Dallas auf RTL Zum Sterben zu fies

Das intrigante Spiel um Macht, Geld und Öl: "Dallas" war die Kultserie der achtziger Jahre. Millionen Menschen verfolgten die Querelen in der texanischen Metropole Woche für Woche. Nun läuft das Remake auf RTL - und bietet eigentlich nur Aufgewärmtes. Wäre da nicht J. R. Ewing.

Von Carolin Gasteiger

Mit starrem Blick sitzt er am Fenster, kein Zucken des Lides, kein Kräuseln um die Mundwinkel, auch die altersweißen Augenbrauen bewegen sich nicht. Warum auch? Gefühlsduseleien, wie sie sein Bruder Bobby soeben äußert, haben J. R. Ewing noch nie interessiert.

Das Einzige, was den alten Mann wieder ins Leben zurückholt, ist - wie könnte es anders sein - Öl. J. R., Bobby, Intrigen und Macht - die Kultserie Dallas ist zurück im deutschen Fernsehen. Kaum ist das Dschungelcamp vorbei, hievt RTL die erfolgreichste US-Serie der Achtziger ins Programm. Und gleich in der ersten Folge scheint uns J. R. verloren zu gehen, wie er geistig abwesend vor sich dahindämmert. Seit das Remake, in dem die Stars von früher mitspielen - Linda Gray als Sue Ellen, Patrick Duffy als Bobby Ewing und eben der im November erst verstorbene Larry Hagman als J. R. - in den USA angelaufen ist, war die Szene, in der J. R. aus seinem scheintoten Zustand aufwacht, auch in Deutschland schon bekannt.

Nun ist die erste Folge auch bei uns gelaufen, und mann muss sagen: Es ist einer der wenigen Momente, der an Dallas' beste Zeiten erinnert. J. R.s Augen blitzen, ein linkisches Lächeln huscht über sein Gesicht, als sein Sohn John Ross ihn über die Ölquelle auf der Ranch seines Bruders informiert, und schon beginnt er Pläne zu schmieden. "Mein Sohn, wir müssen reden", grinst er.

Als eine der ersten TV-Serien überhaupt führte Dallas dem Publikum die "Arschlochseite des Kapitalismus" vor, wie Larry Hagman einmal sagte. Auch in der Neuauflage wird getrickst und betrogen wie früher. Intrigen sind es nicht wenige und es hintergeht wirklich jeder jeden. Was spannend ist, zweifellos. Aber das fiese Spiel um Macht, Geld und Öl wirkt in der Neuzeit doch sehr konstruiert. "Wer heute noch nach Öl bohrt, ist verrückt", stellt John Ross ironisch fest. Aber wer bohrt denn heutzutage noch nach Öl? Sein Cousin, Bobbys Adoptivsohn Christopher, sucht immerhin schon realistischer nach alternativen Energiequellen. Zwischen ihnen soll die Familienfehde ihrer Väter weitergehen.

Wenn es nur so einfach wäre. Doch dem neuen Dallas geht es so wie den meisten TV-Remakes: ihre besten Zeiten sind einfach vorbei. Da helfen auch schöne junge Schauspieler (Jordana Brewster aus The Fast and the Furious oder Jesse Metcalfe, der Gärtner aus Desperate Housewives) und all die Hochglanz- und HD-Optik nichts. Auch die Titelmusik wurde nur wenig bearbeitet und der damals so fortschrittliche Splitscreen-Vorspann beibehalten: Alles soll so sein wie Dallas immer war. Aber es wirkt eben nur aufgewärmt. Die merklich gealterte Sue Ellen stakst viel zu stark geschminkt durchs Bild, als würde sie nicht recht dazugehören, und John Ross soll ein mindestens so abgrundtief böser Kerl sein wie sein Vater? Nie im Leben. Einen solchen Fiesling wie J. R. darf es nur einmal geben.

Vielleicht wäre es besser gewesen, Dallas einfach den Erfolg zu lassen, anstatt daran anknüpfen zu wollen. Wäre da nicht Larry Hagman, der bis zu seinem Tod untrennbar mit seiner größten Rolle verbunden blieb - und den hinterlistigen Ölbaron einfach herrlich gemein gibt. Der Satz "Manche Menschen sind sogar zum Sterben zu fies", mit dem J. R.s Anwalt seinen Mandanten in der ersten Folge beschreibt, wirkt nach Hagmans Tod zwar unangebracht: Aber auf seine Rolle, den J. R. Ewing, trifft er zu. Und damit auch auf die gesamte Serie - solange er ihr erhalten bleibt. Das bedeutet: auf die erste Staffel des Remakes.

Dallas, RTL, dienstags, 22:15 Uhr