"Deutschland 3000" bei Funk Diese Frau hat zu allem eine Meinung

Jung und mit viel, viel Meinung:Funk-Journalistin Eva Schulz.

(Foto: Alex Janetzko)

In ihrem Video-Format "Deutschland 3000" klärt Eva Schulz ein junges Publikum über das politische Geschehen auf. Das macht Spaß - und besetzt eine Nische.

Von Andreas Neukam

Die Erfolgsformel eines Deutschland 3000-Videos scheint relativ simpel: Zuerst kommt, was gut läuft, am Ende dann, was schlecht läuft, und zwischendrin noch ein paar Sachen, die nur die wenigsten wissen und die meisten überraschen. Seit Juni tüftelt die Redaktion in Berlin-Neukölln vor allem an Videos, in denen Eva Schulz Politik kommentiert, für Erwachsene unter 30 Jahren. Die etwa dreiminütigen Clips sind zunächst auf Facebook zu sehen. "Dort ist unsere Zielgruppe und wir mischen uns bei denen mit in den Stream", sagt Schulz. Fast 20 000 Menschen haben sie abonniert, mehr als 100 000 schauen regelmäßig die oft bunten Videos an. "Es gab im Netz niemanden, zu dem ich als junger Mensch hingucken konnte, um mir eine Meinung zum politischen Tagesgeschehen in Deutschland zu bilden", sagt Schulz. "Diese Nische wollten wir besetzen."

Die 27-Jährige leitet die Redaktion, schreibt die Texte, entscheidet über Bild- und Videoideen und steht vor der Kamera. "Es funktioniert gut, wenn man sich mit einer Person identifizieren kann, und ich hoffe, dass das über mich klappt." Eva Schulz blickt in die Kamera, spricht die Zuschauer direkt an und fragt in Bezug auf Armut etwa: "Was läuft da eigentlich schief in Deutschland?" Bei Deutschland 3000 geht es aber nicht nur ums Nörgeln. "Das fördert Politikverdrossenheit, wenn ich immer nur sage, dass alles Scheiße ist und dann auch keine Alternativen anbiete", sagt Schulz.

Ihre Zielgruppe sei nicht politikverdrossen, nur überfordert, weil so viel gleichzeitig passiere und einem suggeriert werde, man müsse zu allem gleich eine Meinung haben. Deutschland 3000 liefert Meinung, viel Meinung. "Wir bieten eine Haltung an, und an der kann man sich reiben." Der Linken bescheinigten sie beispielsweise "verdammt gute" Oppositionsarbeit oder den Grünen, dass sie ihren Wahlkampf "komplett verkacken". Doch Schulz belässt es nicht bei saloppen Formulierungen, sondern liefert Fakten und Argumente. Dazu kommt, dass die Videos großen Spaß machen, wenn etwa an den passenden Stellen Smileys durchs Bild fliegen oder Schulz das Gesicht verzieht.

Kritikern am Konzept von Deutschland 3000 entgegnet sie: "Journalismus hat nicht die Aufgabe, permanent objektiv zu sein. Journalismus muss unabhängig sein." Regelmäßigen Zuschauern versprach die Redaktion das "reflektierteste Kreuz ever". Nach der Bundestagswahl braucht das Format nun eine neue Mission. Oder ist Schluss? "Funk und der RBB sind sehr glücklich mit dem Format", sagt Schulz. "Aber wir können dazu einfach noch nichts sagen, weil noch nichts in trockenen Tüchern ist."

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