Diät-Tipps in Magazinen Schlank in drei Tagen?

Genuss, Detox, Flexi. Aber einfach bleiben, wie man ist? Abgefahrene Idee.

(Foto: Brigitte/Petra/Tina)

Gerade versprechen wieder stapelweise Zeitschriften schnelles Abnehmen. Ein kritischer Blick in den Diäten-Stadl.

Von Werner Bartens

Der publizistische Jojo-Effekt tritt mit großer Zuverlässigkeit zum Jahreswechsel ein. Werden Leser der Frauen- und People-Magazine im November und Dezember noch mit den besten Vanille-Kipferl-Rezepten, Tipps für den gelungenen Festbraten oder einen kuscheligen Wein-Abend am Kamin gemästet, folgt nach den Feiertagen unerbittliche Strenge. Ausgemergelten Gymnastiklehrerinnen gleich rufen die Redaktionen zum Kampf gegen die Pfunde auf. Den rituellen Diät-Titeln der Zeitschriften zum Jahresanfang ist kaum zu entkommen.

Dieses Jahr waren statt Hungerkünstlern offenbar Zauberkünstler am Werk, immerhin versprechen sie wahre Wunderdinge - und das im Handumdrehen. "Schlank in drei Tagen" kündigt Petra an. Bild der Frau ist noch schneller und bietet einen "flachen Bauch in 48 Stunden". Fit for Fun ist zwar zeitlich flexibel ("Klappt vor und nach Weihnachten"), zeigt aber auch, "wie einfach der Weg zur Traumfigur sein kann". Die Brigitte, Mutter aller Diät-Sehnsuchts-Blätter, will zwar auch "einfach & individuell zum Wunschgewicht" begleiten, aber die von vielen Lebensoptionen eh schon überforderte moderne Frau muss für die "neue Brigitte-Flexi-Diät" zwischen gleich vier Wegen und vier Programmen auswählen, puh.

Superteurer Superquatsch wird als Superfood angepriesen

Das ist auffällig anstrengend und damit gegen den Trend, denn die Frau von heute scheint sich kaum noch ins Zeug legen zu müssen, um abzuspecken. Einzig die philosophischen Fachmagazine Stern und Focus verlangen ihren Lesern an der Grenze zur Überforderung noch etwas Leistung ab, nämlich "richtig schlank" zu werden, bzw. "intelligent abzunehmen". Beiden gelingt zudem das Kunststück, in bewährter 90er-Jahre-Optik eine superschlanke Halbnackte auf dem Titel abzubilden, die definitiv keine weitere Diät braucht.

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Ansonsten ist im Diäten-Stadl aber wie gesagt mittlerweile Bequemlichkeit statt Askese angesagt. "Schlank im Schlaf" gibt es ja schon längst. Aber immerhin verspricht Petras rasante Drei-Tage-Schlank-Kur "wenig Aufwand - große Wirkung". Auch die Detox-Diät der Freundin ist in diesem Jahr "so easy wie noch nie". Unumwunden magisch gibt sich die Tina. Unter dem Titel "Schlank 2018" präsentiert sie das "Eiweiß-Wunder" (ein Klassiker unter den einseitigen Diäten). Das ist offenbar "die einzige Diät, bei der Sie ganz viel essen dürfen". Was der kleinliche Zielgruppenhinweis "40+" soll, bleibt allerdings ein Rätsel. Platzen 35-Jährige etwa aus allen Nähten, wenn sie ganz viel vom Eiweiß-Wunder naschen?

Kurze Durchsage, exklusiv aus der Forschung: Wissenschaftler haben festgestellt, dass zum Abnehmen genau zwei Strategien taugen. Weniger essen - oder mehr verbrauchen. Wer es drauf ankommen lassen will, kann auch beides miteinander kombinieren.

Zweite brandheiße Erkenntnis aus der Forschung: Wenn nur eine einzige der in den vergangenen Jahren angepriesenen Diäten tatsächlich funktionieren sollte, hätte sich das längst herumgesprochen und es müsste nicht jedes Jahr stapelweise neuer und also immer absurderer Abnehm-Unsinn veröffentlicht werden.

Nach spätestens einem Jahr sind zwei Drittel der verlorenen Kilos wieder drauf

Insofern könnte man die absehbaren Schlankheitskuren der Hefte und Magazine im Januar als jährliche publizistische Folklore belächeln oder als Trainingslager der Redaktionen, bevor es wieder ernst wird. Ärgerlich sind jedoch die Zutaten und Rezepte, mit denen die Diäten an die Frau (und manchen Mann) gebracht werden sollen - und zwar in medizinischer wie ökologischer Hinsicht. Da wird ein wissenschaftlicher Popanz aufgebaut mit Lebensmitteln und Zusatzstoffen, die eher nach Arztrezept als Kochbuch klingen.

Superteurer Superquatsch wird als Superfood angepriesen. Chiasamen, Açai-und Goji-Beeren sind bei vielen Gerichten dabei, gewürzt und verfeinert wird natürlich mit Himalaya-Salz, Amaranth oder Ceylon-Zimt. Der Nutzen dieser Angeber-Zutaten für die Ernährung ist nicht erwiesen, zudem müssen sie oft aus exotischen Ländern eingeflogen werden. Trotzdem wird schlankweg ihre appetitlindernde Wirkung oder der gesundheitliche Vorteil behauptet. Statt darauf hereinzufallen, sollten Nüsse, Leinsamen, Rotkraut oder Kohlrabi verwendet werden, auch wenn das nicht so stylish klingt und schon Großmuttern damit gekocht hat.

Manchmal sind für die von Experten empfohlenen Gerichte Instant-Pulver und Zusatzpräparate nötig - so wie etliche Modediäten nicht ohne Ergänzungsmittel auskommen. Im Vergleich zu natürlich gewachsenen Lebensmitteln kann das nicht gesund sein. Zudem ist spätestens jetzt ein Blick auf die Anzeigenseiten der Hefte hilfreich, die nicht nur Schlankheitspillen und Diätprodukte anpreisen, sondern auch manche ausgefallene Zutat zum Rezept.

Nur in Spurenelementen findet sich in den Diät-Heften die Erkenntnis, dass es tatsächlich gesund sein kann, so zu bleiben, wie man ist. Denn bei den Wenigen, die tatsächlich abnehmen, schlägt fast immer der Jojo-Effekt zu. Nach spätestens einem Jahr sind zwei Drittel der verlorenen Kilos wieder drauf, dann folgt der Rest. Aber da gibt es dann schon die neuen Diäthefte. Die Achterbahnfahrt auf der Waage ist ungesünder als das Gewicht gleich stabil zu halten.

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