Buchholz verlässt Bertelsmann-Vorstand Weg vom Sonnendeck

Gut dreieinhalb Jahre hat Bernd Buchholz die Geschäfte an der Spitze des Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr geführt, das den Stern, die Brigitte und Geo herausgibt. Doch die besten Zeiten sind lange vorbei. Im Krach mit Bertelsmann wirft er nun im Konzernvorstand hin.

Von Hans-Jürgen Jakobs

Nach einem alten Gesetz muss ein neuer Chef Unbequemes rasch hinter sich bringen. Er schaut sich seine obersten Mitarbeiter an und zieht Schlüsse. Manchmal rauscht die Guillotine. So hat es auch Thomas Rabe gehalten, nachdem er zu Jahresanfang Vorstandschef der Bertelsmann AG in Gütersloh wurde. Einen Vorstand nach dem anderen vernahm er ein, und der TV-Mann Gerhard Zeiler von der RTL Group zog danach rasch Konsequenzen und seilte sich ab.

Bernd Buchholz, Chef der Zeitschriftentochter Gruner + Jahr in Hamburg (Stern, Geo, Brigitte), hielt es ein paar Monate länger aus. Und das, obwohl sein Gütersloher Gespräch unerfreulich gelaufen sein soll, wie Konzernmitarbeiter berichten. Am Donnerstag dann erklärte Buchholz, 50, gelernter Jurist, gegenüber dem Aufsichtsrat die Niederlegung seines Vorstandsamts bei Bertelsmann "mit sofortiger Wirkung". Das kabelte die Pressestelle des Konzerns in alle Welt. Traditionell werden solche News mit Bedauern und Dank begleitet, so auch hier. Es folgte der Nachsatz: "Bertelsmann steht als Mehrheitsgesellschafter unverändert zu Gruner + Jahr und unterstützt die Weiterentwicklung des Unternehmens." Das soll Zweifel zerstreuen.

Die Vorgänge erinnern an den Buchholz-Vorgänger Bernd Kundrun. Auch dieser Verlagsmanager lebte im Streit mit Gütersloh und warf erbost im Dezember 2008 als Bertelsmann-Vorstand hin. Kurze Zeit darauf war er nicht mehr G + J-Chef.

Jetzt werden im Fall Buchholz die Anwälte das Wort haben. Der Vertrag des amtierenden G + J-Lenkers läuft bis 2016, er ist im Herbst 2011 verlängert worden. Am Wochenende hatte sich Buchholz mit Juristen und seiner Frau beraten. Er wollte offenbar "mit offenem Visier kämpfen", heißt es im Umkreis von Bertelsmann, und nicht als "Konzern-Marionette" wirken. In einem persönlichen Gespräch in Berlin informierte der Herr der Zeitschriften dann am Dienstag Rabe, den Herr der Divisionen, über seine geplante Demission aus Gütersloh.

Gut dreieinhalb Jahre hat der fliehende Buchholz, der in Wahrheit ein Vertriebener ist, die Geschäfte an der Spitze des Zeitschriftenhauses erledigt. Die besten Zeiten sind hier schon länger vorbei, jahrelang wurde Stillstand verwaltet, und Buchholz sann auf neue kleine Titel wie Beef. Das war lustig und kostete wenig, schließlich war mit der kapitalhungrigen Mutter verabredet, dass ordentlich Gewinn anfällt und ausgeschüttet wird.

"Liegestühle und Drinks beiseite stellen"

Also machte Buchholz den Spar-Kapitän; er hatte während der Finanzkrise gesagt, wenn eine Riesenwelle aufs Schiff zukomme, müsse man "den Leuten auf dem Sonnendeck sagen, dass sie ihre Liegestühle und Drinks beiseite stellen müssen". Buchholz dachte, er könne dafür danach wieder investieren, so war es verabredet - aber mit Hartmut Ostrowski, dem alten Bertelsmann-Chef. Der Neue schoss das Lieblingsprojekt des G + J-Chefs ab, den Einstieg in den Markt der Business Information. Der Kauf der Marktforschungsfirma Yougov für 100 Millionen Euro hatte auf einmal keine Chance mehr.

Das war die ultimative Steigerung eines traditionell schwierigen Verhältnisses. Hier die Kreativen im Verlag, dort die Controller. Mancher in Gütersloh sieht eine regelrechte "Anti-Bertelsmann-Stimmung" in Hamburg. Mancher beklagt eine Lähmung bei wichtigen Fragen. Nach zehn Jahren gelten die beiden Stern-Chefredakteure als ausgelaugt, im Digitalen gebe es null Fortschritt. Buchholz' Verhängnis ist, dass seine einst wichtigsten Unterstützer nicht mehr zur Seite stehen, die Jahr-Familie. Sie hält 25,1 Prozent der G + J-Anteile und hatte einst den blond gelockten FDP-Politiker, der für die Liberalen im Kieler Landtag saß, fürs Spitzenamt vorgeschlagen. Derzeit redet die Jahr-Holding mit Bertelsmann über einen neuen Zuschnitt der Kooperation: Womöglich werden die Verlagsanteile in Konzernaktien getauscht.

So war es langsam einsam um Buchholz geworden. Um den feierfreudigen Manager, der beim "Henri" im Smoking bella figura machte, der Gala zur Verleihung von Journalistenpreisen. Schon ist als G + J-Nachfolger Torsten-Jörn Klein im Gespräch. Egal, was passiert: Selbstzweifel hat Buchholz nicht. "Was Porsche kann", sagte er einmal, "können wir auch."