Böhmermann-Show "Neo Magazin Royale" Vor allem leer

Jetzt auch im ZDF-Hauptprogramm - allerdings zu nachtschlafender Zeit: Jan Böhmermann und seine Show Neo Magazin Royale

(Foto: Ben Knabe)

Das Superkondom von Bill Gates und Köttbullar aus Teppichresten: Was beim "Neo Magazin" lustig war, zündet in Jan Böhmermanns neuem, blitzblankem Studio nicht richtig. Die Inhalte wirken in der aufgemöbelten Show nicht "Royale" - sondern eher eine Nummer zu klein.

Von Christoph Behrens

Wenn Jan Böhmermann eines kann, dann das: Selbst die größten Peinlichkeiten ("Wie ist das eigentlich, Sex vor der Kamera?") mit einem Grinsen wegzumoderieren. Normalerweise. Doch nicht bei der Premiere von Neo Magazin Royale an diesem Donnerstagabend. Da steht der 33-Jährige in seinem neuen blitzblank gewienerten Studio und feuert Einstiegsgags ab. Das neue Superkondom, das Microsoft-Gründer Bill Gates mit seinen Stiftungsmilliarden entwickeln will, ob das genauso zuverlässig werde wie die Windows-Betriebssysteme? Vegetarische Köttbullar bei Ikea - irgendwohin müssen die alten Teppichreste ja, oder?

Dass Böhmermann manchmal mäßig Lustiges erzählt, und das mit Überzeugung, ist man von ihm gewöhnt. Nicht aber seine Reaktion, als die Gags nicht recht zünden wollen: Böhmermann wird nervös, und das ausgerechnet zum Einstand ins Hauptprogramm. Denn Royale wird künftig nicht mehr nur auf dem Digitalspartensender ZDFneo laufen, sondern einen Tag später um Mitternacht auch im ZDF. "Inhalt wie der FC Bayern, Sendeplatz eher BVB", sagte Böhmermann dazu.

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Bei der Premiere fehlt dem Moderator jedoch über weite Strecken die Coolness, die ihn sonst auszeichnet. Das liegt weniger am Inhalt seiner Witze - die konzentrieren sich weiter auf gekonntes Medienbashing und Netzphänomene -, sondern eher am neuen Studio. Überdimensional groß springt es dem Zuschauer entgegen, was die Dynamik der Sendung erheblich durcheinanderwirbelt. Im alten Neo Magazin bildete der monströse Schreibtisch das Zentrum des Böhmermann'schen Kraftfelds. Von hier aus teilte der Netzkritiker gegen den Medienbetrieb aus oder fischte in "Prism is a Dancer" in den Untiefen der sozialen Netzwerke seiner Zuschauer nach Peinlichkeiten.

Es war das Herz des Studios, Böhmermanns Kommandozentrale. Das neue Studio ist vor allem leer. Böhmermann dirigiert nicht mehr nur vom Schreibtisch aus durch die Sendung; zumindest zu Beginn wird er künftig, wie sein Fernsehziehvater Harald Schmidt, im Stehen die ersten Gags bestreiten. Eine Disziplin, die Schmidt virtuos beherrschte. Das Geblödel Böhmermanns hingegen, das sonst immer prima funktioniert, wirkt in der vergrößerten Umgebung zum ersten Mal eine Nummer zu klein.

Ob Böhmermann in diese neue Rolle hineinwachsen kann, ist die entscheidende Frage für die Zukunft der Show. Auf jeden Fall stecken in Neo Magazin Royale viele gute Ideen, angefangen mit dem aufpolierten, völlig überdrehten Intro - Böhmermann springt in Comic-Optik geldkofferbeladen aus einem Düsenjet, rast im Rennwagen über Strände (im Hintergrund Explosionen), reitet Dinosaurier.

Den Sidekick William Cohn, der bislang im Wollpullover von der Seitenlinie aus Jugendsprache einstreute, haben die Macher in die neue Sendung mitgenommen. Gut so. Außerdem gibt es mit dem Rapper Dendemann und seiner Liveband erstmals ein musikalisches Konzept - noch so eine Anleihe aus der Harald-Schmidt-Show. Dendemann hatte zuvor angekündigt, sich musikalisch am US-Showmaster Jimmy Fallon und den grandiosen Roots zu orientieren. Allein, dass Böhmermann den extrem fernsehscheuen Dendemann für die Show gewinnen konnte, spricht für sich. Doch noch fehlen die Ideen, wie der Rapper abgesehen von kurzen musikalischen Einlagen sinnvoll in den Gesamtflow eingebunden werden könnte.

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Dass Böhmermann bis heute seine größte Schwäche nicht abstellen konnte - wenigstens einmal mit seinen Gästen ein sinnvolles Gespräch aufzubauen -, spürt man beim Auftritt von Porky und Philipp von Deichkind. Maximal tiefenentspannt sitzen die Hanseaten, Sonnenbrille auf der Nase, vor dem nervösen Böhmermann, der Fragen wie diese stellt: Trinkt ihr auf der Tour eigentlich auch Alkohol?

Jetzt kann zum ersten Mal der viele Platz im Studio sinnvoll genutzt werden, für eine Performance mit Deichkind vor dem Studio-Publikum. Der Titel "Peter Bowling und die Katzen" verleitet Philipp zu dem spontanen Ausruf "so ein Quatsch, Alter!" Und als Böhmermann die Fragen nach dem Alkohol partout nicht abstellen will, zu dem fast verzweifelten: "Wir sind doch ganz normale Leute!"

So einen Satz aus einem Mitglied von Deichkind herauszubekommen, ist auch schon wieder ein kleines Kunststück.

Anmerkung: In einer ersten Version des Textes hieß es, der Auftritt mit Deichkind habe bereits vor Aufzeichnung der Show stattgefunden. Tatsächlich wurde lediglich das Studio während der Aufzeichnung dafür umgebaut.