ARD-Krimireihe Thriller und Thriller-Persiflage zugleich

Wie der Tatort mit Borowski so ist? Eine schwarze Komödie, in der sich Sargträger im Absperrband verheddern.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Prügelnde Zebras, Blut und Darknet-Schurken: "Borowski und das dunkle Netz" ist zugestellt mit Attraktionen. Dass man trotzdem dranbleibt, liegt an den präzisen Dialogen.

TV-Kritik von Holger Gertz

Freunde von Vereinsmaskottchen kommen in dieser Episode sehr auf ihre Kosten. Es tritt auf: Hein Daddel, das berühmte Zebra der Handballer vom THW Kiel. Während eines Spieles rennt ein Mensch durch die Halle, er ist auf der Flucht und kann vom leicht gwamperten Zebra nicht aufgehalten werden; das Zebra stellt sich ihm in den Weg, aber der Mann rennt es über den Haufen. Die Szene ist ein Geschenk für die Kieler Freunde des Kieler Tatorts, denen ihr Zebra viel bedeutet, und ihr Tatort natürlich auch.

Niemand wird dem tollen Filmemacher David Wnendt und Autor Thomas Wendrich vorhalten können, etwas ausgelassen zu haben. Sie lassen nichts aus. Geboten sind Eskalationen aller Art. Das Zebra. Ein Auftragskiller mit Wolfsgesicht, der alles kurz und klein schießt. Zwei Computer-Nerds aus dem Modellkatalog für Computer-Nerds. Ein abgetrennter Finger, blutige Nasen und blutige Waschbecken, vergiftete Pralinen. Nackte Männer unter Duschen, nackte Frauen unter Duschen, ein Teddy ohne Körper. Und Rosi, die Empfangsdame des ranzigen Hotels Oase, die ihren Gast begrüßt mit den Worten: "Willst du ficken?"

Das Darknet gründlich ausleuchten

Es geht sehr körperlich zu in "Borowski und das dunkle Netz", der dampfende Leib ist ein Oberthema, im Kontrast zur kühlen Maschine, dem Computer, dem Netz. Man kriegt dort sogar Auftragskiller. Insbesondere das Darknet fasziniert seit jeher die Tatort-Regisseure, es ist regelmäßig Thema, das Grauen dieser modernen Hölle wird aber dann doch immer nur aus Laiensicht ausgemalt. In diesem Stück nun sind die Macher sehr darum bemüht, das Darknet gründlicher auszuleuchten. Es ist ja nicht nur böse, sagen die Nerds, und schließlich wird das Darknet mithilfe eines animierten Filmchens dargestellt, in dem auch der animierte Borowski auftaucht.

Wer ermittelt wo mit welchen Tricks?

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Ein Zeichentrick-Kommissar ist in der Tatort-Geschichte so selten wie ein prügelndes Zebra: Alles ist also geboten in dieser Episode, und alles ist mal wieder zu viel. Der Film ist Thriller und Thriller-Persiflage zugleich. Schwarze Komödie, in der sich Sargträger im Absperrband verheddern. Aber in den Erklärmomenten auch Schulfunk-Seminar und manchmal eben auch schon wieder komplett drüber in seiner Unglaubwürdigkeit. Einer lamentiert gerade über die Bedrohungen, denen er immer ausgeliefert ist, und verschlingt gleichzeitig Pralinen, die ihm soeben mit der Post geschickt worden sind. Die Vergiftung ist da nur die gerechte Strafe.

Ein Tatort, sehr zugestellt mit Attraktionen. Dass man trotzdem dranbleibt, liegt an den Dialogen, textlich ist er durchgehend bittersüß und sehr präzise. Rosi, die hinreißende Empfangsdame, sagt zum Kunden, dass sie jederzeit über Haustelefon erreichbar ist: "Wenn Sie was brauchen: Ich bin die Null."

ARD, Sonntag 20.15 Uhr