"Bad News" sind nicht immer "Good News": Nachrichtenmagazine, -sendungen und Zeitungen konnten trotz Revolutionen in Nordafrika und der Katastrophe von Fukushima nicht mit ihrer Berichterstattung punkten - große Aufmerksamkeit erlangten andere.
Am 14. März dieses Jahres, drei Tage, nachdem ein Erdbeben in Japan die Welt in Angst vor einer Atomkatastrophe versetzt hatte, gab der Burda-Verlag (Bunte) eine Pressemitteilung heraus. Die an jenem Montag erschienene Ausgabe des Focus, hieß es da, werde "angesichts der dramatischen Entwicklungen in Japan" nachträglich um 50 Seiten erweitert. Die zweite Auflage des Hefts trug den Titel "Der Atomschock". Verkauft wurde die Doppelnummer am Kiosk, im Einzelverkauf, trotzdem nur 123.138 Mal. Das war ein wenig mehr als zuvor - aber ein Erfolg war es nicht.
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Besonders deutliche Kluft: Während etwa Spiegel Online seine Besucherzahlen extrem steigern konnte, ging die Auflage des gedruckten Spiegel zurück. (© screenshot: Spiegel Online)
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Der Satz, dass schlechte Nachrichten eigentlich gute Nachrichten sind, weil man mit ihnen viele Leser oder Zuschauer gewinnen kann, ist so oft zitiert worden, dass man ihn schon deshalb für Unsinn halten möchte. Wirft man heute, ein paar Monate nach der Katastrophe von Japan, einen Blick auf Auflagenzahlen und Einschaltquoten, macht man eine interessante Entdeckung: Der Satz traf im März für einen Teil der Medien überdeutlich zu - für andere gar nicht.
Nachrichtenmagazine wie Focus und Spiegel konnten, was den Verkauf anging, von den Katastrophenmeldungen nicht profitieren. Für die Tageszeitungen ist die Frage schwieriger zu klären, da die Zahlen hier nur quartalsweise und nicht pro Ausgabe zugänglich sind: Klar ist aber, dass FAZ, Bild und SZ im ersten Quartal 2011 - trotz Revolutionen in Nordafrika und der Katastrophe von Fukushima - ihre Auflage nicht oder kaum steigerten. Auch die Nachrichtensendungen der Öffentlichen-Rechtlichen, die Tagesschau, heute oder die diversen Brennpunkte wurden in jenen ereignisreichen Monaten nicht nennenswert häufiger eingeschaltet als sonst.
Von den schlechten Nachrichten profitierten andere: die Nachrichtenkanäle n-tv und N24 und die Online-Seiten; n-tv, der Nachrichtensender der RTL-Gruppe, erreichte im März einen Marktanteil von 2,0 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen - im Vergleich zu den 0,8 Prozent im März 2010 ist das eine Steigerung von über 100 Prozent. Bei N24, dem 2010 von Pro Sieben Sat1 verkauften Konkurrenten, war es ähnlich. In diesem März lag der Marktanteil bei 2,0 Prozent, im März 2010 waren es 1,1. Im Tagesschnitt schalteten damals 2,5 Millionen Menschen ein, im März 2011 waren es 3,32 Millionen.
Torsten Rossmann, Geschäftsführer bei N24, erklärt das Wachstum so: "Im Nachrichtenfernsehen konnte der Zuschauer die Ereignisse in Nordafrika und Japan unmittelbar (...) verfolgen. Dadurch ist die Welt in einer unglaublich spannenden und dramatischen Phase näher zusammengerückt." Was man so sagt.
Die Kluft, die sich in den Tagen des befürchteten Super-GAUs zwischen den verschiedenen Medien auftat, zeigt sich besonders plastisch etwa beim Spiegel-Verlag: Spiegel Online konnte die Besucherzahlen im März 2011 extrem steigern: 189.822.460 Visits, im Vergleichsmonat des Vorjahres waren es 128.117.433. Der gedruckte Spiegel lag mit seinem Fukushima-Titel in jener Woche im Einzelkauf mit 356.672 Exemplaren deutlich unter der Vorwoche (391.124 Stück).
Georg Mascolo, Chefredakteur des Spiegels, spricht von einer Konkurrenz zwischen Medien wie den Nachrichtenkanälen, mit denen die Nutzer live dabei sind, und den Medien, die den Hintergrund liefern. "Wir werden in Zukunft erleben, dass Medien, die solche Ereignisse live verfolgen können, außergewöhnlich davon profitieren werden. Ein Magazin wie der Spiegel muss die Hintergründe liefern, Verborgenes zu Tage fördern, Zusammenhänge herstellen." Die Medien, die nicht durch zeitliche Nähe punkten können, brauchen andere Verkaufskriterien.
Wie man sich das beim Spiegel vorstellt, zeigte die Ausgabe 19/2011: Zum Tod Osama bin Ladens versprach der Titel, die "geheime Jagd auf Osama bin Laden" nachzuerzählen. Das Heft war mit 415.448 Kioskverkäufen das erfolgreichste seit langem. Ausschließlich auf den thematischen Tiefgang verließ man sich in diesem Fall aber nicht. Das Heft erschien in jener Woche statt Montag schon am Samstag.
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(SZ vom 29.06.2011/rus)
Endgültiger DFB-Kader für EM
Der Abgebildete Fukushima-Titel des Spiegel war bereits der zweite Fukushima-Titel. Sollte die Auflage im Vergleich zur Vorwoche zurück gegangen sein, so ist das kein Wunder - da in der Vorwoche ebenfalls Fukushima Thema war. Bitte überorüfen ob das falsche Titelbild abgebildet ist, oder hier ein Fehler vorliegt! Danke.
...bin sicher die möglichkeiten auflage zu machen sind mannigfaltig . früher gelang das zeitungen und magazinen durch den abdruck von kommentierten bildstrecken. heute muss eine kombination von video und druck gefunden werden. wo ist denn z.b. die winterolympiadenbewerbungsberichterstattung hin verschwunden? da gibt es doch sicher möglichkeiten für eine zeitung wie die süddeutsche kostengünstig dran zu bleiben. eine lange reportage, bebildert, mit der gedruckten addresse zu einem video das erstmal nur analoglesern vorbehalten ist. schnell ist nicht alles und SP-ON und -iegel, warum soll ich´s selbst formulieren:
http://www.titanic-magazin.de/stefan-gaertner-leitmedium.html
Die Sensationsgeilheit der Leser erfordert, dass die Medien nicht mehr sachlich berichten und das Niveau sinkt.
... and das Neidgehabe betreffend "Kriegsgewinner" anno '48-50
Warum TV- u, Printmedien nicht "profitierten? Vielleicht liegt es am Verlautbarungsjournalismus den der geneigte Interessent ertagen muß. Die TV-Medien hinken oft stundenlang den aktuellen Ereignissen hinterher und berichten "weichgespült" und einseitig.
Wer die Ereignisse in Nordafrika kompetent und vielschichtig verfolgen wollte, guckte Al Jazeera English.
Wer nach zwei Wochen Atomunfall in Fukujima sog. Experten über einen möglichen GAU rätseln lässt, obwohl jedem Normalbürger" die Ungeheuerlichkeit der Katastrophe klar ist,
Wer so agiert steigert keine Quoten und Auflagen - und das ist gut so.
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