Debatte über Ronja von Rönne Beifall von der falschen Seite

  • Mit ihrem Text "Warum mich der Feminismus anekelt" handelt sich Ronja von Rönne harsche Kritik im Netz ein.
  • Kritiker werfen der Journalistin vor, dass eine rechtsradikale Frauen-Organisation einen ihrer Texte empfahl.
  • Von Rönne wird auch beim diesjährigen Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt lesen.
  • In einem Liedzitat auf Twitter, das an von Rönne adressiert ist, sehen manche sogar eine versteckte Morddrohung.
Von Johannes Boie

Was hilft gegen eine Morddrohung? Nach Meinung von Ronja von Rönne, 23 und seit diesem Jahr Redakteurin im Feuilleton der Welt, das gleiche, was im Freibad gute Laune macht, nämlich Kaktus-Eis von Schöller. Sie musste sich am Samstag eines genehmigen.

Und das kam so: Einprägsamer als Rönnes Name sind womöglich nur ihre Thesen. Eine gute Mischung für schlagartige Branchenberühmtheit zum Karrierebeginn. Rönne schrieb Anfang April einen Text für ihre Zeitung, Titel: "Warum mich der Feminismus anekelt." Wie der Titel so der Text, der gedruckt als Teil einer Serie mit mehreren Positionen, online aber als Einzelstück aufgemacht erschien. Viele im Netz begriffen ihn nicht zuletzt deshalb als eine Art Visitenkarte der neuen, jungen Kollegin von Rönne, die dann und wann auch schon gemodelt hat, und zwar eher nicht für Dove. Für die große und starke Bewegung des Netzfeminismus lieferte Rönne damit als Gesamtpaket etwas viel Schöneres als einen Text - ein Feindbild.

Harte Vorwürfe

Als in diese Situation vor ein paar Tagen die Nachricht platzte, dass Rönne für den Bachmann-Preis, einen Wettbewerb für Nachwuchsschriftsteller in Klagenfurt, nominiert sei, wirkte das wie eine Ladung Brandbeschleuniger im beschaulichen, bundesrepublikanischen Medienalltag.

Auf die Redakteurin brach eine öffentliche Welle von Hass herein. Die Attacken wurden maßgeblich von einer tagesschau.de-Mitarbeiterin vorangetrieben, die kräftig Unterstützung vom Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) erhielt. Sie warfen Rönne vor, dass der Ring Nationaler Frauen, eine Unterorganisation der rechtsradikalen NPD, ihren Text über Feminismus empfohlen habe. Außerdem sei Rönne wegen ihrer Meinung zum Feminismus für den Literaturwettbewerb nominiert worden, quasi eine Quote für Gegnerinnen des Feminismus. Das sind harte Vorwürfe, die mit einer inhaltlichen Debatte unter Kolleginnen zu Rönnes streitbaren Positionen nichts zu tun haben.

Vor allem aber sind sie nicht gerechtfertigt. Denn einerseits ist es so, dass jeder Medienschaffende, auch die Redakteure der Tagesschau, genau wie Bundestagsabgeordnete dann und wann Beifall von der falschen Seite bekommen. Man kann es sich schlicht nicht aussuchen, wer applaudiert, zumal bei einem so kontroversen Text. Und andererseits reichte Rönnes Lektorin einen literarischen Text der Autorin beim Vorsitzenden der Klagenfurter Jury, Hubert Winkels, lange ein, bevor der kontroverse Beitrag in der Welt erschienen war. Rönne sagt, der Feminismus-Streit habe für ihre Bewerbung in Klagenfurt nie eine Rolle gespielt.

Wie eine Dampfwalze

Doch die sozialen Medien können wie eine Dampfwalze sein. Wenn sie rollt, dann rollt sie. Und so kam es, dass der 23-Jährigen plötzlich auf Twitter ein Liedzitat entgegengeschleudert wurde: ",Adel ist was für die Laterne' Ça irá, #BachmannPreis, ça irá, von Rönne!"

Die Autorin versucht sich in Gelassenheit und isst ihr Kaktus-Eis. Nach Klagenfurt will sie fahren, Anzeige hat sie nicht erstattet, nur ihr privates Blog hat sie eingestellt. Die selbsternannte Netzpolizei durchsuchte es offenbar nach Sätzen, die, wenn man sie dreht, als neuer Aufreger herhalten könnten. Statt zu bloggen, kann sich Rönne nun die Zeit damit vertreiben, auf Twitter nachzulesen, wie der Herausgeber für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Jürgen Kaube, und der FAZ-Kulturkorrespondent Patrick Bahners diskutieren, ob der Laternen-Satz überhaupt eine richtige Morddrohung gewesen sei. Das ist vermutlich nicht die Art Aufmerksamkeit, die ihre Kritiker ihr gewünscht hatten.