ARD-Intendantin Monika Piel im Gespräch "Wir brauchen den Spitzenfußball"

WDR-Chefin Monika Piel leitet nun für zwei Jahre die ARD. Ein Gespräch über Günther Jauch, die Bundesliga und Quotendruck.

Interview: Christopher Keil

SZ: Frau Piel, bekommt die ARD 2011 zu viel Talk?

Monika Piel: Meiner Meinung nach nicht. Sonst hätte ich nicht dafür gestimmt. Die Diskussion um zu viel Talk wurde ausgelöst durch die Verpflichtung Günther Jauchs, und da ich der zugestimmt habe, kann ich nicht der Meinung sein, wir hätten zu viel Talk. Für mich ist es wichtig, dass wir in unserer parlamentarischen Demokratie, in der immer weniger Menschen wählen gehen, auch die erreichen, die keine "Info-Junkies" sind.

SZ: Dem ZDF reicht eine politische Talkshow, RTL verzichtet ganz. Die Großzügigkeit der ARD kostet reichlich.

Piel: Fiktionales Programm an der Stelle wäre noch sehr viel teurer, und Programmvergleiche mit RTL kann ich sowieso nicht sehen.

SZ: Was erhoffen Sie sich von Jauch?

Piel: Dass er eine richtig gute Sendung macht. Ich fände es persönlich sehr schön, wenn Günther Jauch bei uns auch ein Unterhaltungsformat übernehmen würde, aber das steht im Moment nicht zur Debatte.

SZ: Anne Will hat sich beklagt, die Form sei unschön gewesen, mit der die ARD den Wechsel zu Jauch vollzog. Verstehen Sie ihren Unmut?

Piel: Ich bin nicht für Anne Will zuständig, auch nicht als ARD-Vorsitzende. Anne Will ist ein Format, das der NDR einbringt.

SZ: Was wollen Sie als ARD-Vorsitzende in den nächsten 24 Monaten einbringen?

Piel: Ich kann mir nicht alle Aufgaben aussuchen. Ein großes Thema wird unser neues Beitragsmodell werden, das in alle Landtage muss. Es ist noch nicht umgesetzt.

SZ: Die Quasi-Steuer, denn künftig werden Rundfunkgebühren erhoben, unabhängig vom Gerätebesitz.

Piel: Es ist keine Steuer, ein Verfassungsrechtler hat das Modell erarbeitet. Es ist ein Beitrag. Aber Sie haben recht, es ist Infrastrukturmaßnahmen gleichgesetzt. Ich finde es aber angemessen, dass in einer Demokratie nicht nur Straßen mitbezahlt werden, ob man nun ein Auto hat oder nicht. Dass auch Information und deren Vermittlung ein Infrastrukturbeitrag ist, ist folgerichtig.

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