ARD-Doku "Als die Bundesliga laufen lernte" Männerjahre

In diesem Sommer wird die Bundesliga 50. Seither ist die höchste Spielklasse des deutschen Fußballs zum Kommerzding geworden - und zur Quasselbude. Doch ihren Kern hat sie sich bewahrt. Der NDR würdigt ihre Anfänge mit einem Film, dem man die Liebe zum Thema anmerkt

Von Holger Gertz

Der Fußball rollt am allerschönsten in schwarz-weiß. Er rollt über Hinterhöfe, er rollt unter Wäscheleinen durch, im Hintergrund die Fördertürme der Zechen. Der Fußball rollt durch Stadien, in denen die Menschen ganz nah am Platz sitzen. Er rollt vorbei an Werbebanden, auf denen noch keine Slogans stehen, sondern sperrige Wörter: Karstadt - Ihre Einkaufsstätte.

Als die Bundesliga laufen lernte heißt der Film von Mirjam Bach und Inka Blumensaat, die NDR-Produktion ist zugleich Dokumentation, Revue und Fotoalbum. Erzählt wird die Vorgeschichte der Bundesliga und das Geschehen am allerersten Spieltag, dem 24. August 1963.

Die Filmemacherinnen verlassen sich auf die Zauberkraft der alten Aufnahmen, und sogar Bilder, die es gar nicht gibt, werden nachträglich entwickelt: Wenn Fußballer erstaunlich detailliert von Toren erzählen, die damals nicht gefilmt wurden, weil der Kameramann sein Equipment halt noch nicht ausgepackt hatte.

Die Kameras nahmen ja nie das ganze Match auf, jeder gute Kameramann folgte den Vorgaben des Meisterkommentators Ernst Huberty: "Dreht wenig, aber habt alle Tore." Das Ergebnis kam Samstagabend nach dem Wort zum Sonntag.

Darüber hinaus hält sich der Erkenntnisgewinn zwar in Grenzen, einige der Bilder und Gedanken kennt man aus Als Arbeiterjungs Fußballprofis wurden (WDR), ein Zweiteiler aus dem Jahr 2009, der ausleuchtete, wie ein Unterschichtensport zum Spielzeug des Establishments wurde.

Gutes Betriebsklima für den Spieler in der Stahlmöbelfabrik

Mit soziologischen Betrachtungen halten sich Bach und Blumensaat eher zurück, als Reiseführer für eine sentimental journey ist ihr Film trotzdem geeignet, dem man anmerkt, dass er mit Liebe gemacht ist.

Man sieht den alten Huberty, wie er Filmrollen fürsorglich in seinen Händen wiegt; man sieht auch den jungen Huberty, der mit Franz Kremer, damals Präsident des 1. FC Köln, über die Gehälter der Spieler spricht. 1200 Mark gab es pro Monat, Prämien inklusive, die Spieler arbeiteten nebenher in normalen Lohnberufen.