Angriff auf "La Repubblica" "Wiederaufflammen des Faschismus"

Anhänger der neofaschistischen Bewegung "Forza Nuova" stürmen den Innenhof der Redaktionsgebäude von La Repubblica.

(Foto: AP)

Rechtsextreme greifen das Redaktionsgebäude der italienischen Zeitung "La Repubblica" an. Der Chefredakteur sorgt sich nicht um sein Blatt - sondern um die Zukunft seines Landes.

Von Oliver Meiler

Es ist gar nicht so einfach, sich dem Redaktionshaus von La Repubblica zu nähern. Seit die römische Zeitung vor einigen Jahren an die Via Colombo gezogen ist, in einen Glaskasten an der großen Ausfallstraße im Süden der Stadt, wirkt ihr Sitz wie ein Bunker: Die Zugangsschranken öffnen sich normalerweise nur, wenn der Portier aufschließt. Einem Dutzend Neofaschisten ist es nun gelungen, in den Innenhof vorzudringen. Und so wurden die Italiener erneut Zeugen einer Einschüchterungsaktion der rechtsextremen Szene, wie sie sich in jüngerer Vergangenheit häufen im Land. Sie laufen unter dem Sammelbegriff "Onda nera", schwarze Welle.

Dreizehn Mitglieder der kleinen, neofaschistischen Partei Forza Nuova traten mit Rauchpetarden und Brandfackeln auf, wie man sie aus den Fankurven im Fußballstadion kennt. Sie wedelten damit, dann warfen sie zwei Fackeln gegen die Fassade, was durchaus hätte gefährlich sein können, doch passiert ist nichts. Ihre Gesichter hatten die Eindringlinge mit weißen Masken verdeckt. Auf einem Transparent riefen sie zum Boykott der Zeitung und des Nachrichtenmagazins L' Espresso auf, das zu derselben Verlagsgruppe gehört. Einer trug ein Megafon und sprach wirres Zeug, das er von einem Traktat ablas.

Das Blatt hatte zuletzt ausführlich über Rechte in Italien berichtet

Kaum war die Aktion vorüber, erschien auf Facebook ein Post, in dem es hieß, das sei nur der erste "Kriegsakt" gewesen: "Ihr werdet keine Ruhe mehr haben." Der linksliberalen Zeitung, gegründet 1976, wird darin vorgeworfen, sie trage mit ihrer weltoffenen Haltung und mit ihren Kampagnen für die Rechte von Ausländern dazu bei, dass Italiens Volk "ausgewechselt" werde - wörtlich ist von "ethnischer Ersetzung" und von "Immigrationismus" die Rede. Erst vor einigen Tagen hatte ein Video aus dem norditalienischen Como für Aufsehen gesorgt, in dem man eine Gruppe von Skinheads sieht, die Flüchtlingshelfer bei einer Sitzung stören und ihnen Verrat am italienischen Volk vorwerfen. Selbst die Wortwahl war ähnlich.

Landesweit publik wurde das Video aus Como nur, weil Repubblica es auf ihre Website gestellt hatte. Seither diskutieren die Italiener darüber, ob solche Aktionen Teil eines größeren Phänomens seien - Beispiele also für ein "Wiederaufflammen des Faschismus", wie Mario Calabresi, der Chefredakteur von La Repubblica, es nennt. "Wir sind nicht besorgt um unsere Zeitung", sagte er, "wir sind besorgt wegen des Klimas im Land."

Kein anderes Blatt warnt eindringlicher, und das schon seit Monaten. Rechte Zeitungen und Parteien warfen Repubblica in den vergangenen Tagen vor, sie übertreibe die Gefahr. Es hieß gar, sie schüre das Phänomen mit ihrer angeblich aufgeregten Berichterstattung. Nun, nach dem Fackelmarsch der Neofaschisten, zeigen sich alle solidarisch. Sogar Matteo Salvini, der Chef der rechtspopulistischen Lega Nord, meldete sich mit einem Tweet - als Letzter, nach allen anderen Parteichefs, dem Staatspräsidenten, dem Premierminister, dem Justiz- und dem Innenminister. "Ich drücke den Journalisten von Repubblica meine Solidarität aus", schrieb Salvini, "der Parteilichkeit der Zeitung antworte ich mit Ideen und Vorschlägen, nicht mit Nebelkerzen und Drohungen." Die Aktion der Skinheads in Como hatte er noch eine Posse genannt.

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