"Bachelor"-Finale bei RTL Kauf' niemals die Katze im Sack

Sie sehen: Leonard und Daniela beim Knutschen. RTL besteht an dieser Stelle auf folgenden Hinweis: "Alle Infos zu Der Bachelor im Special bei RTL.de." Falls Sie zu jenen Menschen gehören, die Schwierigkeiten mit dezenten Implikationen haben: Klicken. Sie. Auf. Diesen. Link.

(Foto: RTL)

Junggeselle Leonard hat seine letzte Rose vergeben - der Platz für einen neuen "Bachelor" wird frei. Die Rolle ist anspruchsvoller, als man meinen könnte: sieben Tipps für künftige Bewerber.

TV-Kritik von Johanna Bruckner

1) Be hot

Wir sprechen hier von einem ganzheitlichen Konzept. Wirklich alles an Dir muss heiß sein: Körper, Zähne, Haare, Job. Stimmt Dein Teint nicht, geh' ins Solarium. Geh' noch einmal und noch einmal und noch einmal. In der Show wirst Du froh sein, wenn in peinlichen Situationen niemand Deine Schamesröte bemerkt. Und diese peinlichen Situationen wird es geben: Frag' nur mal den aktuellen Bachelor Leonard, wie das war, als die Kandidatinnen ihm ein Lied der Pussycat Dolls darbrachten - und dabei noch billiger wirkten als das Original. Wenn Du einen superlangweiligen Beruf wie Versicherungsvertreter hast, überleg' noch mal: Bist Du nicht vielleicht doch Unternehmensberater?

2) Verwende ganz selbstverständlich moderne Kommunikationstechnologien (und Zubehör)

Am Mittwoch ging die sechste Staffel des Bachelors zu Ende. Wenn Du Dich hier bewirbst, zeigst Du Interesse an einem Format, das mit der Zeit geht, das gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegelt - und kritisch kommentiert. Sicherer Umgang mit Smartphones und Tablet-Computern ist eine Selbstverständlichkeit. Die Selfiestange solltest Du auch auf einer schwankenden Yacht fest im Griff und dazu den passenden Motivationsspruch auf den Lippen haben: "Und: Smile!"

Wenn Du nicht bei den Mädels sein kannst, schickst Du ihnen selbstgedrehte Videobotschaften mit ganz viel Gewinke. Wundere Dich nicht, wenn Dich RTL dafür aus der Villa mitten auf den Zufahrtsweg bittet und Du Dir ein bisschen lächerlich vorkommst - das ist die Sache mit der Gesellschaftskritik. All den oberflächlichen Selfiesüchtigen soll die Sinnlosigkeit ihres fortwährenden Strebens nach dem perfekten Foto vorgeführt werden. Das ist die Botschaft. Du bist der Botschafter.

Wenn schon fake, dann richtig

Sieht aus wie der "Bachelor", ist aber "UnREAL". Die US-Serie spielt hinter den Kulissen einer Datingshow. Nicht als Satire, sondern als Drama. Und schön übertrieben. Von Karoline Meta Beisel mehr ...

3) Sei trinkfest

Bevor es im Pulk grölt: "Ja! Hier! Ich!" Rülpser. "Schulz!" Im Fernsehen kann man natürlich nicht den Wochenend-Trunkenbold geben - und Bier ist auch nicht, sorry guys. Schließlich ist der Werbesponsor traditionell ein Crémelikörhersteller und außerdem trinken Frauen bekanntermaßen am liebsten Prickelbrause, hihihihihi. Eine Kernkompetenz jedes Bachelors ist deshalb das telegene Öffnen von Sektflaschen, mitunter auch auf schlüpfrigem Untergrund wie weißem Traumstrand-Sand. Da die Prösterchen-Frequenz während der Drehzeit hoch ist, empfiehlt sich außerdem die Einnahme eines Säureblockers. Sonst könnte "Schulz!" das letzte Wort sein, das RTL Dich sagen lässt.

4) Beherrsche das Vokabular der Liebe

Schließlich geht es in der Sendung darum, glaubhaft alle Stadien des Kennenlernens zwischen Mann und Frau darzustellen. Erster Blickkontakt. Geilheit. Erster Wortwechsel, neckisches Anstupsen. Geilheit. Erster Kuss. Geilheit. Erstes Date, zweites Date, Gruppendate. Geilheit. You get it. Die größere Herausforderung ist dann auch die Überhöhung des Ganzen: Die ist nötig, damit der Sender sich nicht mit all den wild gewordenen Feministinnen rumschlagen muss, die heutezutage im Internet rumhängen und bei der kleinsten Klischeehaftigkeit einen dieser digitalen Scheißhaufen lostreten. Oder wie das heißt.

Jedenfalls empfehlen sich Worte wie Chemie, oder "Schömie", wie der aktuelle Bachelor Leonard gerne und oft sagte (Dialekt wirkt harmlos, immer gut!). Das impliziert eine naturwissenschaftliche Notwendigkeit Deiner Annäherung - wer kann da schon dagegen argumentieren? Prima sind außerdem Begriffe wie Energie und Intensität. Aber denk auch an die Zielgruppe Deines Arbeitgebers (14 bis 49 Jahre)! Vorbildhaft verhielt sich in dieser Hinsicht Leonard, der von den Kandidatinnen seiner Staffel "geflasht" war, und mit einigen Damen sogar den "absoluten Flash" erlebte.