Die "Tagesschau" wird 60 Mehr geht nicht

Das Tagesschau-Logo von 1952.

(Foto: dpa)

"Eine Begleitung durchs Leben", das ist die "Tagesschau" für viele Deutsche. Vor dem runden Geburtstag lud die "ARD" nach Hamburg und feierte ein rauschendes Fest mit 400 Gästen. Selbst der Spielverderber vom "Spiegel" konnte die Stimmung nicht trüben.

Von Charlotte Frank

Also, nur als Einstimmung und in Auszügen, an dieser Stelle eine Zusammenschau all des Schönen und Guten, was die Tagesschau für die Menschen so alles verkörpert: "eine Begleitung durchs Leben", (Tom Buhrow), "eine feste abendliche Verabredung" (Kai Pflaume), "eine Institution, im besten Sinne des Wortes" (Angela Merkel), "das Medium, das die meisten Zuschauer in Deutschland erreicht, in allen Altersgruppen. Mehr geht nicht" (Lutz Marmor). Mehr ging wirklich nicht.

Die Tagesschau wird 60, das hat die ARD am Donnerstag in Hamburg gefeiert, mit einer Gala und mehr als 400 Gästen, die lobten und klatschten und erzählten, was sie der Tagesschau gerne auf die Geburtstagstorte schreiben würden. Und mit Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers, die durch den Abend führte, wodurch die Gäste viel Neues erfuhren. Und viel Altes.

Es war schon zehn nach acht, als Judith Rakers die Bühne betrat und "ausnahmsweise keinen guten Abend, sondern einen wunderschönen guten Abend" wünschte. Dann stellte sie fest, die Tagesschau, am 26. Dezember 1952 geboren, sei vom Tierkreiszeichen her Steinbock, und weil dessen Wesen (der Steinbock ist ernst, kühl, Überschwang ist ihm fremd) so gut auf die Tagesschau passe, glaube sie fortan an Horoskope. Dann kam die Vorspeise.

60 Jahre Tagesschau, das sind auch 60 Jahre Zeitgeschichte. Das sind Bilder von Willy Brandt, der auf die Knie fällt, Bilder vom 11. September, Bilder vom Papst, vom Fußball, vom Krieg, vom Frieden. Die Gastgeber in Hamburg haben diese Bilder zusammengeschnitten, haben am Donnerstagabend einen Clip gezeigt, der viel über die Welt in den vergangenen 60 Jahren erzählte und viel über die Art, wie die Tagesschau den Menschen in den vergangenen 60 Jahren aus dieser Welt erzählt hat.

Keine humorlose Veranstaltung

Über diese Art also und über diese Bilder sprach Judith Rakers mit ihren Kollegen - mit Anne Will, NDR-Intendant Lutz Marmor, mit ARD aktuell Chef Kai Gniffke und ARD-Programmdirektor Volker Herres, die variantenreich um die Einsicht kreisten, dass die Deutschen bei wichtigen Ereignissen zuerst die Eins drückten - natürlich vorausgesetzt, sie haben nicht die Tagesschau-App auf dem Handy. Es durfte außerdem Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo mitreden, der aber den Spielverderber gab mit seinen ständigen Anläufen, Diskussionen anzuregen und auf Suggestivfragen ("Sind die vielen Quellen, aus denen Nachrichten heute generiert werden, eigentlich eine Herausforderung?") ernsthaft zu antworten. Es war dann auch Mascolo, der die Tagesschau als typisch deutsch beschrieb: "immer pünktlich, immer zuverlässig, fast immer fehlerfrei und ein bisschen humorlos."

Humorlos? Davon konnte an diesem Abend aber nicht die Rede sein. Zwischen späteren Gängen lief ein Pleiten-Pech-und-Pannen-Film mit Lachern aus 60 Jahren Tagesschau, von geschubsten Korrespondenten über Putzmänner im Studio bis hin zu Dagmar Berghofs Nachricht, Boris Becker habe im "WC-T-Turnier" gesiegt. Zuletzt durften Berghof und ihre früheren Kollegen Wilhelm Wieben und Jo Brauner gemeinsam in alten Zeiten schwelgen und mit Judith Rakers über Scherze und Angstworte plaudern, über Wurzeln und Flügel und natürlich über die Bedeutung der Tagesschau für die Deutschen. Der Rest ist bekannt.