ARD-Doku Vorwärts

Reinhold Beckmann porträtiert SPD-Chef Sigmar Gabriel - der auch Beckmann nicht verrrät, ob er Kanzlerkandidat wird. Notgedrungen gibt der also den Gabriel-Deuter.

Von Robert Probst

Alles kreist natürlich um die eine entscheidende Frage: Wird er es machen oder kneift er doch noch? Die Dokumentation von Reinhold Beckmann, Michael Wech und Ulrich Stein kommt am Schluss natürlich zu einem Urteil, aber leider zu keinem eindeutigen. Denn auch den Filmemachern verrät Sigmar Gabriel nicht, was er nun zu tun gedenkt, da die Kanzlerin sich bereitgefunden hat, im Wahljahr 2017 noch mal für die Union anzutreten. Immerhin sagt er daheim am Küchentisch: "Weglaufen gibt's nicht", man müsse sich der Verantwortung stellen.

Neun Monate lang hat ein Kamerateam den Vizekanzler und Wirtschaftsminister begleitet, man sieht Gabriel mit Familie durch Goslar spazieren, mit Beckmann auf bewaldeten Höhen plaudern, man sieht das berühmte Duell mit der Juso-Chefin Uekermann auf dem Parteitag und bekommt Einblick in interessant möblierte Büros, in denen wichtige Männer wie Altkanzler Gerhard Schröder sitzen. Martin Schulz, Franz Müntefering, ein erregter Ruhrpott-Sozialdemokrat, der zur AfD gewechselt ist, und mehrere Journalisten lassen den Zuschauer teilhaben an ihren Erkenntnissen zum Phänomen Sigmar Gabriel. Und Reinhold Beckmann gibt den Deuter. Immer wieder ist die Rede von Gabriels Gespür, vom Bauchgefühl, vom Wittern. Die dazu passenden Adjektive lauten "sprunghaft" oder "impulsiv". Immer steht jemand mit dem Rücken zur Wand, schwindet der Rückhalt, steht jemand am Scheideweg. Und dazu ein paar Slow-Motion-Sequenzen: Gabriel mit Security-Männern, Gabriel im Willy-Brandt-Haus.

Die Dokumentation versucht sich auch dem Menschen zu nähern, der SPD-Chef erzählt von seinem Nazi-Vater, dem Sorgerechtsstreit seiner Eltern, von seiner Tochter, die nächsten März zur Welt kommen wird. Hier kommt man ihm am nächsten, einem Mann, der nach den Erfahrungen in seiner Kindheit "nie wieder ohnmächtig" sein will. Die komplexe Lage der SPD in Deutschland erfasst der Film dagegen nicht, viele Probleme werden nur angetippt. Die Sozialdemokratie lässt sich womöglich gar nicht an der Person des Vorsitzenden erzählen. Doch die Tendenz des Films lautet: Aufbruch.

Sigmar Gabriel und die SPD - Niedergang oder Aufbruch, ARD, Dienstag, 22.45 Uhr.