Deutscher Fernsehpreis in Köln Die kürzeste Dankesrede aller Zeiten

Stefan Raab sagt Danke, Lena sagt "Nö" - und Annette Frier sagt, was ihr nicht passt. Der Deutsche Fernsehpreis zerfällt. Er merkt es nur noch nicht.

Von Hans Hoff

Der Deutsche Fernsehpreis, zwölf Jahre alt, liegt im Sterben. Er zerfällt innerlich. Noch will er es nicht wahrhaben. Er tut so, als sei alles in bester Ordnung. Dabei ist wenig in Ordnung beim Gemeinschaftswerk von ARD, ZDF, RTL und ProSieben/Sat1.

Ein Danke von Raab, ein "Nö" von Lena

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Am Wochenende also versammelten sich die Fernsehschaffenden wieder einmal in Köln, um im Coloneum die Preisvergabe zu erleben. Es gab vorher so viel Streit wie nie in der eifersüchtigen TV-Familie. Die Patriarchen (das sind die vier Ausrichter) hatten kurzfristig das Vergabesystem verändert. Kategorien wie Regie, Kamera, Schnitt, Ausstattung, Musik und Buch werden nicht mehr individuell, sondern in der Gruppe gewürdigt.

Dagegen waren elf Verbände aufgestanden und hatten für die Verleihung eine Protestaktion angedeutet. Doch vier Tage vor der ominösen Protestaktion luden die Senderchefs zum Runden Tisch im November. Danach verkleinerte sich die Revolution - auf die Größe einer Anstecknadel. "Ich bin preiswert", stand auf dem Silberpin. Das sollte - ganz nebenbei - auch auf zurückgestufte Etats und Gagen aufmerksam machen.

Es wirkte tragisch, wie die Schauspieler Heinrich Schafmeister, Dietmar Bär und Hans-Werner Meyer in einer kalten Ecke unweit des roten Teppichs standen und Kollegen das kleine Silberne ans Revers hefteten. Immerhin schafften sie es, dass Hape Kerkeling als Laudator die Anstecknadel auf die Bühne trug und eine nette Lobrede auf die Showbranche hielt. Kerkeling ehrte Stefan Raab und Lena für die "Beste Unterhaltung" (Unser Star für Oslo, ARD/Pro Sieben). Raab bedankte sich wortreich, nahm später den Preis als "bester Entertainer" entgegen und fragte Lena, ob sie auch etwas sagen wolle. "Nö", flötete sie und lieferte so die kürzeste Dankesrede aller Zeiten.

Auch der ARD-Serie Im Angesicht des Verbrechens (die Ende Oktober im Ersten zu sehen sein wird, aber auf einem späten Sendeplatz) wurden zwei Preise zugestanden, einer als "bester Mehrteiler" und einer für die Schauspielercrew. Dass es eine doppelte Auszeichnung war, ging unter, weil Laudatorin Simone Thomalla das bei ihrem Telepromptervortrag nebenbei erwähnte. "Wer hat noch nicht?" fragte sie, als plötzlich zwölf Preisträger auf der Bühne standen. Das Argument der Fernsehpreisstifter, die abgeschafften Kategorien würden im Team angmessen gewürdigt, wurde durch die pure Masse ad absurdum geführt.

Die Systeme, öffentlich-rechtlich und kommerziell, driften gerade sehr auseinander. Es gibt kaum noch Kategorien, in denen Formatgleichheit durch einen Preis glaubwürdig abgebildet wird. Eine seriöse Reform wäre nötig. Die Frage ist nur, ob das die Manager der unterschiedlichen Fernsehunternehmen überhaupt noch wollen.

Ein Danke von Raab, ein "Nö" von Lena

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