ARD-Firma Degeto Es wird eng für Planer Jurgan

Bis zu 30 Millionen - so viel soll die ARD-Produktionsfirma Degeto über den Etat hinaus vergeben haben. Jetzt wird geprüft. Für die Verantwortlichen wird das Folgen haben.

Von Christopher Keil

Am Mittwoch der kommenden Woche wird Bettina Reitz, seit Mai Geschäftsführerin der Degeto, vor den Räten des Hessischen Rundfunks (HR) sprechen. Offenbar hat sie Intendant Helmut Reitze vor einiger Zeit eingeladen. Reitz, so sagt das einer aus der ARD, der es wissen müsste, werde wohl über ihre Ziele und Pläne als Degeto-Geschäftsführerin sprechen. Die Tagesordnung soll den Punkt "Zukünftige programmliche Ausrichtung der Degeto" aufführen. Kann Reitz einfach so über die Entwicklung der zurückliegenden Tage hinwegspringen?

Die Degeto ist ein kommerzielles Unternehmen unter Aufsicht der ARD-Intendanten, das derzeit jährlich ungefähr 260 Millionen Euro in so genannte Auftragsproduktionen investiert. Seit Mitte September ist bekannt, dass Hans-Wolfgang Jurgan, Co-Geschäftsführer von Reitz und schon viele Jahre an der Spitze der Degeto tätig, die Budgets für die Jahre 2010 und 2011 offenbar überzogen und möglicherweise auch für 2012/13 verplant hat.

Am 20. September drückte die Geschäftsführung der Degeto in einer offiziellen Stellungnahme ihr Bedauern darüber aus, dass "die Produzenten in naher Zukunft mit einem Produktionsrückgang rechnen müssen". Neue Stoffe könnten möglicherweise erst von 2014 an wieder entwickelt werden. Unter den Intendanten herrscht Konsens, dass die Geschäftsführung Jurgans transparent werden müsse, und angeblich sind externe Wirtschaftsprüfer bereits aktiv. HR-Boss Reitze leitet als einer der Degeto-Gesellschafter die, ja, Untersuchung für die ARD. Von den Resultaten wird abhängen, ob Jurgan nicht möglicherweise seine Anstellung verliert.

Allein, was bisher zu Tage trat, wird ARD-intern als gravierend eingeschätzt. So soll Jurgan - wenn man von Projekten absieht, die früher begonnen und finanziert werden mussten, als zunächst vorgesehen, was in der Filmproduktion oft vorkommt - insgesamt für zwischen 25 und 30 Millionen Euro mehr beauftragt haben, als seine Etats im Zeitraum 2009 bis 2012 hergaben. Ein Schaden ist der ARD nicht entstanden, sie will wohl die Summe wieder einbringen, indem sie über vier Jahre jährlich um die sieben Millionen Euro weniger bestellt.

Hat Jurgan sein Controlling nicht mehr im Blick gehabt? Intern sollen sich die verärgerten Intendanten inzwischen auch mit einem Szenario befassen, das in wenigen Wochen eine schnelle Personalentscheidung verlangen könnte - für den Fall, dass Jurgan nicht mehr zu halten ist.