"Bild-Zeitung" "Bild" fürs bürgerliche Lager

Dabei ist die Auflage der Bild-Zeitung seit langem rückläufig. Wurden 1985, lange vor der Wiedervereinigung, täglich bis zu 5,5 Millionen Exemplare verkauft, sind es heute nur noch 3,15 Millionen Exemplare, Tendenz weiter fallend. Die Reichweite, also die Zahl der Leser der Printausgabe und im Internet, sei zwar nach wie vor hoch und sogar noch gestiegen, heißt es bei Springer.

Doch der Einbruch der Auflage ist trotzdem dramatisch. Dabei ist der Verkaufspreis mit 60 Cent und in den neuen Bundesländern 50 Cent niedrig. "Bei 60 Cent haben wir durchaus noch Spielraum nach oben", sagt Hermanns. Bei bisherigen Preiserhöhungen habe sich gezeigt, dass die Auswirkung auf die Auflage nicht stark war.

"Es gibt kein Naturgesetz, dass die Auflage von Bild oder von Printtiteln allgemein immer nur sinkt. Wir dürfen den Kampf nicht aufgeben", sagt Geschäftsführer Hermanns dazu beschwörend.

Der Springer-Verlag versucht deshalb seit einiger Zeit, neue Lesergruppen für die Zeitung zu erschließen und das Image zu korrigieren - auch mit Blick auf die lukrativen Nebengeschäfte mit der Marke. "Historisch bedingt gibt es gerade im bürgerlichen Lager noch immer eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Bild", berichtet Hermanns und fügt an: "Das wollen wir ändern - auch wenn es nicht einfach ist, sind wir auf einem guten Weg."

Wir sind Marke

Vor mehr als 40 Jahren war die Zeitung das Hassobjekt der 68er, Intellektuelle hatten sich offen gegen Bild und das Verlagsunternehmen gestellt mit Slogans wie "Enteignet Springer". Und noch immer gilt die Bild-Zeitung, die mit Titelseiten wie "Wir sind Papst" selbst Schlagzeilen macht, bei vielen als das konservative Krawall- und Kampagnenblatt mit unseriösen Recherchepraktiken und journalistischen Versäumnissen, wie sie Ende der 70er Jahre Günter Wallraff im Buch "Der Aufmacher" aufdeckte.

Hermanns glaubt zudem an ein "Bekennerdefizit": Manche Leute würden Bild zwar lesen, sich aber öffentlich davon distanzieren.

Das will der Springer-Verlag nun mit Macht ändern. "Bild polarisiert und ist nicht immer unumstritten. Gerade das machen wir in unserer Kampagne zum Thema", beschreibt Hermanns das Konzept. Das soll sich nicht nur publizistisch auszahlen, sondern auch die Geschäfte mit Bild nach vorne bringen.