ARD-Wahlarena mit Peer Steinbrück Souveränität des Chancenlosen

Zwei Tage nach Kanzlerin Merkels Adoptionsrechts-Debakel legt Herausforderer Steinbrück einen hochentspannten Auftritt in der ARD-Wahlarena hin. Ob Steuern, Leiharbeit oder die Hebesatzpolitik eines Kleinstadt-Bürgermeisters, Steinbrück hat seine Themen fest im Griff. Eine Antwort bleibt er allerdings schuldig.

Eine TV-Kritik von Thorsten Denkler, Berlin

Vielleicht gehören ja Geisterfahrer tatsächlich zu den drängendsten Problemen im Land. Der Mann aus Wesel am Niederrhein jedenfalls, seit 25 Jahren Außendienstler und praktisch auf den deutschen Autobahnen zu Hause, hat das Glück der ersten Frage in dieser zweiten ARD-Wahlarena live aus Mönchengladbach. Und sich akribisch vorbereitet auf diesen Moment: 1800 Geisterfahrer gebe es im Jahr, doziert er. Der ADAC spreche gar von 2800 Falschfahrern. Und was jetzt bitte er, also SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, dagegen zu tun gedenke.

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Schweigen. Steinbrück guckt einen Moment wie überfahren. Mit diesem aufreibenden Problem hat er sich offenkundig noch nie beschäftigt. "Sie überraschen mich mit Ihrer Frage", sagt er. Und mehr, als dass es Schilder geben müsse, wüsste er jetzt auch nicht zu sagen. Der Außendienstler hilft nach, es gebe da ein Pilotprojekt in Bayern, und ob das nicht auch bundesweit eingeführt werden könne.

Steinbrück stammelt etwas ratlos was von "werde mir das ansehen" und wenn es da was Gutes aus Bayern gebe, werde ein künftiger Verkehrsminister unter seiner Kanzlerschaft das sicher aufnehmen. Es wird das letzte Mal in diesen 75 Minuten sein, dass eine Frage ihn etwas hilflos aussehen lässt.

Am Montag noch war Merkel in der Arena zu Gast. Es gab einige sehr konkrete Fragen, denen sie gewohnt schwammig ausweichen konnte. Aber als sie selbst auf Nachfragen nicht zu erklären vermochte, aus welchen Gründen sich ihre Unsicherheit speist, ob gleichgeschlechtliche Ehepaare Kinder adoptieren dürfen, da kam sie mit den üblichen, nichtssagenden Floskeln nicht mehr weiter. Im Netz brach ein Sturm der Entrüstung darüber los, wie sich Merkel dem Austausch von Argumenten verweigerte.

Von so einem Moment bleibt Steinbrück verschont. Obwohl es einige der repräsentativ ausgesuchten Studiogäste durchaus versuchen. Ein Unternehmer, Mittelständler aus Essen, hält offenbar gar nichts von Steuerhöhungen und glaubt einen Königsweg gefunden zu haben, weil der Bürgermeister der Kleinstadt Monheim die Steuern senkte und heute die Stadt am Rhein ohne Schulden dastehe.

Womit er wohl nicht gerechnet hat: Steinbrück kennt den Fall. Der Bürgermeister, konkretisiert der, habe "den Hebesatz für die Gewerbesteuer gesenkt". Und an den Unternehmer gewandt sagt er: "Sie vergessen und verschweigen dabei, dass sich der Bürgermeister damit einen schlanken Fuß gemacht hat." Er habe mit sehr viel Geld Betriebe aus der Region abgeworben. "Wenn der mit solch einer goldenen Mohrrübe lockt, ja dann komme ich doch nach Monheim!" Er, Steinbrück, aber wolle, dass es nicht nur Monheim gutgehe. Sondern allen Kommunen. Punkt für Steinbrück.