ARD-Komödie "Herrgott für Anfänger" Sein Gott ist der Hedonismus

Weiß irgendwann gar nicht mehr, woran er noch glauben soll: Deniz Cooper als Musa in Herrgott für Anfänger.

(Foto: Petro Domenigg)

Im ARD-Film "Herrgott für Anfänger" versucht sich ein Wiener Türke als Mustermuslim, der Liebe wegen. Und als Christ, des Geldes wegen. Doch eigentlich sind ihm beide Religionen ziemlich schnuppe.

Von Ekaterina Kel

Musa will Katholik werden. An sich ja schön für die Kirche - ein Schäfchen mehr. Aber Musa ist Türke, und die finden in der Regel den Weg zu Allah, nicht zu Jesus. Außerdem sind dem jungen Taxifahrer eigentlich beide Religionen total schnuppe. Dass er trotzdem gleich beides, Muslim und Christ, werden will, und dafür bereit ist, sich immer weiter in Lügen zu verstricken, hat die beiden klassischen Gründe: Liebe und Geld.

Deniz Cooper gibt im Fernsehfilm Herrgott für Anfänger , einer Koproduktion von ORF und BR, den gutmütigen Sympathieträger Musa, einen Wiener Türken mit Dreitagebart und rauchiger Stimme. Seine österreichische Zunge ist unverkennbar, sein Türkisch dagegen miserabel, vom islamischen Gebet ganz zu schweigen. Sein Gott ist der Hedonismus: Großstadt, weltliches Leben, One-Night-Stands. Bis er Ayşe über den Weg läuft - der Tochter seines strenggläubigen Chefs. Als praktizierende Muslima trägt sie Kopftuch, wenn es sich gehört, und geht mit ihrer Familie in die Moschee. Auf einmal rollt Musa fünf Mal am Tag seinen Gebetsteppich aus. Und nebenbei zieht er sich einen türkischen Sprachkurs rein. Ob das reicht?

Wie einfach ist es für Asylbewerber, Christ zu werden?

Die Tat von Arnschwang wirft auch diese Frage auf. Der Angreifer konvertierte vom Islam zum Christentum und wurde deshalb nicht abgeschoben. Von Lisa Schnell mehr ...

Die Frage, ob Musa ein Mustermuslim werden kann, wird den Zuschauer nicht lang aufhalten. Denn Herrgott für Anfänger legt noch einen Handlungsstrang obendrauf. Bevor Musa überhaupt zum Islam finden kann, krempelt eine deutsche Christin sein Leben um. Die Weininger (Erni Mangold) ist eine alte Wirtin einer Weinstube und fährt regelmäßig mit Musa Taxi. Die grantige Frau vermacht dem Ahnungslosen ihr Lokal - unter einer Bedingung: Er muss Christ werden. Ausgerechnet er, der schon den Glauben seiner Väter eher als jugendliche Challenge praktiziert, erwägt nun aus profitheischenden Gründen, der katholischen Kirche beizutreten. Zieht er es durch und lässt sich taufen - oder steckt da doch noch zu viel Islam in Musas türkischem Wesen, der ihn daran hindert?

Aber auch diese Frage ist der Filmhandlung nicht genug: Dann taucht Miri auf, die blonde Zicke mit den blauen Augen und dem Dirndl. Es macht richtig Spaß, Katharina Straßer dabei zuzusehen, wie sie sinnlich und rotzig einer harmlosen Komödie den nötigen Biss verleiht.

Regisseur Sascha Bigler liefert mit Herrgott für Anfänger einen Film über das Absurde des Glaubens. Angenehm ist, dass er trotz Sticheleien in Richtung des Islams und des Christentums ohne Häme auskommt und dass er es vermeidet, die beiden Religionen gegeneinander auszuspielen. Die Fernsehkomödie schafft es, über Gitarre spielende Pfarrer und dogmatische Imame gerade so zu witzeln, dass es tatsächlich lustig wird - ohne boshaft zu werden. Und hält für den Schluss eine herrliche Wendung bereit.

Herrgott für Anfänger, Das Erste, 20.15 Uhr.

Der Mörder ist immer das Wildschwein

Was wäre, wenn die Natur Rache an den Menschen nehmen würde? Der polnische Öko-Thriller "Die Spur" erzählt von einem Jäger-Patriarchat, das sich alles und jeden unterwerfen will - und dafür mit dem Leben bezahlt. Von Kathleen Hildebrand mehr...