ARD-Krimi "Tatort" Ludwigshafen: Streiterei und Steroide

Ins Koma geprügelt: Ballerina Marie.

(Foto: SWR/Alexander Kluge)

Lena Odenthal hasst ihre junge Kollegin Johanna Stern - und umgekehrt. Vor lauter Konflikten bleibt dem Ludwigshafener "Tatort" kaum Raum für einen Bodybuilder-Mord.

TV-Kritik von Katharina Riehl

Über den Tatort aus Ludwigshafen hat sich in den vergangenen Monaten eine schwer gereizte Grundstimmung gelegt, es gibt eigentlich kein einziges Gespräch mehr zwischen den Ermittlern, in dem niemand brüllt oder zumindest keift.

Dieser Film hier ist noch keine fünf Minuten alt, die Ermittler Odenthal, Kopper und Stern (die neue junge und blonde Kollegin) treffen sich in einem Parkhaus, um einen verkohlten Leichnam zu beschauen, da geht es schon wieder los. Odenthal schwer schnippisch zu Stern: "Immer vorneweg und als Erste am Tatort."

"Lag auf dem Weg zur Kita."

"Freut mich für Sie. Dann haben Sie den Mord quasi miterlebt, oder was?"

Generationenkonflikt mit Holzhammer

Auch auf den Zuschauer legt sich da bereits eine mittelschwer gereizte Grundstimmung, weil man wirklich nicht versteht, warum dieser seltsame (Generationen?)-Konflikt von Episode zu Episode mit einem immer noch schwereren Holzhammer in die SWR-Drehbücher genagelt wird.

Johanna Stern hasst Lena Odenthal, Lena Odenthal hasst Johanna Stern, und mit dem von zu viel Rotwein und Liebeskummer schwermütigen Mario Kopper streiten beide auch die ganze Zeit.

Viel Raum bleibt da nicht, aber irgendwo dazwischen haben Autor (Tatort-Dortmund-Erfinder Jürgen Werner) und Regisseur (Roland Suso Richter) dann doch noch ein kleines Plätzchen für eine Krimihandlung gefunden.

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Junge Menschen, neue Technologien

Ein junger Mann, Bodybuilder, wird im eingangs erwähnten Parkhaus zwischen zwei Autos zerquetscht und angezündet; kurz darauf stellt sich heraus, dass er ein paar Tage zuvor eine junge Frau, Ballerina, überfallen und ins Koma geprügelt hat. Deren Mutter sitzt am Krankenbett und weint, die Bauchgefühl-Kommissarin Odenthal tröstet, und Johanna Stern beschwert sich darüber beim Polizeipräsidenten.

Einen ästhetischen Einfall gibt es übrigens auch - weil es sich bei den Protagonisten hauptsächlich um junge Menschen handelt, werden Sequenzen aus Handyvideos eingespielt. Die sollen von deren Beziehungen untereinander erzählen, vor allem aber sind halt die Bilder so schön krisselig. Die Moderne ist auch in Ludwigshafen nicht mehr aufzuhalten.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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