BR-Satire "Hindafing" Crystal Meth im Gemeinderathaus

Die Welt des Alfons Zischl (Maximilian Brückner) hat mit weiß-blauer Idylle nur wenig zu tun.

(Foto: Neue Super/Günther Reisp)

Der Himmel ist nicht weiß-blau, sondern grau, der Biometzger verkauft Fleischabfälle und jeder erpresst jeden: "Hindafing" seziert die amigohafte bayerische Lokalpolitik so hinterfotzig wie brillant.

Von Kathrin Hollmer

Die Schrammen in Alfons Zischls Gesicht werden von Folge zu Folge mehr. Der Bürgermeister der fiktiven bayerischen Gemeinde Hindafing, Schauplatz der neuen und gleichnamigen BR-Serie, ist schwer gezeichnet. Er nimmt Crystal Meth, um die Reden beim Kleintierzuchtverein durchzustehen, sein Mercedes wurde gepfändet, sein Freund hat ihn entführen und in eine Tiefkühltruhe sperren lassen und sein Dealer hat ihm den Zeigefinger abgebissen. Man sieht Alfons Zischl sein Elend bald an.

Hindafing, die lange angekündigte BR-Serie, die im vergangenen Sommer entstand, ist von diesem Dienstag an - für die early adopter des BR-Programms - schon in der Mediathek des Senders zu sehen. Vom 16. Mai an läuft sie in Doppelfolgen in der Primetime und, mit Unterbrechung der Tagesschau, nach der harmlosen Vorabendserie Dahoam is dahoam.

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Größer könnte der Kontrast nicht sein. Hindafing, irgendwo zwischen Ingolstadt und der tschechischen Grenze, ist alles andere als Postkarten-Bayern. Die Serienmacher zeichnen ein hässliches Bild vom Land und seinen Bewohnern. Der Himmel der Bayern ist hier nicht weiß-blau, sondern grau, am Horizont sieht man Stromtrassen statt Berge. Der sogenannte Biometzger verkauft Fleischabfälle aus der Ukraine, und seine Frau meint den Lkw-Strich, wenn sie sich nach dem Abendessen zum "Hot Yoga" verabschiedet. Sogar die Kirche ist ganz unkatholisch schmucklos. Bis auf den Dialekt, von dem die Figuren manchmal willkürlich in die Hochsprache wechseln, gibt es in Hindafing kein Lokalkolorit.

Weil ihr Windpark kein Geld abwirft, ist nicht nur die Gemeinde, sondern auch Zischl selbst pleite und als Politiker mehr Witzfigur denn Respektsperson geworden. Das "Donau Village", Bayerns größtes Bio-Shoppingcenter, das er in einer ehemaligen Konservenfabrik eröffnen will, soll ihm dennoch die Wiederwahl sichern.

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Bereits im vergangenen Jahr war es ein Vergnügen, Maximilian Brückner, 38, in dem österreichisch-deutschen Krimi-Vierteiler Pregau (ORF und ARD) dabei zuzusehen, wie er sich immer mehr in Lügen verstrickte. In Hindafing sind es seine privaten wie politischen Versprechungen, aus denen er sich irgendwann nicht mehr herausreden kann. Seinem Freund, dem Biometzger Goldhammer, hat er zugesagt, dass er im Einkaufszentrum Bayerns größte Fleischtheke eröffnen darf, seiner passiv-aggressiven Ehefrau und wenig talentierten Malerin ebendort einen "Showroom" für ihre Bilder und der Mutter seines geheimen unehelichen Kindes einen Friseurladen. Gleichzeitig verspricht er dem Landrat, dass er Flüchtlinge im "Village" unterbringt, wenn der ihm Zugang zu den Offshore-Millionen seines toten Vaters verschafft. Nach und nach fliegt alles auf, bis irgendwann jeder jeden erpresst.

Bei jeder neuen deutschen Serie, zumindest wenn es kein Krimi ist (bei Hindafing gibt es mit einer Virtual-Reality-App, mit der man den Tod von Zischls Vater aufklären soll, allerdings quasi ein Krimi-Spin-off), vergleichen die Macher seit ein paar Jahren ihre Projekte mit erfolgreichen Vorbildern aus den USA. Es gab schon sogenannte deutsche Antworten auf Twin Peaks (Weinberg), Breaking Bad (Morgen hör ich auf, Blochin) und House of Cards (Die Stadt und die Macht). Als "bayerische Antwort auf Fargo" bezeichneten die Macher von Hindafing ihre Serie auf der Berlinale, in den Medien fielen Twin Peaks und House of Cards als Größenordnung.