Die ARD greift ihrer Produktionstochter unter die Arme: Nach SZ-Informationen benötigt die Degeto noch in diesem Jahr rund 24 Millionen Euro als Darlehen, damit kurzfristige Verbindlichkeiten bedient werden können.
Der Hessische Rundfunk wird von Helmut Reitze geführt, was man einerseits weiß, denn Reitze, 59, übt sein Amt bereits im zehnten Jahr aus. Andererseits ist der klamme, sehr volkstümelnde HR seit der Affäre um den wegen Bestechlichkeit und Untreue verurteilten ehemaligen Sportchef Jürgen Emig nicht mehr im Gespräch - ein paar schöne fiktionale Einzelstücke ausgenommen.
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Liquiditätslücke füllen: Maria Furtwängler in "Die Flucht", auch eine Degeto-Poduktion. (© obs)
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Seit Wochen allerdings hat Reitze eine exponierte Aufgabe zu bewältigen. Der HR-Manager ist an der Spitze einer internen Task Force, die Struktur und Aufklärung ins offenbar durcheinander geratene Buchführungssystem der ARD-Produktionstochter Degeto bringen soll. Außer Reitzes Team sind noch externe Prüfer beteiligt, bis Ende November soll angeblich Klarheit herrschen.
Am Freitag der vergangenen Woche trafen sich die Intendanten (auch) in Sachen Degeto zu einer ersten Besprechung in Frankfurt, dem Sitz der Degeto, die gewissermaßen Mieter beim HR ist. Das Ergebnis: Die ARD muss nach SZ-Informationen noch in diesem Jahr circa 24 Millionen Euro zur Verfügung stellen, damit kurzfristige Verbindlichkeiten bedient werden können. Es handelt sich dabei vermutlich um vereinbarte Ratenzahlungen für vertraglich zugesicherte Filmprojekte. Die Intendanten schließen damit eine Liquiditätslücke der Degeto, die Summe wird als Darlehen gereicht und muss zurückgezahlt werden, wohl in der kommenden Gebührenperiode von 2012 an.
Für den einen oder anderen Produzenten ist das, was jetzt noch bis Jahresende zur Auszahlung kommt, wahrscheinlich von existenzieller Bedeutung. Die ARD teilte dazu an diesem Montag mit: Die Liquidität der Degeto Film GmbH werde sichergestellt, "sämtliche eingegangenen Verpflichtungen für Produktionsvorhaben" erfüllt - "vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsgremien. Damit wird die überplanmäßige Auftragsvergabe bei der Degeto keine negativen Auswirkungen auf bestehende Verträge mit Produzenten haben, den Produktionsfirmen soll dadurch Planungssicherheit gegeben werden".
Ende September war herausgekommen, dass die Intendanten die Geschäftsführung des langjährigen Degeto-Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan überprüfen lassen. Der Grund: Jurgan hat vermutlich seine Budgets so weit im voraus verplant, dass neue Beauftragungen erst 2014 möglich erschienen. Die ARD drückte öffentlich ihr Bedauern darüber aus, "dass die Produzenten in naher Zukunft mit einem Produktionsrückgang rechnen müssen".
Um die 400 Millionen Euro werden der Degeto jährlich zugewiesen, etwa 250 Millionen davon fließen in die Produktion für Fernsehfilme oder in Kino-Co-Finanzierungen.
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(sueddeutsche.de/SZ/lala)
Die SZ schreibt zum wiederholten Male: „Um die 400 Millionen Euro werden der Degeto jährlich zugewiesen, etwa 250 Millionen davon fließen in die Produktion für Fernsehfilme oder in Kino-Co-Finanzierungen.“
In der Fachzeitschrift ca:st – Das Schauspieler-Magazin (aktuelle Ausgabe 4/2011, und ein Kommentar auf www.castmag.de) stehen in einem Report zum Thema Degeto die 400 Millionen Jahresbudget konkreter differenziert: 80 Millionen sind „etatisiert“ für den Lizenzkauf, nur zirka 90 Millionen für TV-Produktioneen, Event-Filme und Kino-Ko-Produktionen und der Rest „ist für Serienbeschaffungen und das Gemeinschafts- bzw. Vorabendprogramm gebunden“. Was die Situation für die (alternativen) Produzenten natürlich noch dramatischer zeigt: Wenn 26 Millionen überzogen werden bei 90 Millionen Etat für TV-Filme, dann ist klar, was alles nicht mehr realisiert werden kann… Vor allem, wenn es nun erst einmal heißt, dass die von HW Jurgan eingegangenen Verpflichtungen erfüllt werden. Wann kann die neue Geschäftsführerin Bettina Reitz dann anfangen, Alternativen zu den Schnulzetten in Auftrag zu geben? Wann kommen auch einmal andere Produzenten, Regisseure, Schauspieler zum Zug als die sattsam bekannten?
sender mit unseren gebührengeldern um. durch private produktionsfirmen umgehen sie die öffentliche kontrolle, die folgen sind für alle sichtbar: 24 mio 'müssen' in eine private firma gesteckt werden, damit diese weiterexistiert. spinnen die alle. lasst den betrieb, wenn das geschäftsmodell nicht funktioniert, wenn dort keiner mit geld verantwortungsbewusst umgehen kann, pleite gehen. alles andere ist unverantwortlich gegenüber dem bürger und zwangsgebührenzahler!
Ach so - ist ja nur das Geld der Bürger. Dann ist das ja egal.
Transparenz ist da auch völlig fehl am Platze:
"Es handelt sich dabei vermutlich um vereinbarte Ratenzahlungen für vertraglich zugesicherte Filmprojekte. "
Vermutlich???