Betrug bei "Deutschlands Beste!" Es wird immer besser

Betrug bei "Deutschlands Beste!": Johannes B. Kerner mit illustren Gästen

(Foto: dpa)

Das ZDF hat schon früher Ergebnisse von Ranking-Shows verändert - zum Beispiel, um den Sieg der Böhsen Onkelz bei der Show "Unsere Besten" zu verhindern. Aber wie gehen andere Sender eigentlich bei ihren Ranglisten-Sendungen vor?

Von Friederike Zoe Grasshoff und Katharina Riehl

Die Realität ist nicht immer schön, das bekam das ZDF in den vergangenen zwei Wochen regelmäßig zu spüren. Erst wurde bekannt, dass beim Ranking der beliebtesten Prominenten bei der Show Deutschlands Beste! an den angeblich repräsentativen Endergebnissen herumgeschraubt wurde, nun zeigt sich, dass bei vergleichbaren Formaten schon früher Ergebnisse verändert wurden.

Das ZDF veränderte 2007 auch das Ranking bei "Unsere Besten"

Wie der Tagesspiegel berichtet, hat das ZDF bereits im Jahr 2007 beim Vorläuferformat von Deutschlands Beste! - genannt Unsere Besten - Ergebnisse verändert. Für die Ausgabe Unsere Besten - Musikstars aller Zeiten rief man die Zuschauer auf, via Online-, Post- und Telefonbefragungen mitzubestimmen, wer am Ende den ersten Platz bekommt. Repräsentative Umfragen wurden nicht in Auftrag gegeben. Wie einer ZDF-Sprecher dem Blatt bestätigte, klickten Fans die Rockband Böhse Onkelz beim Online-Voting nach ganz oben. Die Gruppe wird immer wieder für als rechtsradikal geltende Liedtexte kritisiert.

Laues Lüftchen

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Also berechnete der Sender das Ergebnis kurzerhand neu, und Herbert Grönemeyer gewann. Auf SZ-Anfrage erklärte das ZDF lediglich, bereits aufgrund der negativen Erfahrungen mit organisierten Stimmabgaben bei der ersten Ausgabe von Unsere Besten ("Die größten Deutschen") habe die Redaktion damals für alle kommenden Ausgaben beschlossen, offensichtliche organisierte Fan- und Internet-Blockvotings zu filtern. Dies sei auch bei Böhse Onkelz der Fall gewesen.

Der Fall ist nicht zu vergleichen mit dem ganz offensichtlichen Betrug bei der Liste zu Deutschlands Beste!, trotzdem wirft das Beispiel weitere Fragen auf zum grundsätzlichen Umgang der Sender und Produktionsfirmen mit Rankingshows. Auf fast allen Sendern gibt es solche Shows, mal sollen die peinlichsten Momente von Prominenten, mal die größten Musikerfolge, mal die beliebtesten Flüsse eines Sendegebiets gekürt werden.

Der Privatsender RTL zum Beispiel hat große Erfolge mit Oliver Geissen und der Ultimativen Chartshow, von Sonja Zietlow wird die Reihe Die Zehn präsentiert. Fragt man beim Sender, wie hier die Ergebnisse zustande kommen, heißt es, bei der Ultimativen Chartshow werde "die Reihenfolge nach Platzierungen in den Musikcharts vorgenommen". Das Ranking bei Die Zehn sei "eine rein redaktionelle Entscheidung, die nach dramaturgischen Gesichtspunkten gefällt wird". Hier gehe es ja nicht um Köpfe, sondern um Geschichten und Momente, die schwierig zu ranken sind.

Auch die dritten Programme der ARD haben schon vor Jahren Gefallen an Formaten gefunden, die schöne oder blöde Dinge in eine Reihenfolge bringen. Beim WDR gibt es die Hitlisten des Westens, dort werden die beliebtesten Flüsse oder Talsperren der Region gewählt. Zum Prozedere heißt es, die Redaktion treffe "nach journalistischen Kriterien eine Vorauswahl, die dem Publikum angeboten wird", das online abstimmt. Die Rankings im WDR basierten nicht auf "repräsentativen Daten eines Meinungsforschungsinstituts". Mit Fangruppen für Talsperren scheint der WDR nicht zu kämpfen zu haben.

Beim NDR, bei dem entsprechend die Hitlisten des Nordens erstellt werden, geben die Redaktionen ebenfalls Listen vor, über die wiederum online abgestimmt werden kann. Zu dieser Form der Listings zählten unter anderem die Formate Die beliebtesten Tiere, Die schönsten Inseln, Die erstaunlichsten Dörfer. Unsere besten.