Boulevardblatt "France-Soir" Wie eine Zeitung ums Überleben kämpft

Von den ehemals mehr als einer Million Lesern ist "France-Soir" mittlerweile weit entfernt - der Eigentümer versucht alles, um den drohenden Konkurs des Blattes abzuwenden. Wenn nötig, auch mit Gläubigerschutz.

Von Johannes Willms

Einer Meldung der Pariser Tageszeitung Le Monde zufolge befindet sich das Boulevardblatt France-Soir erneut in einer schweren finanziellen Krise, nachdem ihm schon 2005 der Konkurs gedroht hatte.

Auf einer Titelseite von 2006 macht France-Soir mit den heftig umstrittenen Mohammed-Karikaturen auf. Nun steht die Zeitung vor dem Aus.

(Foto: dpa/dpaweb)

An diesem Montag bereits soll die Zeitung demnach beim Pariser Handelsgericht Antrag auf Gläubigerschutz (procédure de sauvegarde) stellen. Wird dem vom Gericht entsprochen, dann stundete dies der Zeitung eine Überlebensfrist, um den unmittelbar drohenden Konkurs abzuwenden.

Der derzeitige Eigentümer von France-Soir, Alexander Pugatschew, Sohn eines russischen Oligarchen, hat die Zeitung vor zwei Jahren übernommen und seither nach eigenen Angaben bereits 60 Millionen Euro in das seit Jahren kriselnde Blatt gesteckt, das in seiner Glanzzeit in den 1950er Jahren über eine Million Leser hatte.

Die verkaufte Auflage des France-Soir lag im März 2010 bei weniger als 22.000 Exemplaren. Der im Januar versuchte Relaunch, mit dem der Verkauf von rund 100.000 Exemplaren anvisiert wurde, ist offensichtlich gescheitert. Der monatliche Verlust des Blatts beträgt nach Auskunft von Alexander Pugatschew über eine Million Euro, und auch einem reichen Russen kann das vielleicht zu viel werden. Seit einer Weile schon heißt es, Pugatschew wolle die Zeitung angeblich wieder loswerden und suche einen Käufer.

Wird dem Antrag auf Eröffnung einer procédure de sauvegarde vom Handelsgericht stattgegeben, wäre France-Soir neben dem Wirtschaftsblatt La Tribune schon die zweite französische Zeitung, die Gläubigerschutz genießt.