Die "Bild"-Zeitung schickt eine Expedition auf Schatzsuche nach Guatemala - aber offenbar haben die Teilnehmer nicht einmal eine Suchgenehmigung. Selbst hohe Politiker melden sich inzwischen zu Wort.
Der Lago de Izabal liegt im Osten von Guatemala, nicht weit entfernt von der Karibik. Für Piraten war der größte See des mittelamerikanischen Landes einst ein beliebtes Ziel, weshalb die spanischen Kolonialherren dort die Festung San Felipe errichten ließen, die heute unter Denkmalschutz steht.
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Schatzsuche bei Bild.de: "Ganz Guatemala im Schatzfieber". (© Screenshot)
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Mittlerweile ist die Gegend vor allem bei mordenden Drogenhändlern populär, doch gerade wurde die Ankunft gang anderer Freibeuter gemeldet. Bild-Leser wissen das, denn das Blatt finanziert den Besuch.
Es geht um einen sagenhaften Schatz: Der Deutsche Joachim Rittstieg will ermittelt haben, dass das Gewässer eine versunkene Stadt der Maya sowie acht Tonnen Gold verbirgt. Unter seiner Leitung ist ein Team der Bild mit Reportern, Kameramann und Taucher eingetroffen, was manche Guatemalteken verblüfft.
Museumsstücke und Vermögen aus den Tiefen einer untergegangen Hochkultur, versteckt unter Fluten und entdeckt von einem früheren Realschuldirektor? Es heißt, der Mathematiker Rittstieg sei seit Jahrzehnten mit dem Geheimnis beschäftigt und habe den sogenannten Dresdner Kodex entschlüsselt.
Das ist eines der vier erhaltenen Manuskripte der Maya, es besteht aus 74 mit Hieroglyphen gefüllten Blättern und befindet sich seit dem 18. Jahrhundert im Besitz der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Laut Rittstieg weist das Dokument den Weg zu 2156 Goldtafeln, die vor fast 2700 Jahren gemeinsam mit der Stadt Atlan im Lago de Izabal verschwanden.
Selbst der Präsident zweifelt
Atlan alias Atlantis fiel seiner Meinung nach einem Erdbeben im Jahre 666 vor Christus zum Opfer. Radaraufnahmen eines Erdölkonzerns würden belegen, dass unter einer Schlammschicht Reste von Gebäuden ruhten. Nun ist Señor Rittstieg eine Art Indiana Jones im Gespann der Gazette.
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Brasiliens Präsidentin Roussef
Danke SZ für den Artikel, damit man als Nicht-BILD-Leser überhaupt auf eine derart groteske Geschichte aufmerksam wird. Story und Vorgehen des Bild-Teams kann man von Anfang bis Ende als hanebüchen, gedankenlos, unwissenschaftlich beschreiben. Man hofft, die Farce hat ein Ende mit der plötzlichen Erkenntnis, das man mehr Geld und Genehmigungen bräuchte. Was bleibt, ist vermutlich bei den Betroffenen in Gutemala Belustigung und Ärgernis mit Trittbrettfahrern, in Deutschland Peinlichkeiten und Erklärungsnot für die seriöse Maya-Forschung und überhaupt ein Flurschaden für die Archäologie speziell und Wissenschaft allgemein. Nach den zahlreichen verharmlosenden Statements in der causa Guttenberg, ist dies binnen kurzem leider ein zweiter bedenklicher Vorgang, der ein jahrzehntelanges Bemühen der Wissenschaft, ihre Themen und Methoden in der öffentlichen Wahrnehmung seriös zur Geltung zu bringen, um Lichtjahre zurückwirft. Auch wenn das Ganze seitens BILD wahrscheinlich von Anfang als PR-Gag gedacht war, sollte man in diesem Fall seitens Wissenschaft und Öffentlichkeit der BILD ihren Wunsch nach breitem Medien-Echo tatsächlich erfüllen, wenn man dafür nur deutlich machen kann, was von der Maya-Expedition und ihrem Schatz zu halten ist.
Ich war selber schon in dem Gebiet und ich habe eine schlechte Nachricht für alle Schatzsucher. Die Mayas haben gar keine Metalle verarbeitet. Sie waren eine reine Steinzeitkultur. Wenn man Glück hat, dann findet man an Mayapyramiden Pfeilspitzen aus Obsidian (ein vulkanisches Glas). Wenn man sehr viel Glück hat Werkzeuge aus Jade.
BLÖD sucht nur eines!
Ihren finanziellen Vorteil und die Verdummung der Bürger für die Verdummungs Besteller!
Eine Stellungnahme deutschsprachiger Mesoamerikanistinnen und Mesoamerikanisten zu befürchteten Auswirkungen der BILD-Schatzsuche findet sich auf der Website der Mesoamerika Gesellschaft Hamburg e.V.
http://www.mesoamerika-gesellschaft.de/Documents/Stellungnahme_Mesoamerikanistik.pdf
Und nun ist es halt eine Stadt samt "sagen"haftem Schatz. Gutti hatte immerhin die Haare schön.