ARD Bodensee-"Tatort": Seichtwasser

Rebecca (Gro Swantje Kohlhof) macht Kommissar Perlmann (Sebastian Bezzel) zu ihrem neuen "Erzieher".

(Foto: SWR/Stephanie Schweigert)

Die Episode "Rebecca", angelehnt an den Fall Kampusch, ist sehenswerter als der Konstanzer Durchschnitt. Trotzdem: Es ist okay, dass bald Schluss ist.

TV-Kritik von Holger Gertz

Dies ist der vorletzte SWR-Fall mit den Ermittlern Blum und Perlmann, deren Abenteuer auch deshalb als Bodensee-Tatorte in die Geschichte eingehen, weil es oft der Bodensee war, der die beste Figur abgegeben hat. Betuliche Ermittlungsarbeit, eine treue und kaffeekochende Assistentin namens Beckchen, die an jene treue Assistentin Rehbeinchen erinnerte, die den Kaffee für den Kommissar Erik Ode brühte. Aber das ist jetzt auch schon fast ein halbes Jahrhundert her.

Der Bodensee allerdings riss es im Bodensee-Tatort oft genug raus, er schenkte den Szenen den atmosphärisch so wertvollen Nebel, und manchmal rauschten die Ermittler übers Wasser Richtung Schweiz. Unterwegs begegneten ihnen merkwürdige Phänomene, an der Wasseroberfläche treibende Fahrräder zum Beispiel. Am anderen Ufer hatten die Kommissare erst mal mit den dortigen Kollegen zu klären, wem die Leiche gehört. Die Auseinandersetzung über Zuständigkeiten als garantiert spannungsraubendes Element. Der Bodensee aber: charismatisch tipptopp.

Zeit für die Seebestattung

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Die Episode "Rebecca" von Umut Dag (Buch: Marco Wiersch) allerdings bricht mit Seegewohnheiten, sie konzentriert sich auf die Menschen, und so verdichtet sich alles zu einem Drama, das immerhin sehenswerter ist als der Konschtanzer Durchschnitt.

Rebeccas Traumatisierung ist teilweise nur Behauptung

Das Mädchen Rebecca (Gro Swantje Kohlhof) taucht nach Jahren in der Gefangenschaft eines Entführers wieder auf, die Geschichte ist an den Fall Kampusch angelehnt, allerdings gibt es hier noch ein zweites Kind, das verschwunden ist und womöglich gerettet werden könnte. Der sogenannte "Wettlauf gegen die Zeit", um einer besonders bösen Floskel der Kriminalfilmbesprechung zu ihrem Recht zu verhelfen.

Die Story ist zügig erzählt, Gro Swantje Kohlhof ist berührend. Dem Stück fehlt dennoch eine Tiefe, die es aus der Menge der Erzählungen über verlorene Kinder hervorheben würde. Rebeccas Traumatisierung ist teilweise nur Behauptung, denn man kann dann doch überraschend gut mit ihr reden, besonders Kai Perlmann (Sebastian Bezzel), den sie als ihren neuen Erzieher ansieht.

Ein paar dramaturgische Kniffe sind sehr aufdringlich, immer wenn Rebecca im Begriff ist, etwas Entscheidendes zu verraten, tritt die Psychologin Schattenberg ins Bild und verhindert das. Außerdem ist schwere Abschiedsstimmung eingearbeitet, nicht nur das traurige Mädchen sagt: "Ich vermisse dich, Perlmann."

Aber auch wenn die vorletzte Folge hier ihre Qualitäten hat: Ist schon okay, dass bald Schluss ist.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.

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