Darf über Vorwürfe gegen Jörg Kachelmann berichtet werden? Die ARD-Praxis des Verschweigens gerät in die Kritik.
Irgendetwas ist anders in der ARD - darauf kann auch der gewöhnliche Fernsehzuschauer in dieser Woche kommen. Wo ist Jörg Kachelmann?
Über den Fall Kachelmann wird sich bei der ARD ausgeschwiegen. (© Foto: dpa)
Anzeige
Er war ja angekündigt als Moderator der beliebten Sendung Wetter im Ersten, ein Evergreen kurz vor der Tagesschau und direkt nach den Tagesthemen. Doch anstelle des Schweizer ARD-Meteorologen präsentiert Claudia Kleinert die aktuellen Temperaturwerte.
Kachelmann ist nicht irgendwer
Warum Kachelmann, 51, in dieser Woche nicht zum Star-Aufgebot der ARD gehört, darüber informieren alle anderen im Land. In den Fernsehsendern, Zeitungen und Online-Angeboten ist groß von der Causa Kachelmann die Rede, von den Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Fernsehmann und von der Frage, wer lügt: Die Frau aus Schwetzingen, die behauptet, missbraucht worden zu sein, oder der Prominente, der die Vorwürfe als "falsch und frei erfunden" zurückweisen lässt?
Kachelmann jedenfalls wurde am Samstag, nach der Ankunft aus Vancouver, auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet. Er kam in Untersuchungshaft. Darf oder muss darüber berichtet werden? Oder wäre Schweigen in diesem Fall Gold gewesen?
Der Beschuldigte ist ja nicht irgendwer. Er gehört zu den Vorzeigefiguren des öffentlich-rechtlichen Systems, das mit dem Gebührengeld der Bürger finanziert wird und an sich stets besondere Ansprüche stellt.
Kachelmanns Schweizer Firma Meteomedia ist der Großlieferant für ARD-Wetterprognosen geworden und hat hier den einst dominierenden staatlichen Deutschen Wetterdienst abgelöst. Die lockere Art des Wetter-Autodidakten, der beim Schweizer Boulevardblatt Sonntagsblick volontiert hatte, hält mancher in der ARD für Unterhaltungskunst.
Auch im MDR wird geschwiegen
So durfte sich Kachelmann sogar an Kulenkampffs Klassiker Einer wird gewinnen versuchen. Eine neue Heimat aber fand der Schweizer in Leipzig, beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Hier moderierte er jahrelang die Talkshow Riverboat und hat zudem eine Plauderrunde namens Kachelmanns Spätausgabe.
Wie im Ersten ist auch im MDR nicht wegen des Verdachts der Vergewaltigung berichtet worden. Das kritisiert Rundfunkratmitglied Bernd Müller-Kaller, der sächsische Landesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus. Er legt sogar für den Verband Programmbeschwerde beim MDR ein. Grund: Der Sender sei ja laut Staatsvertrag zur objektiven und umfassenden Berichterstattung verpflichtet.
Der Sender aber sieht das anders. Die Redaktion von MDR aktuell habe sich der Entscheidung der ARD angeschlossen, "diesen Verdacht nicht als Nachricht aufzunehmen, sondern erst dann zu berichten, wenn relativ gesicherte Angaben vorliegen". In einigen MDR-Radiosendern und anderen Fernsehsendungen sei aber über den Fall berichtet worden, teilte der Sender mit.
Auf der nächsten Seite: ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke rechtfertigt seine Entscheidung.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Kartellamtspräsident Mundt im Interview über die Vergabe der Bundesliga-Rechte, neue Zeitungsfusionen und das Ende des Presse-Grossos, wie er heute ist. Jetzt lesen ...
- Thema
- Jörg kachelmann RSS
- Verdacht auf Vergewaltigung Kachelmann bleibt in Haft 24.03.2010
- Vorwurf der Vergewaltigung Kachelmann will aussagen 23.03.2010
- Verdacht auf Vergewaltigung Der Moderator wehrt sich 23.03.2010
- Kachelmann in U-Haft Verdacht auf Vergewaltigung 22.03.2010
- Vorwurf der Vergewaltigung Kachelmann in Untersuchungshaft 22.03.2010
- Moderator in U-Haft Fall Kachelmann - der Richter prüft und prüft 05.05.2010
- Wettermoderator Jörg Kachelmann Von Entlassung weit entfernt 30.04.2010
Hass auf Homosexuelle
"Persönlich glaube ich ... schuldig ..."
Für Ihren "Glauben" gibt es mangels Fakten leider keine Grundlage und er dürfte daher hier auch für niemanden von Interesse sein. Bevor Sie also von "Strafe" reden und hier Vorurteile in die Welt setzen, sollten Sie vielleicht erst mit Jesus oder Ihrem Beichtvater Rücksprache halten oder besser: Schweigen und die Ergebnisse des Gerichtsverfahrens abwarten. Danach können Sie ja immer noch darüber spekulieren, welche "Härte" für wen angemessen sei.
Sollte sich die Vorwürfe gegen Kachelmann bestätigen gehört er mit voller Härte bestraft, kein Pardon auch wenn er Kachelmann heisst. Persönlich glaube ich, dass Kachelmann schuldig ist
nur mal angenommen, es ginge hier nicht um Kachelmann, sondern um jemand anderen.
Dann ginge mich das Ganze doch überhaupt nichts an, oder?
Kann es nicht sein, dass mich Kachelmann auch nichts angeht?
Oder Sie, liebe Mitforisten?
Im Artikel steht zwar: "Wie im Ersten ist auch im MDR nicht wegen des Verdachts der Vergewaltigung berichtet worden." Dieser Satz ist aber eine Zeitungsente, in der ARD ist in der Sendung "Brisant" über die U-Haft von Kachelmann berichtet worden - und in diese Kategorie des Boulevard gehört das auch hin und nicht in die Tagesschau.
Der Umgang der ARD mit den Informationen über Kachelmann ist beispielhaft. Gerade Personen, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, haben einen Anspruch auf besonderen Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte. Man würde sich freilich wünschen, dass die ARD nicht nur dort so verfährt, wo Geschäftsbeziehungen zu den Betroffenen bestehen.
Paging