ARD-Film "Hopfensommer" Hopfen und Schmalz

Liebenswert: ein Herzinfarkt, ein verlorener Sohn und eine neue Bäuerin. Die ARD zeigt ein feinherbes Rührstück mit Elmar Wepper als Hopfenbauer.

Von Hermann Unterstöger

"Da Hopf is a Tropf", sagt man in der Hallertau, vulgo Holledau, und den Holledauern ihrerseits sagt man eine selbst für altbairische Verhältnisse ungewöhnliche Schlitzohrigkeit nach.

In Harmonie mit dem Himmel: Elmar Wepper während einer Drehpause zum ARD-Film "Hopfensommer" als Hopfenbauer Josef Singhammer bei Wolnzach in der Hallertau.

(Foto: dpa)

Sie, die Holledauer, wären die Letzten, dem zu widersprechen, weil sie sich in dieser Schlitzohrigkeit in Harmonie mit dem Himmel wissen, wie das ja auch im Lied überdeutlich anklingt: "De andern san beim Schimmelstehln, / Maria, steh eah bei!"

Auf diesen Hintergrund sollte, wer sich den Hopfensommer ansieht, ein halbes Auge haben: der Tiefenschärfe halber und weil für den Film die verbleibenden eineinhalb Augen locker reichen. Es geht darin um eine Geschichte, die man in vergleichbarer Konstellation andernorts schon oft und oft vorgesetzt bekommen hat - in Illustriertenromanen, auf Traumschiffen und ein paarmal sicher auch von Rosamunde Pilcher.

Das klingt bitterer, als es gemeint ist. Rührstücke sind etwas Liebenswertes, wenn sie gut, also halbwegs glaubhaft, erzählt werden, und dieses hier geht einem in die Nase wie der feinherbe Geruch des Hopfens, an dem der alte Singhammer (Elmar Wepper) gleich zu Beginn riecht.

Josef Singhammer lebt mit seinem Sohn Karl (Fritz Karl) im Unfrieden, weil dieser als Kind sein Schwesterchen nicht vor dem Ertrinken hatte retten können. Die Arbeit auf dem Hof wächst ihm nun über den Kopf, und dann wirft es ihn auch noch vom Stuhl: das Herz! Die Mutter (Gaby Dohm, feinherb auch sie) holt den Buben aus der Stadt, wo er dem Brauwesen obliegt, insgeheim nach Haus.

Kenner des Genres wissen um das Ende

Dieser, nicht faul, packt auch gleich richtig an, sei es bei der Arbeit, sei es bei den Frauen Leni und Sophie (Anna Schudt und Christina Hecke), zwischen denen er hin- und hergerissen wird wie Herakles seinerzeit zwischen den Damen Lust und Tugend. Kenner des Genres wissen, wie so etwas ausgeht. Vater und Sohn raufen sich, von der Mutter ebenso weise wie zurückhaltend dirigiert, zusammen und gehen in eine grüngoldene Hopfenzukunft. Karl kriegt von der Leni eine Watschn, dafür kriegt sie ihn nicht, aber sie bleiben Freunde. Singhammerbäuerin wird schließlich Sophie, obwohl die in einem Lokal namens "boobs" als Tabledancerin arbeiten musste, um sich und ihr lediges Kind anständig durchzubringen.

Es ist dem Film (Regie führte Christian Wagner) hoch anzurechnen, dass er die Hallertau nicht als Kulisse missbraucht, sondern dass das Hopfengeschäft so authentisch wie möglich dargestellt und in die romantische Geschichte verwoben wird. Es stimmt alles, von der Dolde bis zur Darre, nur um die Schlitzohrigkeit ist es etwas dürftig bestellt. Die hätte man Sigi Zimmerschied überlassen können, dessen Bauer Vinzenz Huber allerdings und leider übers landläufige Intrigantentum nicht wesentlich hinausreicht.

Hopfensommer, ARD, Mittwoch, 20:15 Uhr.