Ausstieg von RTL bei DVB-T Schluss mit kostenlos

Weder Dschungelcamp noch DSDS: RTL steigt bis 2014 schrittweise aus dem DVB-T-Empfang aus. Im August werden Vox und n-tv sowie alle weiteren Sender der Mediengruppe zunächst in München abgeschaltet. Bereits seit Juni müssen dort Zuschauer, die eine Digitalantenne nutzen, auf vier andere Sender verzichten.

Von Katharina Nickel

Wer als DVB-T-Nutzer weiterhin flirtende Bauern, begabte und weniger begabte Singvögel und tanzende oder kochende Promis verfolgen möchte, wird sich nach einer Alternative umsehen müssen. Denn die Mediengruppe RTL steigt aus wirtschaftlichen Gründen bis spätestens Ende 2014 schrittweise aus dem digitalen Antennenfernsehen DVB-T aus. Laut einer aktuellen Mitteilung der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) wird vom 1. August 2013 an mit München das erste Sendegebiet abgeschaltet. Mit regelmäßigen Einblendungen im RTL-Programm werden die DVB-T-Zuschauer bereits über den Ausstieg informiert.

Deutschlandweit sind circa vier Millionen Haushalte in Deutschland betroffen, die ihr Fernsehsignal über den terrestrischen Empfang beziehungsweise digital über Antenne empfangen. Ab Juni entfallen die Programme Euronews, Bibel TV, Channel 21 und das Regionalfernsehen Oberbayern. Im August werden die süddeutschen Zuschauer dann auf alle Sender der Mediengruppe - neben RTL auch RTL 2, Super RTL, Vox und n-tv - verzichten müssen. Wie kann sich der Zuschauer darauf vorbereiten? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wieso stellt der Sender die Übertragung ein, obwohl mehr als 90 Prozent der Bevölkerung Bayerns DVB-T empfangen können?

Thomas Bodemer, Pressesprecher von RTL Interactive, begründet die Einstellung des Empfangs mit unsicheren Rahmenbedingungen. "Wir sehen im DVB-T bislang ein ökonomisch ungewisses Geschäftsmodell. Außerdem fehlt es an langfristiger Planungssicherheit hinsichtlich der Frequenzen sowie an der Unterstützung der Aufsichtsbehörden bezüglich eines branchenweiten Umstiegs."

Alternativen zu DVB-T sind meist kostenpflichtig. Wo sparen die Zuschauer am meisten?

"Grundsätzlich können die Zuschauer ihre Lieblingssendungen über Kabel, Satellit, IPTV oder einen Livestream in den Apps von RTL Now, Vox Now und RTL 2 Now sehen", sagt Bodemer. "Wofür man sich entscheidet, hängt von Wohnort und persönlichen Vorlieben ab." Letztendlich können allerdings Mehrkosten von jährlich 200 Euro entstehen, weswegen Bodemer rät, die Entscheidung für eine Alternative gut abzuwägen

Ein Kabelanschluss ist mit geringem Aufwand verbunden. Voraussetzung ist, dass das Kabel bereits bis in den Keller verlegt wurde. Für einen Preis von circa 20 Euro monatlich bietet der Anschluss eine große Sendervielfalt. Ein weit verbreiteter Anbieter ist Kabel Deutschland. Unitymedia hat sich vor allem in Nordrhein-Westfalen und Hessen durchgesetzt und in Baden-Württemberg ist KabelBW zuständig. Häufig kann ein Internetanschluss gleich mitinstalliert werden, um Kosten zu sparen.

Reste-Rampe für Promis

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Per Astra-Satellit ist der Empfang der RTL-Programme erst einmal kostenlos. Für weniger als 100 Euro bekommt man die entsprechende Antenne und den Receiver. Außerdem gilt es zu klären, ob für die Anbringung einer Satellitenschüssel eine Erlaubnis des Vermieters benötigt wird.

IPTV hingegen bedeutet Fernsehen über das Internet. Einzige Voraussetzung ist ein DSL- oder VDSL-Anschluss. Vodafone und Entertain Telekom bieten den Service an, allerdings kostet dies momentan fast 40 Euro pro Monat (Telefon und Internet inklusive, was einen monatlichen Aufpreis von etwa fünf Euro für IPTV bedeutet).

RTL befindet sich im Moment in Verhandlungen zu einem Nachfolgeprojekt von DVB-T in Österreich. Wieso nicht in Deutschland?

"In Österreich ermöglichen die entsprechenden Aufsichtsbehörden einen Umstieg auf DVB-T2 und ein Plattform-Modell, das die Ausstrahlung von Sendern in HD-Qualität ermöglicht", sagt Bodemer. Im Unterschied zu Deutschland sei dort die verschlüsselte Verbreitung und langfristige Planungssicherheit der notwendigen Frequenzen von Vorteil.

ProSiebenSat.1 und Media Broadcast haben vereinbart, das DVB-T-Engagement bis 2018 auszuweiten. Ist diese Entscheidung überhaupt tragfähig?

ProSieben hält daran fest, dass Antennenfernsehen auch weiterhin für die Haushalte attraktiv bleibt. Der Sender ist damit die einzige private TV-Gruppe, die eine Verlängerung des terrestrischen Verbreitungsweges eingeht. "Wir haben uns dazu entschieden, auch weiterhin unsere Programme einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen", sagt Konzernsprecher Julian Geist. Auch ein möglichst breites Programm will das Unternehmen gewährleisten. So kann neuerdings auch der Spartensender Sixx der ProSiebenSat.1-Gruppe über DVB-T empfangen werden. Der Medienrat der BLM hat dessen Verbreitung bis zum 31. Mai 2014 genehmigt.

Zudem will der Sender ein klares Signal senden. "Wir erwarten eine tatkräftige Unterstützung aus der Politik, um diesen Übertragungsweg wirtschaftlich tragfähig und die verfügbaren Frequenzen dauerhaft zu halten."

DVB-T ist nach Satelliten- und Kabelübertragung der am meisten genutzte Empfangsweg in deutschen TV-Haushalten. Er war bislang flächendeckend und kostenlos verfügbar. Die benötigte kleine Antenne funktioniert selbst hinter dem Fernseher. Allerdings ist das Programmangebot beschränkt, da die meisten Spartensender nicht empfangbar sind, ebenso wenig wie Pay-TV - und künftig auch die Sender der RTL-Gruppe.