Chef der Basler Zeitung WAZ kündigt Bollmann vor Dienstantritt

Der Schweizer Rolf Bollmann sollte Verantwortlicher für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung werden. Doch aus dem Engagement bei dem ziemlich sozialdemokratischen Blatt wird nun nichts. Der Grund ist sein bisheriger Arbeitgeber.

Von Bernd Dörries

Rolf Bollmann war einmal Profi-Fußballer in der Schweiz, was ihm den Namen Eisenfuß einbrachte. Seitdem hat er weiter an seinem Auftreten gefeilt. "Wenn die Leser wüssten, welche zum Teil widerlichen Figuren im Journalismus rumturnen und was für Taugenichtse solche Artikel schreiben, dann kämen bei ihnen einige Fragezeichen auf", sagte Bollmann dem Schweizer Medienmagazin Persoenlich.com. Er fügte hinzu: "Selbst haben sie ihr Leben nicht im Griff, noch nie irgendwann, irgendwo für irgendetwas Verantwortung übernommen und erlauben sich, mit primitiven Artikeln über Menschen zu urteilen, die sie nicht kennen und mit denen sie nie gesprochen haben."

Das klingt jetzt nicht unbedingt so, als käme Bollmann für einen Job im Verlagsgeschäft in Frage. Oder interessiere sich überhaupt dafür. Das Gegenteil ist aber der Fall. Bollmann war lange Jahre beim Verlag des Zürcher Tages-Anzeigers und dann bei des Basler Zeitung. Überall strich er haufenweise Jobs, überall klopfte er Sprüche.

Dennoch hielt es die Essener Funke-Mediengruppe Anfang Mai für eine gute Idee, ihn zum Verlagsgeschäftsführer zu machen und damit auch zum Verantwortlichen für die WAZ. Er sollte als Sanierer kommen, der Eigentümerfamilie Grotkamp genug Profite bringen, um die zahlreichen Kredite zu finanzieren. Egal um welchen Preis.

Am 1. August sollte er antreten. Daraus wird nun wohl nichts. Nach SZ-Informationen beschlossen die Gesellschafter in Essen seine Kündigung vor Dienstantritt. Nicht die Sprüche wurden ihm zum Verhängnis. Sondern sein früherer Arbeitgeber und dessen politische Positionen.

Nette Worte für die Apartheid in Südafrika

Bei der Basler Zeitung sanierte Bollmann im Auftrag von Christoph Blocher, dem Eigentümer des Medienhauses, der in Deutschland vor allem als Rechtspopulist und Ausländerfeind bekannt ist. Blocher dominiert seit vielen Jahren mit der Schweizer Volkspartei die Politik, er fand nette Worte für die Apartheid in Südafrika und hetzt gegen die EU. Auch sein Adlatus Bollmann teilt offenbar dessen Positionen: "Es wäre für mich die absolute Horrorvorstellung, dass Schicksal meiner Kinder von den circa 50 000 Beamten in Brüssel bestimmen zu lassen." Unter Bollmann und Blocher wurde die Basler Zeitung zum Sprachrohr der Rechtspopulisten. Das, so befürchteten viele Redakteure in Essen, drohte nun auch der WAZ.

Es wäre eine unglaubliche Wendung der Geschichte gewesen. Gegründet wurde die Zeitung von Erich Brost und Jakob Funke. Brost war SPD-Mann und Journalist, die Nazis trieben ihn 1939 in die Emigration, nach England und nach Schweden. Sein Partner wurde Jakob Funke, der in der Nazizeit als Journalist für die amtliche Nachrichtenagentur des Dritten Reiches gearbeitet hat und deshalb im Hintergrund bleiben musste. Funke kümmerte sich also ums Finanzielle, Brost um die Richtung der Zeitung, die eine ziemlich Sozialdemokratische wurde.

Vom Widerstandkämpfer zum Blocher-Mann. Das wäre den Lesern im Ruhrgebiet nicht zuzumuten gewesen. Die Frage ist, warum man überhaupt auf die Idee gekommen war.