Debatte um TV-Duell mit Stefan Raab Wenig Chancen um aufzufallen

Edmund Stoiber, der Politrentner, hat freilich ein sogenanntes ernstes Anliegen (mal abgesehen davon, dass er Beirat der Sendergruppe ProSiebenSat1 ist, für die auch Stefan Raab arbeitet). Stoiber, 71, will junge Wähler für Politik interessieren. Und wenn man ihn recht versteht, glaubt er, dass Raab einige davon zum TV-Duell quasi mitbringen würde. Raab selbst glaubt das übrigens auch, wie er dem Mediendienst DWDL sagte: "Wenn man junge Leute erreichen will, muss man auch dahin gehen, wo sie sind. Es nützt ja nichts, wenn man seinen alten Routinen treu bleibt."

Erlebnishorizont wie Oma und Opa

Die alten Routinen. Das ist zumindest kein schlechter Begriff auch für dieses Jahr der Bundestagswahl. 2013 hält nämlich ein bemerkenswertes Phänomen bereit: Schon Angela Merkel ist ja, bei allem Respekt, mit ihren 58 Jahren nicht mehr die Jüngste - gleichwohl sind gleich vier andere Spitzenkandidaten älter als sie: Rainer Brüderle, FDP, 67; Peer Steinbrück, SPD, 66; Gregor Gysi, Die Linke, 65; Gerda Hasselfeldt, CSU, 62. Merkels Mitbewerber stehen also nicht gerade für den Vorwärtsdrang einer neuen Generation, sondern eher für alte Routinen, um nicht zu sagen: routinierte Alte. In dieses Bild passt von den zwei Grünen-Kandidaten auch Jürgen Trittin, der zwar eine Woche jünger ist als Merkel, aber nach dem politischen Lebensalter ebenfalls ein Senior, wenn man bedenkt, dass er vor 28 Jahren erstmals in ein Parlament einzog - früher als alle heutigen Mitbewerber.

Es ist mithin schon ein verständliches Anliegen, junge Leute an eine Politik heranzuführen, deren Protagonisten für manchen Erstwähler den selben Erlebnishorizont haben wie Oma und Opa. Kein Zweifel, Raab, 46, hat in seinem Leben schon Unmögliches möglich gemacht, die von ihm produzierte Lena Meyer-Landrut gewann 28 Jahre nach Nicole 2010 endlich wieder den Eurovision Song Contest für Deutschland. Gleichwohl wird man selbst von ihm nicht zu viel erwarten dürfen.

Als einer von vier Moderatoren wird Raab wohl wenig Chancen haben, besonders aufzufallen. Größer ist da schon die Gefahr, dass die Wills und Illners und Kloeppels versuchen, noch lustiger und schlagfertiger zu sein, als sie es schon beim letzten Mal nicht waren. Es ist ein Irrglaube, der aus der Überschätzung des Mediums Fernsehen resultieren dürfte, dass ein lebhafter Moderator genügt, um Politik attraktiver zu machen.

Am Ende werden das doch wieder die Politiker erledigen müssen.