Deutsche TV-Moderatoren für die Oscars 2013 Dreigestirn zum Abschalten

Annemarie Warnkross, Steven Gätjen und Lena Gercke freuen sich auf die Oscarnacht. Zwei der drei können da bereits für ihre kommenden Aufgaben bei Pro Sieben üben.

(Foto: ProSieben)

Pro Sieben versorgt das deutsche Oscar-Publikum mit Annemarie Warnkross, Lena Gercke und Steven Gätjen - und schickt damit eine Moderatorentruppe auf den Roten Teppich, die an Substanz zu wünschen übrig lässt. Warum macht das nicht mal jemand, der Ahnung von Filmen hat?

Von Carolin Gasteiger

In der Nacht zum Montag werden in Los Angeles die Oscars verliehen und alle im Filmgeschäft mit Rang und Namen sind dabei. Wer das Event im deutschen Fernsehen verfolgen will, der hat nur eine Wahl: die Oscar-Nacht auf Pro Sieben, präsentiert von Annemarie Warnkross, Steven Gätjen - und Lena Gercke. Eine wenig originelle Auswahl an Moderatoren.

Mit Annemarie Warnkross ist das so eine Sache. Die 35-Jährige macht sich eigentlich ganz gut, wenn sie im Pro-Sieben-Magazin "taff" mit strahlendem Lächeln und adrett frisiert den Klatsch des Tages präsentiert. Die Vorliebe für die Welt des Boulevards nimmt man Warnkross auch ab, dabei wirkt sie nicht abgehoben, sondern wie das nette Mädchen von nebenan.

Ihre "taffe" Art will Pro Sieben jedoch ausschlachten und da der Glamoursender seine Moderatoren gerne mehrfach vermarktet, blieb es nicht bei dem einen TV-Format für Warnkross. In "red" widmet sie sich seit einigen Jahren nur noch den Sternchen. Und seit nunmehr sechs Jahren darf sie sogar zu den richtigen Stars - nach Los Angeles zur Oscarverleihung. Auch in diesem Jahr ist Warnkross vor Ort. Aber auf dem Roten Teppich des Dolby Theatre wirkt sie verloren. Ihre lockere Art geht dort unter. Das kleine Mädchen von nebenan im Löwenkäfig Hollywoods, so viel Profil kann Warnkross nicht füllen. Und wird doch jedes Jahr erneut gesetzt.

Die Oscar-Nacht 2012 "The Artist" ist der große Gewinner

Die deutschen Nominierten gingen leer aus, Woody Allen glänzte wieder durch Abwesenheit und bekam trotzdem einen Oscar, manche machten sich Sorgen um Angelina Jolies Oberarme: In Los Angeles wurden zum 84. Mal die wichtigsten Filmpreise der Welt verliehen. Der französische Stummfilm "The Artist" räumte groß ab. Sein Hauptdarsteller Jean Dujardin und außer ihm die bereits 17fach nominierte Meryl Streep gelten nun als beste Schauspieler des Kinojahres.

Ebenso Steven Gätjen. Der 40-Jährige steht auch schon seit Jahren für Pro Sieben auf dem Roten Teppich der Oscars und man fragt sich jedes Mal: Warum? An der Seite seiner schönen Ko-Moderatorinnen soll Gätjen wohl für die filmspezifische Substanz sorgen. Aber seine Fragen an die Stars sind meist plump, allzu oft wirkt es, als wolle er mit den Großen der Branche vorschnell auf Du und Du gehen. Vergeblich: Der Fremdschämfaktor bei ihm ist hoch und es hält sich hartnäckig der Eindruck, das wesentliche Qualifikationsmerkmal Gätjens für den Job ist die Tatsache, dass er in den USA geboren wurde. Und weil er den Job brav seit Jahren macht, ist er bei Pro Sieben zum Filmexperten avanciert. Wie passend, dass seine eigene Sendung "Steven liebt Kino" (vormals bei Tele 5) am Morgen der Oscarverleihung anläuft. Eine weitere Facette erfolgreicher Senderpolitik.

Fehlt noch das diesjährige Zuckerl für die Oscar-Berichterstattung: Germany's Ex-Ex-Ex-Ex-Ex-Topmodel Lena Gercke. Die 25-Jährige hat es trotz Heidi Klums Show auf die internationalen Laufstege geschafft und ist nun neben ihrem Verlobten Sami Khedira in einschlägigen Klatschblättern genauso präsent wie bei den Modenschauen in Mailand, Paris oder New York. Aber im Modebusiness kann ein zweites Standbein nicht schaden und so kommt Gercke der Sender Pro Sieben, dem sie alles zu verdanken hat, sehr gelegen.

Sie wird künftig beim Promimagazin "red" neben Warnkross als Moderatorin einsteigen - und bei den Oscars darf sie inmitten der Stars schon mal üben. So geht auch bei ihr das hausinterne Moderatoren-Recycling von Pro Sieben auf. Aber es stellt sich die Frage: Warum muss das Model überhaupt Moderatorin werden? Ist sie doch in ihrem Job erfolgreicher als die meisten anderen Ex-Modelshow-Kandidatinnen. Bei "Austria's Next Top Model" hat sie jedenfalls eindrücklich bewiesen, warum sie in kein Fernsehstudio, sondern auf den Laufsteg gehört.

Senderpolitik hin oder her - es gäbe tatsächlich einige vielversprechende Alternativen für die deutsche Oscar-Berichterstattung. Warum nicht einmal jemand, der Ahnung von Filmen hat? Wie wäre es mit Katrin Bauerfeind, die ihr Kulturmagazin auf 3sat locker und mit Verve moderiert? An der Seite von Glamourpüppchen Warnkross könnte sie den Stars Filmfragen mit Substanz stellen. Oder, wo wir schon bei gelungener Satire sind, Bauerfeinds Ex-Arbeitgeber Harald Schmidt? Ein wenig Ironie auf dem Roten Teppich könnte den Oscars nicht schaden.

Oder, um in der Pro-Sieben-Familie zu bleiben: Warum nicht Joko und Klaas? Statt ihnen die x-te Samstagabend-Show auf den Leib zu schneidern, könnten sie sich auf dem Roten Teppich in Los Angeles einmal mehr vor Livepublikum beweisen. Langweilig wäre das bestimmt nicht. Aber Pro Sieben bleibt seiner Linie auch in diesem Jahr treu. Und der Zuschauer hat im deutschen Fernsehen ja keine andere Wahl.

Oscar-Nacht auf Pro Sieben, Sonntagnacht auf Montag, von 00:35 Uhr an