Café aus der US-Serie "Friends" Zu Besuch bei Freunden

Schlange stehen fürs Sofasitzen: ein Fan nimmt Platz im nachgebauten Central Perk Café.

(Foto: Justin Lane/dpa)

Im originalgetreu nachgebauten New Yorker Central Perk Café können Fans der US-Sitcom "Friends" deren 20. Geburtstag feiern - und auf dem legendären Sofa Platz nehmen.

Von Kathrin Werner, New York

Die Schlange ist 100 Meter lang, mindestens. Sie geht einmal um die Straßenecke herum, dann noch um die nächste Ecke. Viele junge Mädchen warten hier im New Yorker Stadtteil Soho, in Zweier- oder Dreiergrüppchen, manche haben ihre Mütter mitgebracht, ein paar junge Pärchen sind auch dabei. Vor dem Eingang halten hünenhafte Sicherheitsmänner die Leute davon ab, sich gegenseitig ins Foto zu laufen. Für das Selfie vor der berühmten Tür muss jeder schön nacheinander antreten.

Hannah Vigneri hat es hinein geschafft ins Central Perk Café, nach einer Wartezeit von einer Stunde und 45 Minuten: "Nur treue Fans würden sagen, dass sich das lohnt" - treue Fans wie die 21-Jährige. Zum 20. Geburtstag der Serie Friends haben sich das Fernsehstudio Warner Bros. und die Kaffeekette Eight O'Clock Coffee zusammengeschlossen und das Café nach-gebaut, in dem die Serienheldin Rachel mit ihren fünf besten Freunden stets ihren Kaffee trank.

Nur einen Monat wird das Central Perk Café geöffnet sein. Hannah und die anderen Fans kommen nicht, um die Tasse kostenlosen Kaffee zu trinken, sondern um einmal in ihrem geliebten Filmset zu sitzen. Für 20 Dollar können sie eine Kaffeetasse mit nach Hause nehmen oder für 25 Dollar eine Friends-Schürze. Hannah ist aus Connecticut angereist, die Zugfahrt hat Stunden gedauert. Sie hat ihre Reise schon seit Monaten geplant. "Ich freue mich wahnsinnig hier zu sein, ich habe alle Folgen schon mindestens 15 Mal gesehen", sagt sie.

Die Unternehmen haben sich Mühe gegeben, hier alles so original wie möglich aussehen zu lassen: Auf dem Boden liegen die gleichen ausgeblichenen Perserteppiche, die Wand ist aus dem gleichen roten Backstein und in der Ecke steht die orangefarbene plüschige Couch, auf der die sechs Hauptdarsteller über Leben, Liebe und Freundschaft philosophierten. "Das war vielleicht meine einzige Chance, das Sofa zu sehen, sonst steht es an der Westküste", sagt Hannah, die sich schon wieder einreihen muss.

Die Fans stehen vor dem Sofa Schlange, um sich im Kreise ihrer Freunde auf dem legendären Polster fotografieren zu lassen. Selbst Gunther, der unsterblich in Rachel verliebte und enorm blondierte Kaffeeverkäufer, schaut ab und zu im Central Perk vorbei - beziehungsweise natürlich der Schauspieler James Michael Tyler, der wichtigste Nebendarsteller.

Im Hintergrund läuft Musik von den Backstreet Boys, die ungefähr zur gleichen Zeit populär wurden wie Friends. Am 22. September 1994 strahlte der Sender NBC die Serie zum ersten Mal aus, sie lief zehn Jahre lang und war eine der erfolgreichsten Sitcoms der Geschichte. Sie hat die sechs Hauptdarsteller um Jennifer Aniston reich und berühmt gemacht, Stars wie Bruce Willis oder Tom Selleck traten in Gastrollen auf. Friends hat sechs Emmys gewonnen und war 62 Mal nominiert. Mehr als 50 Millionen Amerikaner schauten das Serienfinale am 6. Mai 2004. Die Begeisterung der Zuschauer ist seither nur leicht abgeebbt, noch immer laufen Wiederholungen.

Viel Herz und eine Seele

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Die meisten Fans, die vor dem Central Perk in Soho Schlange stehen, sind zu jung, um sich an die Erstausstrahlungen zu erinnern. "Friends gibt es schon, seit ich denken kann", sagt der treue Fan Hannah. "Die Serie hat mich mein ganzes Leben lang begleitet."