"Die Luther-Matrix" in der ARD Schlechte "Checker Tobi"-Folge für Erwachsene

Auf der Suche nach den Motiven des Luther-Hackers lassen die Ermittler nichts aus: IT Spezialist Albrecht (Michael Steinocher) schaut sogar auf gedrucktem Papier nach.

(Foto: SWR/Hans Jakobi/dmfilm 2016)

Die ARD unternimmt den ambitionieren Versuch, das krimisüchtige Volk von innen heraus mit Wissen über Martin Luther zu infiltrieren? Das Experiment geht total schief.

Von Ralf Wiegand

Wenn man es wohlwollend betrachtet, von der Absicht her und nicht vom Ergebnis, dann hat da einfach mal jemand etwas versucht. Und das ist es ja, was viele vom Fernsehen, gerade vom öffentlich-rechtlichen, verlangen: Probiert doch mal was, und wenn es der Verblödung der Bevölkerung entgegenwirkt, umso besser.

In diesem Fall hat die ARD gleich mal ein neues Genre erfunden, das sie vollmundig "Doku-Thriller" nennt und das wohl die Absicht haben soll, Bildungsfernsehen in eine Krimi-Handlung zu gießen. Damit, einer Art Trojanischem Pferd gleich, könnte man das krimisüchtige Volk von innen heraus mit Wissen infiltrieren. Wie raffiniert.

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Leider ist das Ergebnis ein einziges Desaster. "Im Zentrum des Doku-Thrillers stehen ein Whistleblower, das Bundeskanzleramt, Geheimdienste und - Martin Luther", wirbt die Pressemappe für Die Luther-Matrix. Falls das so klingt, als würde da irgendetwas irgendwie nicht zusammenpassen, liegt das womöglich daran, dass es nicht zusammenpasst. Als würde man eine Jeans und ein T-Shirt zusammennähen in der Hoffnung, es kommt ein Abendkleid dabei heraus.

Kurz die "Handlung", der fiktive Teil des Flickwerks: In Berlin fängt das Bundeskriminalamt einen Hacker im Bundeskanzleramt. Gehackt hat der mal einfach alles, die Daten an die Öffentlichkeit gegeben, als moderner Aufklärer. Ein Whistleblower.

Auf seinem Handy hat er als Startbildschirm ein Luther-Porträt, auf seinem Schreibtisch steht ein Playmobil-Luther, und beim Verhör stellt er sich vor mit dem Luther-Zitat: "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen." Das BKA kommt recht bald darauf, dass das alles etwas mit diesem Luther zu tun haben könnte.

Die Ermittler versuchen alles herauszubekommen - über Martin Luther

Die Ermittler im Berliner "Cyberabwehrzentrum", sie sind entweder vollkommen dämlich, cholerisch-hysterisch oder irgendwie vergeistigt, versuchen nun alles herauszubekommen über - nein, nicht den Hacker, sondern über Martin Luther.

Dabei schauen sie vor allem dabei zu, wie ihre Kollegin verdeckt "ermittelt", was sich darin erschöpft, dass sie als Journalistin getarnt Luther-Experten um Luther-Experten interviewt und die Gespräche live in die Kommandozentrale überträgt. Mit GPS-Daten und Experten-Dossiers.