In der ARD gibt es Überlegungen, die Produktionstochter Degeto personell, inhaltlich und finanziell zu verändern.
Die tägliche Meldungslage zum Stand der deutschen Medien sah am Mittwoch dieser Woche so aus: Harald Schmidt verleiht Kabarettpreis in Duisburg (Deutsche Presse-Agentur), David Hasselhoff sucht nahe Kassel Verwandtschaft (Agence France Press), Mehmet Scholl bleibt bis 2012 ARD-Fußballexperte (Deutscher Depeschendienst).
Degeto-Filme wie Der Seerosenteich bedienen den Geschmack der Zielgruppe der Öffentlich-rechtlichen - und sollen auch weiterhin produziert werden. (© Foto: WDR/Pflug)
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Schmidt, Hasselhoff, Scholl: Es gibt schlechtere Tage, Tage, in denen Konvergenz, Drei-Stufen-Test oder der Jugendschutzbeauftragte dominieren und den Ernst des Geschäftes anmahnen.
Zusammensitzen über die Zukunft
Bis Mittwochabend ist von der ARD dann noch einiges mehr zu erfahren gewesen, zum Beispiel, dass Ingo Zamperoni Moderator des ARD-Nachtmagazins bleibt. Oder dass die ARD mehr als 100.000 Dokumente aus ihrem Internet-Angebot gelöscht hat.
Die Informationsfülle erklärt sich dadurch, dass Intendanten und überhaupt alle irgendwie wichtigen Männer und Frauen des Ersten Hauptversammlung hatten und zwei Tage in Leipzig zusammensaßen. Wobei das Zusammensitzen unter ARD-Managern von dem einen oder anderen gerne als Festsitzen beschrieben wird. Jedenfalls wird am Ende stets verkündet, was die Zukunft bringt.
Was die Zukunft bringt? In Leipzig wurde in kleiner Runde offenbar auch über die Degeto gesprochen, die Deutsche Gesellschaft für Ton und Bild. Das Unternehmen, eine GmbH aus Frankfurt, ist die Filmeinkaufsorganisation der ARD.
Wenn man sich die Selbstbeschreibung der Degeto bei ARD.de anschaut, steht da: "Geschäftszweck sind die Beschaffung und der Erwerb von Lizenzen an Fernsehsendungen aller Art, auch in Form von Kofinanzierungen, Produktionsbeteiligungen und Auftragsproduktionen (...)".
Die Tulpen sollen bleiben
Ungefähr 400 Millionen Euro stellt die ARD ihrer Tochter dafür jährlich zur Verfügung (und bekam dafür 2008 beinahe 3000 Programmstunden fürs Erste). Sie ist, wenn man annimmt, dass davon circa 250 Millionen Euro in die Geschäftsziele Eigenproduktion, Kofinanzierungen und Produktionsbeteiligungen fließen, der mächtigste deutsche Auftraggeber für TV-Movies.
Die Degeto bestellt vor allem Filme, um dem Publikum "Träume und Märchen zu verkaufen", so hat es Hans-Wolfgang Jurgan beschrieben. Die Filme heißen Ein Sommer auf Sylt (30. April) oder, kein Witz, Tulpen aus Amsterdam (7. Mai).
Jurgan, 59, ist Geschäftsführer der Degeto. Er begreift die ARD an den Degeto-Sendetagen Freitag und Montag als ewige Seifenoper. Er ist damit, in Quoten bemessen, erfolgreich. Andererseits wird ihm die Verflachung öffentlich-rechtlicher Fiktion angelastet.
In vielen Sitzungen und vertraulichen Randgesprächen haben die Führungskräfte der ARD in den zurückliegenden Monaten über das diskutiert, was man "ARD 2020" nennen können. Plötzlich ging es nicht nur um Internet, digitale Plattformen oder Multimediahaus. Es ging um Inhalte, um Qualität und um Veränderungen bei der Degeto.
Dass Jurgan, der Märchenonkel, noch einen Ko-Geschäftsführer hat, ist zwar bekannt, aber nicht weit verbreitet. Jörn Klamroth, so sein Name, war beim WDR Fernsehdirektor. 2002 stieg er in die Degeto-Geschäftsführung auf. Mitte kommenden Jahres wird er 67 Jahre alt - und verabschiedet. Perspektive, meint ein hochrangiger ARD-Mann, gestalte man am wirkungsvollsten durch Menschen.
Weitsichtige Weichenstellung
Aus einer Gruppe von möglichen Klamroth-Nachfolgern wird nach Informationen der SZ Bettina Reitz favorisiert, die derzeit beim Bayerischen Rundfunk (BR) für Fernsehfilm und Kino-Koproduktionen verantwortlich ist. Vor allem Degeto-Aufsichtsratschef Udo Reiter, Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), soll sich Reitz wünschen. Eine Entscheidung könnte vor Herbst fallen, es wäre eine für die ARD frühe und weitsichtige Weichenstellung.
Bettina Reitz, 47, und Reiter, 66, möchten sich nicht äußern. Gespräche sagt einer, der beteiligt ist, habe es längst gegeben, und bei den Intendanten, wäre Reitz, sofern sie den BR verließe, mehrheitlich Konsens.
Es würde dann wohl auch eine neue Aufgabenverteilung in der Degeto-Geschäftsführung geben. Reitz, die als integer gilt und für Qualität steht (u.a. Das Leben der Anderen), wäre eine einflussreiche Partnerin für Jurgan. Der bärtige Liebhaber melodramatischer Stoffe könnte wieder häufiger Aufgaben im Lizenzeinkauf übernehmen.
Sanften Kitsch für die Zielgruppe, ältere Damen, soll die Degeto allerdings weiterhin liefern. Zuletzt fiel sie auch als Unterstützer so wertvoller Stoffe wie Mogadischu (mit dem SWR) und Das weiße Band (Oscar-Nominierung) auf. Reitz würde diese Richtung stärken.
Wie Jurgan würde sie dann wahrscheinlich mit geringerem Budget auskommen müssen. Fast zehn Prozent, um 30 Millionen Euro, wollen die Gesellschafter, die Landesrundfunkanstalten, abziehen, um andere Projekte zu finanzieren.
Es bleibt genug übrig, um gutes Programm für Millionen zu machen.
(SZ vom 22.04.2010/jobr)
Endgültiger DFB-Kader für EM
Fernsehen, ist das dieses Medium, wo man warten muss, bis ein Film kommt, und dann ist da immer Werbung dazwischen und wenn der Film in Deutschland gemacht wurde sprechen immer alle ganz deutlich und dialektfrei. und bei Nachrichten gucken immer alle ganz betroffen und das Wetter und der Sport sind genauso wichtig wie die größte Katastrophe?
Ich hab mal einen Fernseh-Empfänger im Deutschen Museum in München gesehen. Das war wohl mal modern, so vor ca. 50 - 70 Jahren?
Untersendlinger.
Ich zahle gerne meinen GEZ-Beitrag, stelle aber immer häufiger fest, dass genau solche Pilcher-Heralind-Produktionen das Programm mehr und mehr für sich vereinnahmen. Die Zielgruppe der ARD haben alle Deutschen zu sein und nicht nur diejenigen, an denen die Vielfalt vorbeigegangen ist ("Mir reicht 'Erstes-Zweites-Drittes'").
Nachrichten sind dort (noch) qualitativ deutlich besser als anderswo und die ÖR-Radiosender machen vor, dass man die Gebühren auch sinnvoll einsetzen kann!
Zudem sind viele Angebote der Sender als Podcasts verfügbar, etwa HR2-Wissenswert oder WDR5-Leonardo...
Das sollte eigentlich selbstverständlich sein und der Rundfunkrat könnte ebenfalls ein wenig Demokratie vertragen!
Wer id.iotische Soaps und Groschen-Roman-Kitschfilmchen sehen will, der hat mit den Privaten genügend Auswahl! Was Hauptaufgaben des ÖR-Rundfunks ist, ist klar geregelt. Es sollte hierüber mehr Inhalt aus Wissenschaft und Politik publik gemacht werden.
..meinte natürlich Gebüren um 75% auf 25% kürzen..
"Degeto-Filme wie Der Seerosenteich bedienen den Geschmack der Zielgruppe der Öffentlich-rechtlichen - und sollen auch weiterhin produziert werden."
Allein dieser Satz macht mich wütend, wer bestimmt denn diese Zielgruppe???
Ich werde auch gezwungen Gez zu zahlen und gehöre sicher nicht dazu!
Kanns nur immer wiederholen: Gebüren um 25% Kürzen, ÖR - Auftrag nur noch für Regionalfernsehen, Nachrichten und Reportagen. Für Arte zahl ich dann gerne direkt.
PS. die Tatort Drehbücher sind mittlerweile auch auf Ärzteromanniveau, positive Ausname der Hamburger Tatort
Was spricht eigentlich dagegen, die GEZ-Gebühren für wirkliches Fernsehen zu verwenden und den Giftlisten-Schmalz der Degeto samt den Schmalzisten dort zu zwingen, sich rein mit Werbung zu refinanzieren?
Paging