ARD-Dokumentation "Was macht Merkel" Große Staatsoper

Angela Merkel, die Frau mit den eisernen Mundwinkeln.

(Foto: dapd)

Angela Merkel, die Frau mit den eisernen Mundwinkeln, hat sich in Europa einen Ruf als erfolgreiche, aber kalte Krisenmanagerin erworben. Wie kam es dazu? Fernsehreporter haben die Kanzlerin zwei Jahre lang begleitet und Antworten gesucht.

Von Claudia Tieschky

Einen besseren Zeitpunkt für diesen Film kann es natürlich gar nicht geben. Die CDU hat Angela Merkel gerade zur Fast-100-Prozent-Parteichefin gekürt, also zur Königin. Das muss Liebe sein oder zumindest viel Wille zur Unterwerfung. Peer Steinbrück ist seit Sonntagnachmittag offiziell ihr Rivale um die Kanzlerschaft. Und dann sieht man beide in dieser Dokumentation und fühlt sich stark an jene Sendungen aus dem Privatfernsehen erinnert - bei denen irgendwelche Filmschnipsel von Menschen laufen, über die dann genüsslich gelästert wird.

Selbstverständlich lästert Steinbrück nicht auf dem Niveau des Privatfernsehens. Er soll das Krisenmanagement der Machtpolitikerin Merkel in der Eurorettung kommentieren, das die Filmemacher Stephan Lamby und Michael Wech spannend vorführen. Angela Merkel, die sich 2010 weigert, Griechenland "vorschnelle Hilfe zu leisten", harte Maßnahmen verlangt und damit lange die Dominante, die neue Eiserne Lady unter den EU-Chefs ist. Inszeniert ist das als große Staatsoper, in der die Kanzlerin sich im Oktober 2011 einsam in ihrer dunklen Limousine telefonierend durch Berlin chauffieren lässt, als sich der Konflikt zwischen der Haltung im Bundestag und den EU-Plänen für Griechenland dramatisch zuspitzt. Ein knappes Jahr später, im Juni 2012, wird Merkel völlig isoliert beim EU-Gipfel gezeigt, ohne jeden Rückhalt, um halb fünf Uhr früh mit zerraufter Frisur und Augenringen, wie sie das Mikrofon der deutschen Sender nicht findet. Dafür tritt der Italiener Mario Monti vor die Kameras und verkündet ein zu seinen Gunsten geschöntes Ergebnis.

Die Kanzlerin mit den eisernen Mundwinkeln

Peer Steinbrück war Finanzminister der großen Koalition, er hat mit Merkel die Sicherheit der deutschen Sparguthaben versprochen und 2010 vor der Kamera des Filmemachers Lamby erklärt, mit dem Thema Kanzlerkandidatur sei er durch. Jetzt sagt er zu den Brüsseler Beschwernissen, dass Angela Merkel sein "absolutes Mitgefühl" gelte und er lobt am Ende sogar, "ein paar mehr Deiche" seien gezogen worden, die Situation sei stabiler, wenn auch die Eurokrise nicht gelöst. Und er kommentiert mit spröder Bissigkeit die innenpolitische Strategie hinter Merkels Härte, die in Deutschland gut ankommt.

Damit legt Steinbrück die Spur, auf die sich Lamby und Wech gern begeben - dass Merkels Euro-Härte in erster Linie dem Machterhalt in Berlin dient. Immer wieder bestimmen ganz offensichtlich Wahltermine und Koalitionsstrategie ihre Haltungen zu Griechenland ("Keine Eurobonds, so lange ich lebe"). Weniger Wert legte sie, sagen Kritiker, auf internationale Diplomatie.

Die Kanzlerin mit den eisernen Mundwinkeln habe, so analysiert es im Film der Elysée-Korrespondent von Le Monde, die EU in den "Aufstand der Schwachen gegen die Starken" getrieben. Und sie hat starke Verbündete verloren, auch weil sie den Sozialisten und jetzigen französischen Präsidenten François Hollande während dessen Wahlkampf offen ablehnte.

Zwei Jahre lang haben Wech und Lamby die Kanzlerin für diesen Film begleitet. Eine erstaunliche Zahl von Sakkofarben zieht vorbei. Aber gar kein Zweifel: Merkels Lieblingsfarbe ist die Macht.

Was macht Merkel - Die Kanzlerin in der Eurokrise, ARD, 22.45 Uhr