ARD-"Sondersendung" zur Hitze Von einem "Brennpunkt", der keiner war

Niemand hatte die Absicht, einen "Brennpunkt" auszustrahlen! Die ARD besteht darauf, dass sie der Hitzewelle am Sonntagabend wegen deren "begrenztem Nachrichtenwert" nur eine Sondersendung gewidmet hat. Dabei lenkt die Diskussion über den Titel des Formats von einem wichtigeren Fakt ab.

Von Matthias Kohlmaier

Wo Brennpunkt draufsteht, ist auch Brennpunkt drin. Also meistens. Am vergangenen Sonntagabend nämlich wollte die ARD zwischen Tagesschau und Tatort ein wenig über die Hitzewelle informieren. In der Folge fragten sich fernsehaffine Menschen auf Twitter, in Blogs und auch hier bei SZ.de, ob ein heißer Sommer mit ein paar Hitzegewittern für ein solches Format taugt. Die einhellige Antwort: nicht wirklich.

Dass die Sendung darüberhinaus auch nicht besonders gut gemacht war, habe ich in meinem gestrigen Text zum Thema schon dargelegt. Damit hätte es gut sein können, ist es aber nicht. Denn wo zwischenzeitlich Brennpunkt draufstand, war tatsächlich gar kein Brennpunkt drin. Die ARD legt Wert darauf, dass es sich bei dem 14-minütigen Beitrag um eine Sondersendung gehandelt hat. So ungefähr steht es jedenfalls in einer E-Mail aus der ARD-Programmdirektion, die ich heute bekommen habe.

Und wer genau hinhört, bekommt beim erneuten Anschauen des Videos in der ARD-Mediathek auch mit, dass Moderatorein Claudia Schick ihre Zuseher zu einer "Sondersendung" willkommen heißt. Warum haben also erst mal alle geglaubt, einen Brennpunkt vor sich zu haben? Vielleicht, weil der Beitrag noch am Montagmittag in der Mediathek unter den Brennpunkten eingeordnet war. Vielleicht, weil das Studio in den gleichen Farben gehalten war, wie das Brennpunkt-Banner, das Sie über diesem Artikel sehen. Vielleicht, weil unter dem aktuellen Beitrag in der Mediathek noch immer (Stand Dienstag, 14.30 Uhr) der Button "brennpunkt [tagesschau]" zu finden ist.

"Begrenzter Nachrichtenwert"

Aber egal, welchem informativen Genre das Format nun zuzuordnen ist. Viel spannender ist, wie ARD-Chefredakteur Thomas Baumann die (nachträgliche) Entscheidung pro Sondersendung und kontra Brennpunkt im Gespräch mit den Kollegen von DWDL.de begründet hat. Das Thema habe nur "begrenzten Nachrichtenwert" gehabt, wird Baumann da zitiert. "Da aber sehr viele Menschen von der Hitze unmittelbar betroffen waren und das Wetter eindeutig das Gesprächsthema Nummer eins war, haben wir uns für eine Sondersendung, die nicht unter dem Titel Brennpunkt lief, entschieden."

Kurze Zusammenfassung der ARD-Nachrichtenpolitik: Wenn ein Thema wichtig ist, kommt es in die Tagesschau. Wenn ein Thema sehr wichtig ist, bekommt es (zusätzlich) einen Brennpunkt. Und wenn ein Thema zwar wichtig, nicht sehr wichtig, aber zu wichtig ist, um es als singuläres Ereignis in der Tagesschau abzuarbeiten, gibt es eine Sondersendung.

Quintessenz: Die Sondersendung ist ein Brennpunkt light. Und über die ganze Diskussion, wie das Kind nun eigentlich hieß/heißt, ist leider kaum jemandem aufgefallen, dass der Informationswert des Beitrages gen Null tendierte. Glück gehabt, ARD.