Seit Tagen unterstützt die Bild-Zeitung Guido Westerwelle bei seinem Feldzug gegen dekadente Hartz-IV-Schmarotzer. Mehr als unsachliche Stimmungsmache ist es nicht.
Preisfrage: Wie passt die Übersetzung eines populistischen Politikerzitates in eine schmissige Überschrift? Genau so: FDP-Chef Guido Westerwelle sagt: "Wer arbeitet, darf nicht der Depp der Nation sein!" Die Bild titelt daraufhin: "Bin ich dumm, wenn ich arbeite?".
Mit der Bild-Zeitung zufrieden: FDP-Chef Guido Westerwelle beim Politischen Aschermittwoch in Straubing (© Foto: dpa)
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Angesichts der Fakten, die auf der ersten und zweiten Seite des Boulevardblattes präsentiert werden, ist es eine rhetorische Frage und sie wird im letzten Satz auch von den Journalisten selbst beantwortet: "Wer arbeitet, ist der Dumme".
Die Belege allerdings, die die Bild-Zeitung für ihre wohlfeile, Westerwelle-taugliche Rhetorik anführt, sind alles andere als stichhaltig. Die vorgestellten Geringverdiener ärgern sich zwar unisono über ihr niedriges Einkommen und über vermeintlich höhere Hartz-IV-Bezüge.
Keiner von ihnen würde aber die Arbeit aufgeben, um sich mal ordentlich am Sozialstaat zu bedienen. So dumm kann es also nicht sein, täglich zur Arbeit zu gehen.
Faktencheck
Auch der so genannte Faktencheck hilft nicht wirklich bei der Beantwortung der Frage. Dort wird zwar erklärt, dass Hartz-IV-Empfänger ihr Obst billig beim Discounter kaufen können, die Klassenfahrten der Kinder vom Amt bezahlt werden, und man mit Hartz IV leckere Gerichte kochen kann. Klar wird aber auch, dass Arbeitslose über 50 kaum Chancen auf eine Stelle haben und dass es in ländlichen Gegenden schwieriger ist, eine Arbeit zu finden.
Fazit bis dahin: Wer auf Hartz IV angewiesen ist, verhungert nicht. Schlauer als ein arbeitender Mensch ist er aber ganz sicher nicht, allenfalls verzweifelter.
Weil das aber nicht ins gewünschte Bild der Zeitung passt, wird die eigene These mit einer wissenschaftlichen Studie untermauert. Doch auch hier wird unsauber argumentiert. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (ifw) hat zwar tatsächlich im Februar 2010 eine Studie zu Hartz IV publiziert, in der die Rede ist von "Zweifeln an der Sinnhaftigkeit" des Arbeitens.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, was tatsächlich alles in der Studie steht.
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Wettmanipulation im Fußball
Worum geht es hier eigentlich? Die paar Schmarotzer - nennen wir sie mal so, sollen von mir aus Schnee schüppen, Müll sammeln oder zu sonstwas verdonnert werden was ihnen sicherlich keinen Spaß macht. Ich denke nur bei der ganzen Hartz4 Debatte geht es um vielmehr als um diese paar Leutchen. ipod hat es sehr schön in Worte gekleidet und ich will Ihm, was sein Engagement angeht, auch überhaupt keinen Vorwurf machen. ABER, wozu ist der Job gut, wenn dabei alles andere auf der Strecke bleibt. Wozu arbeitet man denn? Für ein besseres Leben? Aha - Da muss ich leider etwas schmunzeln. Die Menschen sollten sich generell mal darüber bewusst werden, was sie sich noch alles gefallen lassen wollen nur um eine Arbeitsstelle zu haben. Und solange die Arbeitskraft immer mehr zu inflationärer Massenware wird, muss man sich nicht wundern das manche keinerlei Motivation haben arbeiten zugehen.
Und mal ganz ehrlich hätte, unsere Regierung egal ob rot,schwarz, gelb oder grün unsere Mittelständler in den letzten Jahren nicht behandelt wie Stiefkinder und den Multinationalen alles in den A.... geblasen, dann müssten wir heute nicht über Hartz4 diskutieren.
P.S.: Ich habe in meinem Leben noch nicht einmal staatliche Leistungen bezogen.
Westerwelle verfährt nach dem machiavellischen Prinzip "Teile und herrsche" und hetzt Menschen, deren ureigenstes Interesse es eigentlich sein müsste, sich gegen seine Klientel und deren Lobby zu solidarisieren, gegeneinander auf. Das einzig Erstaunliche daran ist, dass das so gut funktioniert. Mehr gibt es zu diesem Thema eigentlich nicht zu sagen.
Klienteel die Westerwelle mit seinen Äußerungen erreichen will und offenbar auch erreicht.
Eine junge Mutter erfüllt alle von ihnen geforderten Vorausseztungen um Arbeiten zu gehen, kann es aber nicht weil sie keinen Krippenplatz bekommt oder gerade mal keine Oma zur Hand hat.
Was meinen Sie wie viele ehemalige HartzIV Empfänger mittlerweile wieder in Arbeit sind für 2,61 Euro die Stunde! Und damit sie auch Leben können, machen manche drei von diesen Jobs, empfindest du das etwa als Normal. Und wer bezahlt diese miesen Löhne, der FDP Wählende Hotelbesitzer in dem er eine Küchenhilfe genau für diesen Lohn beschäftigt, und damit er dabei nicht zu grunde geht, bekommt er eben mal Steuergeschenke von der FDP.
Und es ist bestimmt populistisch wenn unser Westerwelle jeden über einen Kamm schehrt, obwohl er garnicht weiss, wieviele der Hartz IV Empfänger überhaupt keine Lust zum Arbeiten haben.
Nur die Tatsache, das im viel gepriesenen Öffentlich Rechtlichen Fernsehen ein oder zwei Leute als Beispiel für angeblich viele Arbeitsunwillige vorgeführt werden, gibt noch lange keinen Aufschluß über die genaue Zahl.
Es kann auf jeden Fall nicht sein, das HartzIV Empfänger weniger bekommen sollen nur damit Teile der Arbeitenden Bevölkerung mehr bekommen als diese. Das erreicht man nur, wenn der, der Arbeitet auch einigermaßen gerecht bezahlt wird. Aber genau das will der Westerwelle und seine FDP nicht, denn viele der schlecht bezahlenden Unternehmen sind deren Klienteeel.
"Dann werden die Paläste der paar Leistungsträger brennen!"
Sicher doch. Und dann auf zum nächsten Klassenfeind, bis man die Welt sich seinen Vorstellungen zurecht geformt hat? Gab es vor rund 60 Jahren schon einmal, unschöne Sache das. Sei es drum, als Leistungsträger weiss man sich und seine Familie zu schützen. ;-)
Und ja, wer Arbeiten will, findet auch welche. Wie, ein Umzug ist nicht drin, weil die Kumpels alle sonst weg sind? Was, da gibt es weniger als vorher? Echt, keine Urlaubs oder Weihnachtsgeld? Nee, dann lieber weiter im Mikrokosmos zwischen Discounter, Videothek und einmal im Monat zum Amt leben.
Ich rede nicht von Arbeitern über 50. Ich rede von jungen Menschen um die 25 - 30. Winterdienst zum Beispiel. Reihenweise sind Leute mit gebrochenen Knochen in den Klinken gelandet, während andere nur aus dem Fenster gucken.
Ich bin selber über 40 und habe nach einem 3/4 Jahr Arbeitslosigkeit meine Ansprüche gesenkt. Voilá, nach der dritten Bewerbung hatte ich wieder eine volle, unbefristete Stelle, und das in der Medienbranche. Dazu musste ich über mehrere hundert Kilometer die Stadt wechseln und führe jetzt eine Fernbeziehung.
Aber ich habe einen Arbeitsplatz. Es geht also.
@jpod
Sie glauben offenbar auch noch an die Sage das jeder, der arbeiten will, Arbeit bekommt. Halten Sie sich lieber mal an die Personalfritzen, die 20 jährige mit 30 jähriger Berufserfahrung einstellen wollen. Dabei ist schon mehrfach erweisen, dass ältere Arbeitnehmer kundenfreundlicher, weniger krank und firmentreuer sind. Hier werden zig Jahre KnowHow weggeworfen, die sofort zur Verfügung stehen würden. Mal sehen ob Sie sich noch auf die Straße trauen würden, wenn man den sowieso schon Armen das Geld komplett wegnimmt. Von irgendwas muß man schließlich leben. Und es ist nunmal menschlich, dass nicht jeder der beste in der Schule sein kann und das gleiche geistige Niveau hat wie der andere. Heute werden die einfachsten Jobs an Abiturienten vergeben. Die Masse ist aber Durchschnitt. Und wenn die keine Chance mehr haben wird es ordentlich rappeln bei uns. Irgendwann platzt überall der Kessel. Auch bei uns (siehe DDR). Dann werden die Paläste der paar Leistungsträger brennen!
Paging