"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" auf Arte Schon zu Beginn schwant Unschönes

Diese Diskrepanz, die den Protagonisten prägt, dessen übersteigerte Sensibilität durch ein Asthmaleiden somatisch charakterisiert wird, ist das Kernelement der erzählerischen Dramaturgie des Romans. Damit wird jedoch ein ebenso verzwickter wie komplexer Anspruch formuliert, der eine werkgetreue filmische Umsetzung unmöglich macht.

Ein Fernseh-Zweiteiler soll alle sieben Achttausender des von Marcel Proust (Foto) geschaffenen Prosagebirges dem Publikum vermitteln. Das musste, wie erahnbar, schiefgehen.

(Foto: DPA)

Das Dilemma, das sich damit stellt, wird umso größer, wenn man sich vornimmt, das ganze Romanwerk zum Sujet eines Films zu machen. Was dabei herauskommt, dafür ist der Fernseh-Zweiteiler der Französin Nina Companéez ein ernüchterndes Beispiel.

Die von der Erinnerung des Erzählers geformten und nur durch diese mit Bedeutung ausgestatteten Figuranten einer sehr gehobenen Schicht, die sich zumeist bei gesellschaftlichen und ebenso öden Gelegenheiten begegnen, werden im Film zu selbständigen Handlungsträgern aufgeblasen. Das aber ist eine Rolle, die für sie nicht vorgesehen war - und die sie auch trotz aufwendiger Kostümierung und gestelzter Sprache nicht auszufüllen vermögen.

Zwischen ihnen irrt der von Micha Lescot verkörperte Erzähler herum, der dieses leidige Treiben mit einer seine Befindlichkeit unablässig reflektierenden Emphase erleidet. Wenn er gleich zu Anfang des Films als Jugendlicher im Zugabteil auf der Fahrt in den mondänen Badeort Balbec in der Normandie sitzend ausruft: "Dieses Blau des Stores! Seit dem Tag meiner Geburt habe ich keine schönere Farbe gesehen!", schwant einem bereits, wohin man mit dieser Verfilmung unterwegs ist.

"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"; Arte, 20.15 Uhr; Teil zwei um 22.10 Uhr.