TV-Kritik: "Anne Will" zu Syrien Von der Leyen steht voll hinter dem US-Präsidenten

In der ARD-Sendung von Anne Will stellt sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hinter den Militärschlag von US-Präsident Donald Trump gegen Syrien.

(Foto: dpa)

Nach Monaten der Skepsis in Westeuropa darf Trump bei "Anne Will" endlich mal der Gute sein. Nicht nur die Verteidigungsministerin findet seinen Militärschlag gegen Syrien richtig.

TV-Kritik von Antonie Rietzschel

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Donald Trump oder einer seiner Berater diesen Artikel liest: Dies ist eine Empfehlung. Und zwar für die einstündige Talkshow Anne Will, mit dem Titel: "Trump bedroht Assad - droht jetzt ein globaler Konflikt?" vom Sonntagabend. Der US-Präsident hätte seine wahre Freude daran gehabt. Versprochen.

Nach Monaten der Skepsis und des Kopfschüttelns in Westeuropa darf Donald Trump endlich mal der Gute sein. Mehr noch. Die Mehrheit der geladenen Talkshow-Gäste ist überzeugt, dass eine Lösung im Syrienkonflikt jetzt dank Trump zum Greifen nahe ist. Gerade wegen seiner Unberechenbarkeit. Entgegen früherer Ankündigungen nämlich gibt er doch den Weltpolizisten, ließ Raketen auf einen Stützpunkt der syrischen Armee abfeuern. Als Reaktion auf den Chemiewaffenangriff in der Stadt Khan Sheikun, für den die USA den syrischen Machthaber Baschar al-Assad verantwortlich machen.

Von der Leyen spricht gleich für ganz Europa

Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, CDU, bezeichnet den US-Angriff in der Sendung von Anne Will als Warnschuss, der "richtig" gewesen sei. Damit geht sie einen Schritt weiter als Bundeskanzlerin Angela Merkel, die die Bombardierung lediglich "nachvollziehbar" findet.

Von der Leyen lässt durchblicken, dass sie über den Ablauf des Einsatzes informiert war. Sie versichert, es sei absichtlich ein abgeschiedenes Ziel ausgesucht worden, um den Tod von Zivilisten zu vermeiden. Außerdem sei die syrische Armee vorgewarnt worden. Genauso wie die Russen.

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Von der Leyen verteidigt den Angriff mit Vehemenz. Was vielleicht auch etwas mit einem ihrer Gegenüber zu tun hat. Der frühere US-Diplomat John Kornblum hatte die Bombardierung zu Beginn der Sendung als "befreienden Schlag" bezeichnet. Der Bundesregierung warf er vor, sich außenpolitisch nicht immer klar genug zu positionieren.

Ein Vorwurf, den von Leyen offenbar nicht auf sich sitzen lassen will. Sie lässt keinen Zweifel an ihrer Unterstützung für die USA aufkommen. Nach dem US-Angriff habe Europa diesen mit einer Stimme gebilligt. Sie beugt sich zu Kornblum herüber: "Das haben sie hoffentlich mitbekommen." Es klingt fast flehend.

Ähnlich wie Trump scheint von der Leyen die Frage nicht sonderlich umzutreiben, ob der Einsatz gegen das Völkerrecht verstößt. Sie verweist lieber auf die Gräueltaten Assads. Sowie auf die von Russland blockierte Resolution des UN-Sicherheitsrats. Da heiligt der Zweck wohl die Mittel.

Einigermaßen schockiert davon ist in der Sendung nur der Linken-Politiker Jan van Aken. "Wir verlassen damit das Völkerrecht", sagt van Aken. Nach der Argumentation der Verteidigungsministerin könne künftig jedes Land einfach bombardiert werden, das von einem brutalen Diktator beherrscht wird.

Und der Einsatz von Chemiewaffen? Ist das kein Grund, Assad in die Schranken zu weisen? Für van Aken ist da noch nichts bewiesen. Dass die Assad-Regierung für den Chemiewaffen-Angriff verantwortlich sei, sei derzeit nur eine Behauptung. Harte Beweise scheint es tatsächlich noch nicht zu geben.

Erst Bomben, dann reden

Der Bundestagsabgeordnete van Aken war von 2004 bis 2006 Biowaffeninspekteur für die Vereinten Nationen. Er hält es für möglich, dass syrische Rebellen die Granaten mit dem Nervengift Sarin erobert und eingesetzt haben. Und fordert, dass eine russisch-amerikanische Expertengruppe den Giftgasangriff untersucht. Das sei besser als Trumps-Strategie, erst zu "bomben und dann reden".

An diesem Montag immerhin reist der amerikanische Außenminister Rex Tillerson zu Gesprächen über den Syrien-Konflikt zum G7-Außenministertreffen nach Italien.

Welchen Effekt der US-Angriff hat, darüber gehen die Meinungen auseinander. Der Historiker Michael Wolffsohn glaubt in der Sendung, dass Russland bereit wäre für einen Deal: Putin entzieht Assad die Unterstützung wenn die USA die Krim als russisches Staatsgebiet anerkennen. US-Diplomat Kornblum glaubt dagegen, Russland stehe mit dem Rücken zur Wand und habe keinen Spielraum mehr. Ursula von der Leyen sieht die Aufgaben Europas so: Stabilisierung und Versöhnung. Ob all das aufgeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

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