch untertan, reißt das Land an euch. Hasst die Juden, dann kriegt ihr deren Wohnungen und deren Geld. Damit hat er die Deutschen ermuntert, ihre dümmsten und kriminellsten Eigenschaften herauszuholen, um dann Hunderttausende Menschen in Uniformen zu stecken und sie marschieren zu lassen. Das ist ja alles mal passiert, das ist nicht vorbei. Man wird vielleicht andere Uniformen finden.

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  1. "Wulff? Präsident kann jeder"
  2. Sie lesen jetzt "Raab ist ein gewiefter Hund - ich habe ein bisschen Respekt vor seinen Einfällen"
  3. "Josef Hader? Der ist das Böseste überhaupt"
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